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Ausgestorben und wiedergekehrt : Wenn ein Vogel das Fliegen verlernt

  • -Aktualisiert am

Die Aldabra-Weißkehlralle kommt auch gut als Laufvogel zurecht. Bild: mauritius images / Buiten-Beeld

Ausgestorben und wiedergekehrt: Die Aldabra-Weißkehlralle ist der einzige lebende flugunfähige Vogel im gesamten Indischen Ozean. Dass sie einst das Fliegen aufgegeben hat, wurde ihr mehrmals zum Verhängnis.

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          Die Evolution ist auf Effizienz bedacht. Was sich als überflüssig erweist, verschwindet im Laufe der Generationen. So wurden Höhlenbewohner allmählich bleich und blind, und Vögel, die es auf entlegene Inseln verschlagen hat, verloren nicht selten ihre Fähigkeit zu fliegen. In der Inselwelt des Indischen Ozeans ist dafür die Dronte, auch Dodo genannt, das bekannteste Beispiel. Mit lächerlich kleinen Flügeln ausgestattet, bevölkerte diese stattliche Vertreterin der Tauben einst die Insel Mauritius. Zeitlebens auf dem Boden zu bleiben, war kein Nachteil, solange den Vögeln dort keine Gefahr drohte. Doch das änderte sich abrupt, als Menschen samt ihren Haustieren auf Mauritius Fuß fassten.

          Den Kontakt mit diesen Neuankömmlingen überlebten die Dronten ebenso wenig wie etliche andere Inselbewohner. Von allen flugunfähigen Vögeln, die sich einst auf Inseln im Indischen Ozean getummelt haben, ist mittlerweile nur ein einziger übrig geblieben: die Aldabra-Weißkehlralle (Dryolimnas aldabranus), etwas kleiner als die europäische Teichralle, auch als Teichhuhn bekannt. Dass die Weißkehlralle auf dem Aldabra-Atoll recht schnell ihre Flugfähigkeit verloren hat, haben Biologen um Janske van de Crommenacker von der University of Kent in Canterbury und Nancy Bunbury von der University of Exeter entdeckt.

          Gemeinsam mit Kollegen von den Seychellen, Südafrika und Frankreich studierten die Forscher, wie eng die Weißkehlralle des Aldabra-Atolls mit der auf Madagaskar heimischen Weißkehlralle (Dryolimnas cuvieri) verwandt ist. Dieser voll flugfähige Vogel fühlt sich nicht nur in feuchtem Ambiente wie Sümpfen und Mangrovenwäldern zu Hause. Er bevölkert ebenso gern trockenes Buschland, wo statt Schnecken und Krabben hauptsächlich Insekten auf seinem Speiseplan stehen. Anpassungsfähig und unternehmungslustig, fand die Weißkehlralle auch auf Mauritius, Réunion und anderen Inseln im Umkreis von Madagaskar eine Heimat. In insularer Abgeschiedenheit verlernte sie das Fliegen fast oder völlig. Was sich als fatal erwies, als Seefahrer die Insel vereinnahmten. Zumal mit den Menschen auch Ratten, Katzen und anderes Getier an Land kamen.

          So sah er aus, der Dodo.

          Mit Ausnahme von Aldabra sind auf kleinen Inseln sämtliche Weißkehlrallen ausgestorben. Auf den nördlichsten Inseln des Aldabra-Atolls haben die Weißkehlrallen bis heute überlebt. Um auch die nächsten Verwandten in einen molekulargenetischen Stammbaum einbeziehen zu können, extrahierten van de Crommenacker und seine Kollegen die benötigte DNA nur teilweise aus Blutproben. Teils mussten sie auf Hautproben aus den Sammlungen diverser Museen zurückgreifen. Wie die Analysen ergaben, sind die madagassischen Vorfahren der Aldabra-Weißkehlralle vor etwa 80.000 bis 130 000 Jahren auf dem Atoll gelandet. Gut möglich, dass Aldabra in diesem Zeitraum sogar mehrmals erfolgreich besiedelt wurde.

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