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Kuriose Reptilien : Wie Seeschlangen unter Wasser atmen

  • -Aktualisiert am

Seeschlangen wie dieser Nattern-Plattschwanz können lange untertauchen, ohne Luft zu holen. Sie nehmen dazu Sauerstoff über die Haut auf. Bild: Getty

Ein stattliches Loch in der Schädeldecke – das braucht die Streifenruderschlange, um unter Wasser klar zu denken. Das Meerestier atmet offenbar mit dem Kopf.

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          Als vor ungefähr 16 Millionen Jahren die Giftnatter zurück in das Wasser schlängelte, waren einige Anpassungen an die neue Umgebung nötig. Die zuvor rein landläufige Tiergruppe spaltete sich und es entstand die Gruppe der Hydrophiinae, die sich für das Leben im Wasser wappnen musste. Zum einen können Seeschlangen die Nasenlöcher wie ein Ventil mit einer Klappe schließen – eine besonders wichtige Fähigkeit, wenn man keine Hände zur Verfügung hat. Zum anderen können sie bei längeren Tauchgängen Sauerstoff über die Haut aufnehmen.

          Wissenschaftler von der Flinders University und der University of Adelaide in Australien haben nun ermittelt, zu welchem Ausmaß Seeschlangen über die Haut atmen. Denn einige Unterarten weisen ein ungewöhnlich großes Loch in der Schädeldecke auf, dessen Funktion bisher noch nicht ausgemacht worden war.

          Die Forschergruppe um Alessandro Palci untersuchte zu diesem Zweck zwei Streifenruderschlangen. Bei einer speziellen Tomografie mit Kontrastmitteln zeigte sich, dass die Schlangen ein äußerst komplexes Adersystem rund um Stirn und Schnauze besitzen, das bis unter die oberste Hautschicht reicht. Die hauchdünnen Kapillaren bündeln sich zu einer großen Ader, die durch das mysteriöse Loch in der Schädeldecke direkt ins Gehirn führt. Die Forscher vermuten, dass so bei Tauchgängen das Gehirn mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird.

          Eine spezielle Tomografie offenbart ein kompliziertes Geflecht aus Adern an Schnauze und Stirn der Streifenruderschlange. Der Pfeil zeigt an, wo diese durch ein Loch in der Schädeldecke direkt in das Gehirn führen.
          Eine spezielle Tomografie offenbart ein kompliziertes Geflecht aus Adern an Schnauze und Stirn der Streifenruderschlange. Der Pfeil zeigt an, wo diese durch ein Loch in der Schädeldecke direkt in das Gehirn führen. : Bild: Dr Alessandro Palci, Flinders University

          Denn die Fähigkeit, mit der Haut zu atmen, birgt einen Nachteil: Damit Sauerstoff durch Diffusion aufgenommen werden kann, muss das Blut, das durch die Haut fließt, zunächst eine geringe Sauerstoffkonzentration haben. Der Blutkreislauf der Seeschlangen fließt daher zu großen Teilen an der Lunge vorbei, in der das Blut ansonsten mit Sauerstoff angereichert würde. Das sauerstoffarme Blut könnte allerdings das Gehirn der Schlangen schädigen. Die Forscher vermuten, dass Streifenruderschlangen dieses Problem mit dem komplexen Adergeflecht am Kopf lösen, das allein für das Gehirn sauerstoffreiches Blut bereitstellt. Dies könnte ihnen ermöglichen, für längere Zeit unterzutauchen. Um diese Vermutung zu bekräftigen, sind jedoch noch weitere Untersuchungen an den giftigen Tieren nötig.

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