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Wissenschaft : Ehrlich-Preisträger und Schöpfer von „Dolly“ verteidigt Forschung

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Das - ausgestopfte - Klonschaf „Dolly”... Bild: dpa/dpaweb

Der Schöpfer des Klon-Schafs „Dolly“ hat seine bahnbrechenden Experimente auf dem Gebiet der Genforschung verteidigt. Ian Wilmut erhält am Montag in der Paulskirche den mit 100.000 Euro dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis.

          Der Schöpfer des Klon-Schafs „Dolly“, der britische Wissenschaftler Ian Wilmut (60), hat seine bahnbrechenden Experimente auf dem Gebiet der Genforschung verteidigt. In Frankfurt sagte Wilmut am Sonntag, er sei stolz auf das, was er entdeckt habe. Seine wissenschaftlichen Versuche hätten die Grundlage für neue klinische Möglichkeiten gelegt. Wilmut erhält an diesem Montag in der Frankfurter Paulskirche den mit 100.000 Euro dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2005.

          Das Preisgeld will Wilmut zu Forschungszwecken und zum wissenschaftlichen Austausch verwenden. Das Geld werde er nicht in die umstrittene Klonforschung am Menschen investieren, kündigte Wilmut in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ an. Er habe Respekt vor der deutschen Rechtslage. Das Geld werde er für ein Forschungsprojekt mit Mäusen verwenden. Zuvor hatten Bundestagsabgeordnete von CDU und Grünen Kritik daran geübt, daß möglicherweise deutsche Steuergelder in eine Forschung fließen könnten, die in Deutschland verboten sei.

          „Wissenschaftsfeindliche Sicht der Bundesrepublik“ gerügt

          Wilmut gilt als Wegbereiter der modernen Embryologie. Seine Experimente haben zum ersten Klonen eines Säugetiers geführt. Gleichzeitig räumte Wilmut ein, er habe nicht damit gerechnet, daß er eine weltweite Ethik-Diskussion entfachen könnte. Der Leiter des Instituts für Klinische und Molekulare Virologie der Universität Erlangen-Nürnberg, Bernhard Fleckenstein, der dem Stiftungsrat angehört, kritisierte die „wissenschaftsfeindliche Sicht der Bundesrepublik“. Diese werde weltweit nicht geteilt und stehe der Zukunftsfähigkeit Deutschlands möglicherweise im Wege.

          ...und sein Schöpfer Ian Wilmut

          Der stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsraters der Paul Ehrlich-Stiftung, der Frankfurter Mediziner Josef Pfeilschifter, wertete die wissenschaftlich Arbeit Wilmuts als „essentiellen Beitrag in der Sorge um das Wohl der Patienten“, denen die Medizin heute noch nicht helfen könne.

          Unterdessen haben Mitglieder der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) vor der Frankfurter Goethe-Universität demonstriert. Sie werten die Auszeichnung als einen „Versuch, den bioethischen Konsens in Deutschland zu unterlaufen“. Fleckenstein widersprach der Vermutung, die Wahl Wilmuts sei politisch motiviert oder wolle Zeichen setzen.

          1997 erste idemtische Kopie eines Lebewesens

          Wilmut beschäftigt sich seit Ende der siebziger Jahre mit Genforschung. Bekannt wurde er 1997 mit dem Schaf „Dolly“. Zum ersten Mal war es gelungen, eine genetisch vollkommen identische Kopie eines Lebewesens aus den Erbinformationen einer einzelnen Körperzelle eines älteren Tieres herzustellen.

          Die Auszeichnung, die Wilmut nun erhält, zählt zu den renommiertesten Preisen, die in der Bundesrepublik auf dem Gebiet der Medizin vergeben werden. Das Preisgeld stammt je zur Hälfte aus Spenden von Unternehmen und vom Bundesgesundheitsministerium. Dem Stiftungsrat der 1929 gegründeten Paul Ehrlich-Stiftung gehören 14 Wissenschaftler aus fünf Ländern an, die traditionell am 13. März über den Preisträger des kommenden Jahres entscheiden.

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