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Sanfte Biotechnologie : Die Gentechnik im Hoffnungslauf

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Der Wunsch nach neuen Regulierungen

In Deutschland fordern viele Wissenschaftler seit langem eine neue Regulierung. „Wenn der EuGH der Einschätzung Bobeks folgt, entscheidet nicht mehr das biotechnologische Verfahren zur Erzeugung neuer Kultursorten über die Regulierung, sondern die Eigenschaften des fertigen Produkts“, sagte Andreas Weber am Rande der Konferenz. „Das wäre die faktenbasierte Kehrtwende, auf die wir seit langem warten.“ Weber leitet das einzige Exzellenzcluster für Pflanzenwissenschaften in Deutschland. „Wir wären dann nach langen Jahren des Stillstands erstmals wieder in der Lage, den kausalen Zusammenhang zwischen genetischer Vielfalt und phänotypischen Eigenschaften im Feld zu untersuchen.“

Crispr-Champignons
Crispr-Champignons : Bild: Yang Lab, Penn State University

Weber hofft zusammen mit seinen europäischen Kollegen auf eine EuGH-Entscheidung im Sinne Bobeks. „Dann könnten Forschungshemmnisse abgebaut und unsere Konkurrenzfähigkeit gegenüber der außereuropäischen Pflanzenforschung gestärkt werden. Das würde auch zu einem Innovationsschub bei der nachhaltigen Sicherung der Ernährungsgrundlagen führen.“ Weber ist der Ansicht, dass eine neue Regulierung auch kleinen Firmen und Start-ups die Möglichkeit geben wird, schnell und kostengünstig Produkte auf den Markt zu bringen. Derzeit gibt es eine große Konzentrationsbewegung im internationalen Saatgutmarkt. Kleinere Firmen könnten diesen Markt aufmischen. Weber machte zudem klar, dass der derzeitige Gentechnik-Begriff aus dem achtziger Jahren stammt, das Gentechnikrecht aus den Neunzigern. „Damals hat man sehr stark auf das Vorsorgeprinzip gesetzt. Nach fast dreißig Jahren weltweitem Anbau wissen wir heute, dass gentechnisch veränderte Pflanzen keine inhärenten Risiken haben. Es ist an der Zeit, den Gentechnik-Begriff an die wissenschaftlichen Realitäten unserer Tage anzupassen.“

In den Vereinigten Staaten hat die nationale Landwirtschaftsbehörde einige Crispr-Pflanzen aus der Regulierung genommen. Den Anfang hat vor zwei Jahren eine Champignon-Sorte gemacht, der eine kurze DNA-Sequenz fehlt und die deshalb nicht mehr braun wird. Im vergangenen Jahr sind weitere Crispr-Pflanzen hinzugekommen, etwa ein Leindotter mit mehr Omega-3-Fettsäuren oder eine dürreresistente Sojabohne.

Gao sieht es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an, auch in China für mehr Akzeptanz für die grüne Gentechnik zu werben. Dort ist der Rückhalt bisher ebenfalls gering. Gao hofft, dass ihre Forschung für eine Trendwende sorgen wird.

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