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EuGH-Urteil zu Genscheren : Reiche Ernte mit bisschen Gentechnik

  • -Aktualisiert am

Auf Feldern wie diesem in Iowa wachsen bereits Crispr-Pflanzen. (Archivbild) Bild: obs

Der europäische Gerichtshof hat am Mittwoch über Genscheren entschieden. Müssen uns die Crispr-Pflanzen Sorgen bereiten?

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          Die Landwirtschaft steht vor einer richtungsweisenden Entscheidung. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) wird an diesem Mittwoch bekanntgeben, ob Crispr-Pflanzen ohne Fremd-DNA gentechnisch veränderte Organismen im Sinne der europäischen Gentechnik-Richtlinie sind oder nicht. Ein im Januar veröffentlichtes Vorentscheidungsersuchen hatte empfohlen, Organismen nur dann als gentechnisch verändert einzustufen, wenn ihr Erbgut derart verändert worden ist, wie das auf natürlichem Wege nie hätte erreicht werden können.

          Die juristische Basis für diese mögliche Neueinstufung bietet die sogenannte Mutagenese-Ausnahme. Diese besagt, dass Sorten, deren Eigenschaften auf Mutationen beruhen, die durch radioaktive Strahlen oder Chemikalien verursacht worden sind, keine gentechnisch veränderten Organismen im Sinne der EU-Richtlinie sind. Solche Sorten können ohne spezielle Sicherheitsanforderungen und Kennzeichnung aufs Feld und in den Verkehr gebracht werden. Allerdings kann auch die Genschere Crispr-Cas9 Pflanzen mutieren, ohne fremde DNA zu hinterlassen. Entsprechende Crispr-Pflanzen lassen sich daher nicht von Produkten klassischer Züchtungen unterscheiden. Man kann zwar durch die Sequenzierung des Genoms zeigen, dass eine Mutation vorhanden, aber nicht wie sie entstanden ist. Die Mutation könnte durch Genom-Editierung entstanden sein, durch Bestrahlung, durch Chemikalieneinwirkung oder durch eine spontane Laune der Natur.

          Gesünderes Obst dank Genmanipulationen?

          Weil das, was im Ergebnis gleich ist, auch gleich behandelt werden sollte, haben französische Bauernverbände den EuGH angerufen, um bestimmte Formen der Genom-Editierung, etwa Punktmutationen oder das Entfernen kurzer DNA-Sequenzen, von der Gentechnik-Regulierung auszunehmen. Heute ist der Tag der Entscheidung. Eine Freigabe gewisser Crispr-Pflanzen könnte den gesamten Agrarsektor aufmischen, weil neue Sorten dann viel schneller und billiger auf den Markt gebracht werden könnten. Und zwar auch von kleineren Firmen und Start-ups, die bisher vor den hohen regulatorischen Anforderungen an gentechnisch veränderte Pflanzen zurückschrecken. In den Vereinigten Staaten sind bereits einige Crispr-Pflanzen aus der Regulierung genommen worden.

          Mit der Genschere sind vor allem auch Veränderungen bei qualitativen Merkmalen wie dem Gehalt an Vitaminen und Antioxidantien oder anderen gesundheitsfördernden Eigenschaften möglich. Darauf haben Andrew Allan und Richard Espley vom „New Zealand Institute for Plant and Food Research“ in Auckland unlängst in der Zeitschrift „Trend in Plant Science“ hingewiesen. Oft genügen nur einzelne Punktmutationen in der Steuerungsregion, um Pflanzen mehr von diesen nützlichen Substanzen produzieren zu lassen.

          Würde die Neueinstufung bestimmter Crispr-Pflanzen durch den EuGH bedeuten, dass diese schon bald überall in Europa auf dem Feld stehen werden? Nach einem Kommentar von Kai Purnhagen von der Universität Wageningen und seinen Kollegen in der Zeitschrift „Nature Biotechnology“ ist das nicht zu erwarten.. Zwar würden die Crispr-Pflanzen, um die es bei der heutigen Urteilsverkündung geht, bei der Sortenzulassung keine fremde DNA enthalten, aber sie wären mit Hilfe der Gentechnik hergestellt worden. Purnhagen und seine Kollegen vermuten daher, dass es deswegen auch nach der möglichen Freigabe gewisser Crispr Pflanzen eine Regulierung geben wird. Drei Möglichkeiten sind denkbar:

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