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Verhaltensbiologie : Starke Führung

Nicht nur die Färbung ist aggressiv: dominantes (links) und untergeordnetes (recht) Männchen der Buntbarschart Astatotilapia Burtoni. Bild: The Jordan Lab

Zeichnen sich starke, aggressive Führer in Krisenzeiten auch durch starke Führung aus? Ein Blick in die Welt der Buntbarsche liefert interessante Anregungen zur Beantwortung dieser Frage.

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          Die Staatsoberhäupter dieser Welt haben derzeit reichlich Gelegenheit, sich selbst und ihre Führungsqualitäten zu beweisen. Der Umgang mit der Covid-19-Krise lehrt uns einiges über die Mechanismen verschiedener politischer Reaktionsweisen und mindestens ebenso viel über diejenigen, die jeweils dahinterstehen. Schon allein verhaltensbiologisch ist das außerordentlich interessant, denn ganz allgemein stellt sich bei dieser Gelegenheit die Frage, ob starke – heißt: dominante, selbstbezogene, aggressive – Führer auch diejenigen sind, die in Krisensituationen durch starke Führung bestechen.

          Anregungen für eine mögliche Antwort gibt es aktuell auch aus dem Tierreich, wie ein in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften beschriebenes Experiment mit Vertretern einer Buntbarschart (Astatotilapia burtoni) zeigt. Wissenschaftler von der Universität Texas, des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie und von der Universität Konstanz untersuchten anhand des Verhaltens dieser Fische, wie soziale Dominanz und die Fähigkeit zu sozialer Einflussnahme zusammenhängen. Der Grad der Dominanz der männlichen Fische zeigt sich bei diesen Buntbarschen in besonders kräftiger Färbung, reproduktiver Aktivität und aggressivem Verhalten. Den sozialen Einfluss der Fische bestimmten die Wissenschaftler, indem sie feststellten, inwiefern diese als Impulsgeber für die Bewegungen anderer Fische in Erscheinung traten.

          Unter normalen Umständen beobachteten die Forscher, dass es tatsächlich die dominanten Männchen waren, die häufiger Gruppenbewegungen initiierten als ihre untergeordneten Geschlechtsgenossen. Um zu testen, ob dies auch in Situationen gilt, in denen die Gruppe vor eine komplexe Aufgabe gestellt wird, wurden als Nächstes dominante und rangniedere Männchen darauf abgerichtet, ein farbiges Licht mit einer Belohnung zu assoziieren. Diese trainierten Fische brachten die Wissenschaftler daraufhin mit untrainierten Fischen zusammen. Wenn es nun darum ging, mit dem erworbenen Verhalten die Gruppe zu beeinflussen, schnitten die von weniger dominanten Fischen geführten Schwärme deutlich besser ab als diejenigen der informierten aggressiven Exemplare.

          Die Biologen erklären das zum einen damit, dass letztere von ihren Artgenossen räumlich gemieden werden. Zum anderen neigten die dominanten Führungsfische ohnehin zu so hektischen Bewegungen – auch ohne wirklichen Anlass –, dass ihre Impulse weit weniger informativ seien als diejenigen ihrer ruhigen Artgenossen. Es könne also in besonderen Situationen, in denen entschiedenes kollektives Handeln gefragt ist, kontraproduktiv sein, wenn die aggressivsten Individuen hierarchische Spitzenpositionen einnehmen, schließen die Forscher. Das klingt durchaus einleuchtend – und das nicht nur bei Buntbarschen.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton.

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