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Veggie-Mist : Nilpferde verursachen Fischsterben

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Drollig sehen sie aus - doch in ihnen steckt wortwörtlich eine Gefahr für die Fische im kenianischen Mara-Fluss. Bild: AP

Wegen ihrer fleischfreien Ernährung gelten sie als „Schutzpatron“ der Vegetarier. Doch wie Forscher nun herausfanden, haben Nilpferde mehr Tiere auf dem Gewissen als gedacht. Eine Glosse.

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          Sie sind ebenso faszinierend wie berüchtigt: Flusspferde zählen aufgrund ihrer Kampfbereitschaft zu den gefährlichsten Tieren Afrikas. Dabei wirken sie so friedlich. Sie sehen drollig aus, ernähren sich ausschließlich von Grünfutter und suhlen sich den lieben langen Tag im Tümpelwasser. Vegetarier zum Vorzeigen. Die sogenannten Hippo-Pools sind für die schweren Säugetiere eine Oase der Erleichterung – in vielerlei Hinsicht. Denn der Ort, an dem sich die als Patron der Vegetarier bezeichneten Nilpferde von der immerwährenden Hitze Afrikas erholen, dient ihnen auch zum Toilettengang.

          Eine in „Nature Communications“ veröffentlichte Studie am kenianischen Mara-Fluss zeigte jetzt, dass die von den Flusspferden ausgeschiedenen Reste der Veggie-Kost verheerende Folgen haben. Dabei gilt eine fleischlose Ernährung unter Menschen doch als Öko-Wohltat. Anders bei den Tieren. Denn wenn der Regen kommt, werden die Nilpferd-Exkremente von den Hippo-Pools in die anliegenden Flüsse gespült. Und zwar nicht zu knapp. Etwa neun Tonnen landen täglich im Mara-Fluss. Die halbverdauten Pflanzenreste verbrauchen beim biologischen Abbau Sauerstoff. Die Sauerstoffsättigung im Oberflächenwasser sinkt deshalb drastisch. Für die dort lebenden Fische ist das, nun ja, Mist. Es raubt ihnen buchstäblich die Luft zum Atmen. Im Fachjargon heißt das Hypoxie. Im Tiefenwasser sinken die Hinterlassenschaften der Flusspferde nieder und setzen für Fische giftige Substanzen wie Schwefel und Ammonium frei.

          Sogenannte „Hippo-Pools“: Entspannungsoase und WC zugleich.
          Sogenannte „Hippo-Pools“: Entspannungsoase und WC zugleich. : Bild: Christopher Dutton

          Im afrikanischen Mara-Fluss hat das in den vergangenen drei Jahren laut der Studie dreizehnmal ein Massen-Fischsterben ausgelöst. Für den Artenschutz sind Nilpferde zwar als gefährdete Art anzusehen. Das hindert die verbleibenden Vielfraße aber nicht daran, munter weiter zu verdauen. Dort, wo viel reingeht, kommt eben auch viel raus. Damit werfen die Flusspferde den bisherigen Stand der Wissenschaft über den Haufen. Man habe eigentlich angenommen, dass es Hypoxien in intakten Naturgebieten nicht gebe, erklärt Forschungsleiter Christopher Dutton. Der naturbelassende Mara-Fluss widerlege das und zeige, wie Ökosysteme vor dem menschlichen Einfluss funktioniert haben könnten.

          Und so entpuppt sich der Schutzpatron der Vegetarier als Umweltbüßer mit einem Haufen von Fischen auf dem Gewissen. Ja was tut es gut, dass wir Menschen nicht die einzig Schuldigen auf der Erde sind. Die dicken Tiere aus dem Mara-Fluss arbeiten den ach so bösen Fleischfressern auch noch zu. Denn: Die toten Fische dienen Vögeln und Krokodilen als Festmahl. Liebe Vegetarier, es wird Zeit für ein neues Wappentier.

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