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Wentworth-Ulme : Ein wahrhaft königlicher Baum

  • -Aktualisiert am

Eines der beiden prachtvollen Exemplare im Garten des Edinburgher Holyrood Palace Bild: Picture-Alliance

Die seltene Wentworth-Ulme schien bereits ausgestorben. Nun stellt sich heraus: Die englische Queen hat sie genau vor der Nase.

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          Die Gemäldesammlung der Queen, die Gemächer der Schottenkönigin Maria Stuart – Sehenswürdigkeiten hat Holyrood Palace, der Sitz der britischen Königin im schottischen Edinburgh, genug zu bieten. An diesem schönen Herbsttag aber findet sich die eigentliche Attraktion hinter dem Palast in den großzügigen Gartenanlagen. An exponierter Stelle mitten im manikürten Rasen lässt sich dort eine kleine botanische Sensation bestaunen. Zwei sogenannte Wentworth-Ulmen, nicht gerade klein mit einem Stammumfang von mehr als drei Metern, wachsen dort gut dreißig Meter empor. An überlangen Ästen, die nach Art einer Trauerweide fast bis auf den Boden reichen, raschelt ihr Laub, das gerade erst an wenigen Stellen einen gelben Schimmer annimmt.

          Keine Frage: Die beiden Trauerulmen sind echte Blickfänger und stehen ganz offensichtlich nicht erst seit gestern im königlichen Garten. Die Entdeckung, die der Königliche Botanische Garten Edinburgh am vergangenen Dienstag per Pressemitteilung verkündete, betrifft denn auch nicht die bloße Existenz der Baumriesen, sondern ihre Identität. „Jahrzehntelang hat niemand bemerkt, dass es sich hier um die beiden vermutlich letzten überlebenden Exemplare der Kulturform Ulmus ’Wentworthii Pendula‘ handelt“, sagt der Gehölzexperte Max Coleman.

          Der Abgleich mit historischen Fotos brachte die Gewissheit

          Der Botaniker, der sich seit mehr als zwanzig Jahren mit Ulmen beschäftigt, hatte im August bei der Bestimmung der zahlreichen Bäume des Parks von Holyrood Palace geholfen. „Derart große Ulmen im Trauerhabitus waren mir noch nie untergekommen. Ebenso schnell war klar, dass beide Exemplare genetische Klone derselben Sorte waren, die offensichtlich aus einer Kreuzung von Feld- und Bergulme hervorgegangen war.“ Das Problem war nur, dass niemand wusste, wann und wo. Weil selbst Coleman mit seinem Ulmenlatein am Ende war, schickte er etlichen Kollegen Fotos. Einer von ihnen lieferte den entscheidenden Hinweis, der sich beim Abgleich mit historischem Bildmaterial bald bestätigte. Damit sind die beiden Veteranen zwar nicht die Letzten ihrer Art, wie einige britische Zeitungen aufgeregt meldeten. Aber immerhin die Letzten einer Kulturvarietät, deren Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.

          Feld- und Bergulmen lassen sich normalerweise problemlos miteinander kreuzen. Jede daraus entstandene Hybridform hat ihre ganz eigenen Merkmale. Die Wentworth-Ulme war allerdings offenbar nie besonders populär. Eine erste Erwähnung findet das Gewächs in einem niederländischen Gartenhandbuch von 1890 als „Sorte, auf die wir auch verzichten können“. Aktenkundig wird die Wentworth-Ulme dann erneut um die Jahrhundertwende im Katalog der großen Berliner Baumschule Späth. Über die trotz kontinentaler Ursprünge englische Namensgebung lässt sich nur spekulieren; möglicherweise sollte damit Thomas Wentworth geehrt werden, der Anfang des 18. Jahrhunderts als britischer Botschafter in Berlin weilte.

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