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Urmenschen-Ausstellung : Die zwei Gesichter von Großtante „Ida“

Die beiden Originalplatten nebeneinander in der „Schatzkammer” des Senckenberg-Museums. „Ida A” (links) wurde vom Naturhistorischen Museum Oslo geschickt, „Ida B” stammt aus einer Privatsammlung in Wyoming Bild: AP

Zum erstenmal nach 25 Jahren sind beide Originalplatten des berühmten Primatenfossils „Ida“ aus der Grube Messel wieder vereinigt: Im Frankfurter Senckenberg-Museum sind sie drei Wochen lang zu besichtigen.

          2 Min.

          Die halbe Welt dürfte "Ida" inzwischen kennen. Aber kaum jemand kennt sie so: Zum ersten Mal nach einem Vierteljahrhundert stehen beide Fossilplatten des Jahrhundertfundes aus der Grube Messel bei Darmstadt wieder direkt nebeneinander. Eine Wiedervereinigung der besonderen Art, an einem besonderen Ort. Nur eine halbe Autostunde entfernt von der Fundstelle, an der Privatsammler das lange verschollen geglaubte Fossil entdeckt hatten, werden im Frankfurter Senckenberg-Forschungsinstitut und Naturmuseum die beiden Originalplatten des 47 Millionen Jahre alten Primatenfossils als Teil der Sonderausstellung "Safari zum Urmenschen" in der Schatzkammer des Museums zu bewundern sein.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          „Ida A“ aus Oslo, „Ida B“ aus Wyoming

          Als eine "Welturaufführung" bezeichnete am Freitag Jörg Habersetzer vom Senckenberg-Institut die erstmalige Zusammenführung von "Ida A" aus Oslo und "Ida B" aus Wyoming. Da wurden Erinnerungen an den Sommer des vergangenen Jahres wach, als die Forschergruppe um den norwegischen Paläontologen Jörn Hurum in New York die besser erhaltene Platte A präsentierte und - begleitet von einem geschickt inszenierten Fernseh- und Internetauftritt - die Fanfarentöne für einen der "ältesten möglichen Vorfahren des Menschen" anstimmte. Ida wurde noch vor der wissenschaftlichen Veröffentlichung zum "achten Weltwunder" und zur "Mondlandung der Anthropologie" hochgejubelt.

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          Heißer Kampf um Idas Stammbaum

          Für Jens Lorenz Franzen vom Senkenberg-Museum, Messelforscher der ersten Stunde und einer der Initiatoren des schrillen Auftritts in Amerika, hatte mit Ida eine hoffnungslos mühsame Jagd auf ein gutes Messeler Primatenfossil nach mehr als 30 Jahren ihren glücklichen Höhepunkt gefunden. Er wehrt auch heute noch jeden Versuch ab, die Bedeutung Idas für die Stammbaumforschung des Menschen herunterzuspielen - wenn auch jetzt merklich vorsichtigere Zwischentöne zu vernehmen sind: "Wir glauben uns heute sicher zu sein, dass es sich bei Ida nicht um einen fossilen Lemuren handelt, also um eine ,Feuchtnase', sondern um eine Trockennase." Trockennasen - das rückt Ida in die Nähe der Stammeslinien von Meerkatzen, Menschenaffen und Mensch.

          Franzen: Ida definitiv kein Halbaffe

          Noch im Oktober hatten amerikanische Anthropologen an einigen Fossilfragmenten einer nahe verwandten Art zu zeigen versucht, dass das Jahrhundertfossil aus Messel durchaus Körpermerkmale wie Trockennasenaffen entwickelt haben könnte - und trotzdem ein Vertreter aus der Halbaffen-Fraktion gewesen ist. "Wir haben nie bestritten, dass Ida wie ein Halbaffe ausgesehen hat", sagte dazu am Freitag Jens L. Franzen. Doch wenn es um die typischen Spezialisierungen im Körper geht, habe man bei Ida sechs Gemeinsamkeiten mit Trockennasen- und keine mit Feuchtnasen-Vertretern gefunden. Franzen: "Es steht sechs zu null für uns." Besonders das Fehlen der bei Halbaffen typischen Putzkralle, aber auch das in vielen Details untersuchte Gebiss hätten für ihn die - wenn auch entfernte - Verwandtschaft zum Menschen belegt. Gegen die Beschreibung "Missing Link", wie es in einem aktuellen Sachbuch im Titel heißt, will Franzen sich von Anfang an verwahrt haben: Die Verbindung des Menschen zu anderen Primaten müsse man in der Zeit vor sieben Millionen Jahren suchen, nicht vor 47 Millionen. "Ida war allenfalls eine Großtante." Tatsächlich steht Ida in der neuesten Stammbaumskizze, die die Forscher präsentierten, als evolutionäre Sackgasse außerhalb der menschlichen Stammeslinie - allerdings als früher Vertreter eines Seitenzweigs der Trockennasen-Primaten auch unmittelbar neben uns. Der Streit um Idas Stellung geht also weiter.

          Das vollständigste Primatenfossil der Welt

          Unbestritten ist, dass es sich bei Ida um das vollständigste und vielleicht schönste Fossil eines so alten Primaten handelt. Bis in kleinste Zellstruktren von Fruchtkernen im Magen und bis in die Haarspitzen ist es erhalten. In drei Wochen, wenn die Originalplatten wieder aus der Ausstellung genommen werden, will man in Frankfurt die Indiziensammlung fortsetzen. Mit Röntgenapparaten und Mikrotomographen, die bis zu hundertmal so empfindlich sind wie medizinische Geräte, wird man das zierliche Skelett des Affenmädchens analysieren. Ende Juni soll dann eine "lebensechte dreidimensionale Rekonstruktion" präsentiert werden. Die Wege von "Ida A" und "Ida B" werden sich da schon wieder getrennt haben.

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