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Konkurrenz oder Kooperation? : Wie die Evolution das Teamwork fördert

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Kooperatives Insekt: der Aaskäfer Nicrophorus vespilloides Bild: mauritius images

Die Evolution fördert offenkundig die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Das lässt sich gut bei Aaskäfern beobachten. Elternlose Insekten zeigen sich in einigen Generationen sogar kooperativer als ihre Artgenossen, die von Eltern umsorgt werden.

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          Konkurrenzkampf oder Kooperation? Was sich unter evolutionsbiologischen Aspekten als erfolgreichere Strategie erweist, hängt bei bestimmten Aaskäfern vom familiären Umfeld ab. Wenn die Eltern als Futterspender zur Stelle sind, sollte es sich für die Larven auszahlen, um elterliche Zuwendung zu konkurrieren. Unter Larven, die ohne solche Brutpflege aufwachsen, sollte es dagegen eher geschwisterlich kooperativ zugehen. Diese Hypothese haben Wissenschaftler um Darren Rebar von der Emporia State University in Kansas und Nathan W. Bailey von der University of St Andrews bestätigen können, als sie die Brutpflege des Aaskäfers Nicrophorus vespilloides studierten.

          Käfer dieser Gattung sind wegen ihrer nekrophilen Neigungen unter dem Namen „Totengräber“ bekannt: Von Aasgeruch angelockt, finden die erwachsenen Käfer ein kleines totes Tier, etwa eine Maus, die als nahrhaftes Nest für den Nachwuchs taugt. Zunächst entfernen die Totengräber einen Großteil des Fells, rollen das Aas dann zu einer Kugel und scharren, was darunter liegt, nach oben. Auf diese Weise begraben, wird das tote Tier zu einem Fresspaket für die Käferlarven. Oft geht die Fürsorge der Eltern sogar noch weiter: Sie füttern die Larven, die sich in einer kleinen Vertiefung auf dem Fleischpaket sammeln, regelmäßig mit Vorverdautem. Mitunter kümmert sich allerdings nur ein Elternteil derart engagiert um die Nachkommenschaft oder keiner von beiden.

          Wenn niemand das Futter mundgerecht serviert, geht es nicht mehr darum, auf Kosten der Geschwister möglichst große Portionen zu ergattern. Stattdessen müssen die Käferlarven dem Fleischpaket, auf dem sie hocken, mit eigenen Mundwerkzeugen zu Leibe rücken. Um herauszufinden, ob die Evolution unter diesen Umständen kooperatives Verhalten fördert, sammelten die Forscher in der englischen Grafschaft Cambridgeshire zahlreiche Exemplare der gewünschten Totengräber-Spezies und züchteten sie im Labor. Die Nachkommen dieser genetisch buntgemischten Schar wurden in zwei Populationen aufgeteilt und 22 Generationen lang separat gehalten. In der einen Population fütterten die Eltern ihre Larven, in der anderen wurden sie stets daran gehindert.

          Synchron aus dem Ei gekrochen

          Wie Darren Rebar und seine Kollegen in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften berichten, konnten Totengräber, die als Larven ohne Eltern klarkommen mussten, diesen Verlust nach 22 Generationen wieder komplett kompensieren. Sie entwickelten sich im Durchschnitt ebenso gut wie Artgenossen mit elterlichen Futtergaben.

          Von dieser Evolution zu größerer Kooperationsbereitschaft profitieren offenkundig nicht nur leibliche Geschwister. Das haben Forscher um Darren Rebar beobachtet, als sie Larven einer anderen Familie dazugesellten. Wie die Zusammenarbeit funktioniert, ließ sich allerdings noch nicht klären. Vermutlich helfen sich die jungen Totengräber gegenseitig, indem sie ziemlich synchron aus dem Ei kriechen und das verfügbare Fleisch dann gemeinsam mit ihren Mundwerkzeugen bearbeiten. Außerdem können die Larven eine Flüssigkeit absondern, die zugunsten der gesamten Geschwisterschar schädliche Mikroorganismen in Schach hält.

          Als Maß für gutes Gedeihen gilt das Körpergewicht, mit dem sich eine Käferlarve zurückzieht, um sich zu verpuppen. Aus der Puppenhülle gewichtiger Larven schlüpfen besonders stattliche Totengräber. Entsprechend groß sind ihre Chancen, eine tote Maus gegen Konkurrenten zu verteidigen, um sie als Kinderstube herzurichten. Bleibt die Frage, warum so viele Eltern ihre Sprösslinge einzeln mit flüssiger Nahrung füttern, wenn kooperativer Nachwuchs doch auch ohne diese Zuwendungen gut gedeiht? Anders als im Labor sind die Lebensbedingungen in freier Natur sehr wechselhaft. Gut möglich, dass die Abwesenheit der Eltern zwar manchmal mühelos durch geschwisterliche Kooperation kompensiert werden kann, Betreuung unter anderen Umständen aber unverzichtbar ist.

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