https://www.faz.net/-gwz-8irau

Maulbrüter : Gut behütet im Fischmaul

  • -Aktualisiert am

Frisches Wasser strömt durch die Kiemenbögen in die Mundhöhle der Buntbarsche. Bild: dpa

Mehr als 1500 Eier verstaut ein Buntbarsch-Weibchen in ihrer Mundhöhle, um den Nachwuchs zu schützen. Wie die Maulbrüter trotzdem frei atmen können.

          2 Min.

          Viele Buntbarsche kümmern sich fürsorglich um ihren Nachwuchs – auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht: Kaum sind die Eier abgelegt, verschwinden sie im Maul des Weibchens. Sie werden aber keineswegs verschluckt, sondern bleiben in der Mundhöhle, bis die Jungen geschlüpft sind. Regelrecht ausgebrütet wird die Fischbrut zwar nicht, denn im Innern des Mauls dieser sogenannten Maulbrüter ist es nicht wärmer als außerhalb im Wasser. Die mütterliche Obhut garantiert jedoch Schutz vor Fischen, Schnecken und anderen Tieren, die den Laich zum Fressen gern haben.

          Während die Eier in der Mundhöhle einquartiert sind, verzichtet das Buntbarschweibchen auf Nahrung. Die Kiemen müssen aber weiterhin mit frischem, sauerstoffreichem Wasser versorgt werden. Wie kann das funktionieren, wenn die Fische ihr Maul so voll nehmen, dass der Zustrom blockiert zu werden droht? Offenbar haben die Maulbrüter ihre Atemtechnik entsprechend angepasst.

          1500 Eier in der Mundhöhle verstaut

          Um den nötigen Freiraum zu schaffen, bringen sie das Wasser zwischendurch immer wieder auf einem ungewöhnlichen Weg in ihre Mundhöhle. Das haben kürzlich Wissenschaftler um Sam Van Wassenbergh von der Universität Antwerpen und Dominique Adriens von der Universität Gent herausgefunden. Als Forschungsobjekt diente den Forschern der nicht sonderlich farbenfrohe Buntbarsch Oreochromis niloticus, ein schmutzig weißer, mit olivgrünen Streifen verzierter Fisch. In Aquakultur gezüchtet, ist er hierzulande unter dem Namen Tilapia als Fischfilet beliebt.

          Auch im Aquarium vermehrt sich dieser genügsame Pflanzenfresser bereitwillig. Wobei die Weibchen in ihrer Mundhöhle mitunter mehr als 1500 Eier verstauen. Mit so einem vollgestopften Maul unterbrechen die Fische den Rhythmus ihrer Atmung regelmäßig durch heftige Bewegungen. Fast sieht es so aus, als würden sie dann auf dem Laich herumkauen. Dabei weiten die Buntbarschweibchen bei geschlossenem Maul ihre Mundhöhle statt wie sonst üblich bei geöffnetem Maul, wie Sam Van Wassenbergh und seine Kollegen im „Journal of Experimental Biology“ berichten. Frisches Wasser fließt deshalb ausnahmsweise nicht durchs Maul in die Mundhöhle. Es strömt stattdessen zwischen den Kiemenbögen hinein, wo es normalerweise nur in umgekehrter Richtung passieren kann.

          Über die Kiemen kommt das Wasser später auch wieder ungehindert hinaus. Denn beim Hineinströmen werden die Eier, die den Weg versperrt hatten, in den vorderen Teil der Mundhöhle gespült. Dass die Maulbrüter auf diese Weise ihre Atemwege freihalten, bezeugen Filmaufnahmen, die die Forscher mit einem speziellen Röntgengerät gemacht haben: Wassenbergh und seine Kollegen plazierten behutsam ein Stahlkügelchen zwischen den Fischeiern. Sie konnten beobachten, wie dieses Kügelchen nach vorne in Richtung des geschlossenen Mauls wanderte, während Wasser über die Kiemen in die Mundhöhle des durchleuchteten Buntbarschweibchens strömte. Maulbrüter husten also gewissermaßen mit geschlossenem Mund, um anschließend wieder eine Weile freier atmen zu können.

          Weitere Themen

          Das Amtsenthebungsverfahren in Amerika Video-Seite öffnen

          Videografik : Das Amtsenthebungsverfahren in Amerika

          Wegen der Ukraine-Affäre leiten die oppositionellen Demokraten im Kongress erste Schritte für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Donald Trump ein. Dafür gelten hohe Hürden.

          Topmeldungen

          Parteitag der Grünen : Alles scheint möglich

          Die Grünen profitieren enorm von der Debatte über den Klimaschutz. Auf ihrem Parteitag in Bielefeld wollen sie sich inhaltlich trotzdem weiter öffnen. Und eine Frage schwebt über allem: Wird es einen grünen Kanzlerkandidaten geben?

          Impeachment-Ermittlungen : Sie macht nur Ärger

          Am zweiten Anhörungstag der Impeachment-Ermittlungen wird klar, wie Donald Trump die frühere amerikanische Botschafterin in Kiew aus dem Weg räumen ließ.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.