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Wüsten-Nutztier : Von der Schönheit der Kamele

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Einst waren sie die Säule des Fernhandels wüster Weltgegenden. Wo heute eine Kamelkarawane zieht, werden in den allermeisten Fällen Touristen geschaukelt – oder historische Filme gedreht. Bild: plainpicture/Cultura/Philip Lee

Der Araber und sein Wüstenschiff haben eine zu lange Geschichte miteinander, als dass Geländewagen sie beenden könnte. Und längst kümmern sich auch Sportmanager und Fortpflanzungsmediziner um die Schwielensohler.

          Sanft schwankt der Sattel von links nach rechts und wieder zurück. Im Takt der Schritte hebt und senkt sich der Horizont hinter den Dünen der Sharqiya Sands im Osten des Oman. Auch wer, wie hier die meisten an diesem Morgen, zum ersten Mal im Leben auf einem Kamel sitzt, fühlt sich nach spätestens zehn Minuten in eine andere Ära versetzt. In eine Zeit vor den Geländewagen, als man allein mit diesen in mehr als einer Hinsicht belastbaren Tieren wochenlang durch die Wüste ziehen konnte. Ohne Kamelkarawanen war Fernhandel durch Weltgegenden wie diese lange unmöglich. Aber was machen Kamele heute – außer Touristen durch die Dünen zu tragen?

          Saif bin Sultan bin Rashid Albadi fällt da einiges ein. Sein ganzes Leben hat der Beduine den Kamelen gewidmet. Er lebt in Saham, einem Dorf rund 200 Kilometer westlich von Muscat. Dank Landwirtschaft ist der Oman hier im Spätsommer so grün wie an kaum einem anderen Ort. Unablässig sprühen die Bewässerungsanlagen zwischen die Bananenpalmen und auf das Gras, das auch Albadis Kamele ab und an zu fressen bekommen. 20 Tiere stehen hinter einer halbhohen Steinmauer in zwei langen, offenen Unterständen, vier weitere auf dem Platz dazwischen, mit locker zusammengebundenen Vorderläufen am Davonlaufen gehindert.

          Es ist später Nachmittag. „Abendessenszeit für die Kamele“, sagt Albadi. Während Helfer Zweige herbeitragen, kniet der Endfünfziger im Sand zwischen den Stallungen und zählt auf, wofür die Tiere gezüchtet werden: Als Rennkamele, zur Milchproduktion, für Schönheitswettbewerbe oder Schaulaufen. Albadis Familie hat schon immer Kamele gezüchtet. Früher waren es hauptsächlich ihre eigenen, heute züchtet er überwiegend für andere Halter. Nur drei der Tiere gehören ihm. Die übrigen Stuten wurden von ihren Besitzern zu Albadi gebracht, damit er die Zuchthengste auswählt und die Fohlen in den ersten Monaten für ihre jeweiligen Aufgaben ausbildet.

          Hengstfohlen haben nur wenige Monate

          Die ideale Zuchtzeit beginne im September und ende im Frühjahr, erklärt er. So kämen die Fohlen in der kühleren Phase des Jahres auf die Welt. „Die Kleinen sind dann kräftiger“. Die Hengstfohlen bleiben nach der Geburt vier Monate bei ihren Müttern. Anschließend werden die meisten von ihnen geschlachtet. Den Stutenfohlen hingegen ist ein längeres Leben beschieden, weil sie später Milch geben können und auch für Rennen deutlich beliebter sind. „Sie sollen besonders gute Kamele werden, deshalb werden sie länger gesäugt“, sagt Albadi. Bis zu acht Monate bleiben sie bei ihren Müttern.

          Dromedare und Trampeltiere kommen auch wild oder verwildert vor. In Australien stammen sie von eingeführten Tieren ab und stellen heute die weltweit größte Population wilder Kamele.

          In dieser Zeit trainiert Albadi den Nachwuchs, damit er später folgsam ist. Am liebsten mag er Tiere, die schon von Natur aus ein ruhiges Gemüt haben. Optisch gefallen ihm die fuchsfarbenen Kamele der nördlichen Küstenebene Batina am besten. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, die verschiedenen Zuchtlinien zu erhalten“, sagt er. Seit einigen Jahren wird dies auch von höchster Stelle unterstützt. Nach Saudi-Arabien ist der Oman auf der Arabischen Halbinsel das Land mit den zweitmeisten Kamelzüchtern. Sie werden vom Royal Camel Corps überwacht, das genau Buch über die Abstammung der einzelnen Tiere führt und auf möglichst reinrassige Zuchtlinien achtet.

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