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Vierlingsmutter Annegret R. : „Immer nur Massenabfertigung“

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Fast alle Vierlinge stoßen auf großes Medieninteresse: Die eineiigen Vierlinge Laura, Jasmin, Kim und Sophie (von links nach rechts) aus Leipzig im Jahr 2013 mit ihren Eltern Janett und Marcus Mehnert. Bild: dpa

Geldnot, Platzmangel, chronischer Stress - und immer das Gefühl, den Kindern nur eine „Massenabfertigung“ bieten zu können. Diese Erfahrungen schildern Eltern von Drillingen, Vier- und Fünflingen in einer deutschen Studie. Was kommt außerdem auf die Berlinerin Annegret R. und ihre Kinder zu?

          „Ein Rudern und Kämpfen“ seien die ersten Tage und Wochen mit Drillingen, Vierlingen oder Fünflingen für die Eltern, schreibt die Medizinerin Dorothea Winkler in einer Studie, für die sie Mehrlingseltern befragte, deren Kinder an der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Klinikums der Ludwig-Maximilians Universität München in Großhadern zur Welt gekommen waren. Geldnot, Stress, Zukunftsangst, Platzmangel und als ständiger Begleiter die Angst um die Entwicklung der Kinder: Winklers inzwischen zehn Jahre alte Studie ist eine der weltweit wenigen, die über die kurz- und langfristigen Folgen von - wie es in der medizinischen Fachsprache heißt - „höhergradigen“ Mehrlingsgeburten Auskunft gibt. Die Untersuchung erlaubt somit eine Antwort auf die Frage, was auch die 65 Jahre alte Berliner Lehrerin Annegret R. erwarten könnte, die vor wenigen Tagen nach der 26. Schwangerschaftswoche Vierlinge zur Welt brachte.

          Rar sind Studien wie die von Dorothea Winkler auch deshalb, weil höhergradige Mehrlingsgeburten so selten sind. In Deutschland kamen dem Statistischem Bundesamt zufolge zwischen 2001 und 2013 im Jahr einmal bis elfmal Vierlinge und im gesamten Zeitraum viermal Fünflinge zur Welt. Drillinge sind nicht ganz so selten, im Jahr 2013 wurden 230 Drillingsgeburten verzeichnet.

          Die damals mit 55 Jahren älteste Mutter Deutschlands, Annegret Raunigk (erste Reihe, zweite v.l.), ist mit ihrem 13. Kind Lelia (auf dem Schoß) und ihren anderen Kindern und Enkelkindern in Köln zu Gast im RTL-Jahresrückblick „2005! Menschen, Bilder, Emotionen“.

          An der Münchner Untersuchung nahmen 54 Drillingsfamilien, neun Vierlingsfamilien und eine Fünflingsfamilie teil. Dorothea Winkler befragte die Eltern, als ihre Kinder zwei bis siebzehn Jahre alt waren. Die Eltern berichten von vielfältigen Schwierigkeiten: Drei Viertel der Familien mussten beispielsweise nach der Geburt umziehen, weil der Platz nicht reichte.

          Burn-out und Zukunftsangst

          Massive finanzielle Probleme kommen bei vielen hinzu. Manche erleben sich als Bittsteller, weil sie sich abends hinsetzen und Briefe an Windel- und Kindernahrungshersteller schreiben müssen - die längst nicht mehr so freigiebig sind wie vor dreißig bis vierzig Jahren, vor Beginn des reproduktionsmedizinischen Zeitalters, als Mehrlinge noch etwas Besonderes waren. „Das Geld fehlt an allen Ecken“, schreibt eine Familie in dem Teil der Fragebögen, in dem man sich individuell äußern konnte. „Kein Urlaub, im Gegenteil, da wird noch zusätzlich gearbeitet. Nicht mal mit den Kindern können wir was unternehmen, zum Beispiel Schwimmen, Tierpark. Immer fehlt Geld.“ Eine andere fügt hinzu: „Man kämpft einfach ums Überleben.“ Die finanzielle Situation wird erschwert, weil neunzig Prozent der Mütter ihre Berufstätigkeit nach der Geburt beenden oder für längere Zeit unterbrechen müssen. Wer wieder einstieg, schaffte dies im Schnitt erst nach mehr als sechs Jahren.

          Die Eltern sind zudem ständig in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Dreißig Prozent der Mehrlingsmütter nimmt die Kinder nie zum Einkaufen mit, weil das viel zu anstrengend und aufwändig wäre. Ein Fünftel der Familien war seit der Geburt überhaupt nicht mehr in den Urlaub gefahren. Fast die Hälfte der Mütter und dreißig Prozent der Väter gaben an, dass sich ihr psychisches Befinden seit der Geburt der Mehrlinge verschlechtert hatte. Sie seien ausgebrannt und hätten viel Angst vor der Zukunft, schreiben viele Mütter und Väter. Achtzig Prozent der Mehrlinge waren nach reproduktionsmedizinischen Behandlungen geboren worden. Mehr als ein Drittel der Eltern würde die Behandlung nach den Erfahrungen der Elternschaft gar nicht mehr oder nur noch mit Einschränkungen durchführen lassen.

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