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Vererbung : Das Risiko der späten Väter

Der 2001 verstorbene Schauspieler Anthony Quinn zeugte 13 Kinder. Er war 81, als sein jüngster Sohn Ryan zur Welt kam Bild: picture-alliance / dpa

Nicht nur für Frauen, auch für Männer tickt die biologische Uhr: Schon ab 30 nimmt die Gefahr für Erbschäden zu und die Zeugungskraft lässt nach. Doch die späte Elternschaft ist keine Ausnahme.

          Wer behauptet, ein Mann könne im hohen Alter nicht von alten Gewohnheiten lassen, der irrt. Anthony Quinn zum Beispiel, der gern mal den Vormittag verschlief und auf diese Weise lange Abendveranstaltungen kompensierte, verwandelte sich in einen ausgesprochenen Frühaufsteher: stand regelmäßig um sechs Uhr auf, fuhr Tochter Antonia zur Schule und erledigte dann sein Tagewerk, um nachmittags mit den Kindern zu spielen. Ein großartiger Vater, lobte ihn Ehefrau No. 3 im Late-Night-Talk mit Larry King. Das war im April 2000, kurz vor dem 85. Geburtstag des Schauspielers, der in der Fernsehshow munter über Filme und seine Kinder plauderte: 13 insgesamt, er liebe sie alle, aber dieses Mal sei er ein besserer Vater.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mustergültiger Wandel hin, neuerwachtes Interesse her: Dass es auf Dauer nicht damit getan ist, Kindern eine riesige Bibliothek zur Verfügung zu stellen und sie früh zum Lesen zu animieren, wusste auch Anthony Quinn. Es gebe durchaus Probleme, hatte er Larry King schon wenige Monate nach der Geburt von Sohn Ryan im Jahr 1996 gestanden - ebenfalls in Kings Late-Night-Show. Er werde kaum erleben, wie sein Jüngster das College abschließt, sagte Quinn. Aber es sei die glücklichste Zeit seines Lebens, und niemand, auch nicht ein Vater, sei schließlich ewig anwesend - er selbst hätte seinen im Alter von acht Jahren verloren.

          Jedes 20. Kind hat bei Geburt einen Vater über 50

          Die Kommentare in Hochglanzmagazinen schwanken dementsprechend zwischen Entrüstung und Bewunderung, wenn sie über die stolzen Daddys berichten und Bilder der Ergrauten nebst junger Mutter und gesundem Wonneproppen drucken; Schwierigkeiten, mit denen ältere Männer zu kämpfen haben, weil ein Kind viel länger auf sich warten lässt und möglicherweise genetische Defekte besitzen kann oder ihren Partnerinnen eher Fehlgeburten drohen, fallen meist unter den Tisch.

          Und Quinn ist keineswegs die Ausnahme. Franz Beckenbauer, Flavio Briatore und Michael Douglas sind ebenso für ihre späte Elternschaft bekannt, und es handelt sich nicht um ein Phänomen, das sich auf die Prominenz beschränkt. Jedes 20. Kind hat bei Geburt einen Vater über 50, zitierte die ZDF-Sendung Mona Lisa in diesem April eine Statistik und lässt sich von zwei 63-Jährigen exemplarisch ihre späte (und wiederholte) Elternschaft samt Bedenken und Zukunftsängsten schildern. Daneben sitzt das Töchterchen mit Papier und Buntstiften, seinen Papa malt es eben mit grauem Haar.

          Selbstbewusst, erfahren, gelassen, so zeigt der Dokumentarfilm die beiden Männer. Diese Attribute weiß natürlich auch der Lifestyleratgeber Men's Health zu schätzen, wo Vaterrollen ebenso diskutiert werden wie die Frage nach dem richtigen Alter, und listet sie als Vorteile neben ein paar Risiken auf, wie etwa dem der sinkenden Fruchtbarkeit. Für die Gruppe der Vierziger wohl bemerkt, denen das Magazin noch nahelegt, sich fit zu halten. Während sich die finanziell stabilen Fünfziger eher mit Vorurteilen gegenüber „Opa-Dads“ auseinandersetzen müssen. Ernst wird es jenseits der sechzig: Auf die steigende Gefahr, ein behindertes Kind zu bekommen, wird hingewiesen, und man rät nun zur nüchternen Analyse.

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