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Zugvögel : Nicht nur das Erdmagnetfeld im Blick

  • -Aktualisiert am

Kraniche im Spreewald Bild: dpa

Der Entdeckung des Magnetsinns von Vögeln gleicht einem Krimi. Doch die Natur hat längst noch nicht alle Geheimnisse preisgegeben. Mit moderner Raumfahrttechnik will man nun dem Wanderverhalten auf den Grund gehen.

          6 Min.

          Ist es der Magnetsinn oder der Geruchssinn? Wie schaffen es Zugvögel, Tausende von Kilometern zurückzulegen, um dann fast auf den Punkt genau ihr Ziel zu erreichen? Mythen und Legenden haben sich jahrhundertelang um den Vogelzug gerankt. Selbst der berühmte schwedische Naturforscher und Systematiker Carl von Linné saß noch im 18. Jahrhundert dem Irrglauben auf, „das Federvieh versinke im Herbst kollektiv in Sümpfen und komme im Frühjahr wieder putzmunter daraus hervor“.

          Die ersten groben Vorstellungen vom Wanderverhalten der Tiere erhielten die Ornithologen zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts durch die Beringung der Vögel. Die Situation verbesserte sich in den siebziger Jahren, als die Wissenschaftler das internationale Satellitensystem Argos für ihre Forschungen nutzen. Bei diesem Verfahren werden die Tiere vor ihrer Reise mit Sendern ausgerüstet, die Signale zu Satelliten schicken, anhand derer sich die Position der Vögel ermitteln lässt. Inzwischen hat man auf diese Weise die Routen von fast 300 Zugvogelarten verfolgen können. Zu den Rekordhaltern zählt die Küstenseeschwalbe. Sie brütet in der Arktis, überwintert in der Antarktis und legt dafür mehr als 30 000 Kilometer zurück.

          Der rätselhafte Magnetsinn der Vögel

          Diese Beobachtungen geben allerdings keine Antwort auf die Frage, was die Vögel zu so außergewöhnlichen Navigationsleistungen befähigt. Sicher ist, dass sie ihre Routen am Magnetfeld der Erde und an Landmarken ausrichten, dass sie Düften folgen und Sonne und Sterne als Kompass nutzen.

          Beim Formationsflug sparen die Zugvögel  obendrein Energie
          Beim Formationsflug sparen die Zugvögel obendrein Energie : Bild: dpa

          Zu einem vollständigen Bild reichen die bekannten Puzzleteile aber bei weitem nicht aus. Ein Grund hierfür sind sicher die schwierigen Versuchsbedingungen, mit denen man den Tieren ihre Fähigkeit entlocken. Experimente im Freiland erfordern aufgrund der großen Entfernungen und topographischen Gegebenheiten einen enormen Aufwand.Die klassischen Orientierungskäfige, in denen die Tiere in die angepeilte Richtung hüpfen, wenn die Zugunruhe sie packt, eignen sich zwar zum Testen einzelner sensorischer Fähigkeiten. Inwieweit aber die Spuren, die die Vögel dabei hinterlassen, die vielfältigen vernetzten Umweltreize naturnah abbilden, ist fraglich.

          Die Forscher interessieren sich seit geraumer Zeit besonders für den Magnetsinn der Vögel, den man mittlerweile auch bei Amphibien, Reptilien und sogar bei Säugetieren beobachtet hat. Es war eine Sensation, als Anfang der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die zwei Zoologen Wolfgang und Roswitha Wiltschko an der Universität Frankfurt herausfanden, dass Zugvögel offenkundig auch das Magnetfeld der Erde zur Orientierung nutzen.

          Wolfgang Wiltschko, Zoologe und Pionier der Vogelzug-Forschung
          Wolfgang Wiltschko, Zoologe und Pionier der Vogelzug-Forschung : Bild: Wolfgang Eilmes

          In abgeschirmten Käfigen drehten die beiden Forscher einen Magneten in verschiedene Richtungen, und siehe da, die so getäuschten Vögel flatterten in die vermeintliche Zugrichtung. Wie sich herausstellte, funktioniert der Magnetsinn jedoch nicht wie ein technischer Kompass, sondern er reagiert auf die Form des Erdmagnetfeldes. Dessen Feldlinien stehen umso steiler auf der Erdoberfläche, je weiter man sich den Polen nähert - das gilt sowohl auf der Nord- als auch auf der Südhalbkugel. Dadurch erhält der Vogel die Information, in welche Richtung er gerade fliegt, so die These des Ehepaars Wiltschko.

          Wo steckt der Vogel-Kompass?

          Dass Vögel über einen Magnetsinn verfügen, stellt heute niemand mehr ernsthaft in Frage. Wie sich Ende der neunziger Jahre abzeichnete, besitzen die Tiere für die Navigation vermutlich nicht nur ein Sinnesorgan, sondern zwei; eines, über das die Vögel ihren jeweiligen Standort lokalisieren können, und eines, über das sie erkunden, in welche Richtung die Reise geht.

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