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Verhaltensforschung : Wann Kinder teilen lernen

Schimpansen sind für altruistische Kooperation noch nicht zu haben, doch Menschenkinder beginnen damit bereits im Alter von eineinhalb Jahren. Nun hat eine Untersuchung gezeigt, wie diese Fähigkeit sich bei drei bis achtjährigen Kindern entwickelt.

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          Gerecht teilen will gelernt sein. Doch ein Gutteil dieses altruistischen Wesenszuges dürfte dem Menschen quasi schon in die Wiege gelegt und erst im Laufe der Kindheit, im Alter zwischen sieben und acht Jahren, "aktiviert" werden. Das ist im Kern das Ergebnis von Versuchen, die eine Gruppe Schweizer Experimentalökonomen um Ernst Fehr von der Universität Zürich mit 229 nicht miteinander verwandten Drei- bis Achtjährigen vorgenommen hat.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die 127 Mädchen und 102 Jungen hatten in verschiedenen Versuchen die Möglichkeit, Süßigkeiten entweder selbst zu behalten oder mit anderen zu teilen. Dabei saß der oder die andere nicht persönlich gegenüber, sondern es wurde lediglich ein Foto gezeigt. Zudem wurde den Kindern klargemacht, dass sie jeweils nur einmal mitmachen. Damit sollte verhindert werden, dass sie auf eine "Gegenleistung" spekulieren.

          Einzelkinder tun sich damit leichter

          Wie die Forscher in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "Nature" (Bd. 454, S. 1079) schreiben, war eine eindeutige Entwicklung zu erkennen: Von den Drei- bis Vierjährigen waren weniger als zehn Prozent zum Teilen bereit, gleich, ob sie sich aus einer Kindergartengruppe kannten oder nicht. Bei den Fünf- bis Sechsjährigen waren knapp zwanzig Prozent, bei den sieben- bis achtjährigen Schulkindern aber schon fast die Hälfte und sogar annähernd achtzig Prozent zum Teilen bereit, sofern der potentielle Partner aus derselben sozialen Gruppe kam. Vor allem Jungen neigten offenbar dazu, ihre Süßigkeiten mit Mitgliedern aus der eigenen Gruppe - weniger mit fremden - zu teilen. Einzelkinder übrigens legten eine deutlich größere Bereitschaft zum Teilen an den Tag als Geschwisterkinder.

          Für die Leipziger Primatenforscher Michael Tomasello und Felix Warneken ist damit bestätigt, dass Menschen früh einen "Sinn für Gerechtigkeit" entwickeln, der teilweise angeboren ist und der auch den außergewöhnlichen Gemeinschaftssinn des Menschen zu erklären vermag. Bei Schimpansen jedenfalls hat man diesen kooperationsfördernden Zug noch nicht gefunden. Grundsätzlich sei altruistisches Verhalten, etwa einem en beim Erreichen eines Objekts zu helfen, schon bei wesentlich jüngeren, vierzehn bis achtzehn Monate alten Kindern, beobachtet worden.

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