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Bakterienfund in Naica-Höhlen : Uralte Mikroben schlummern in Höhlenkristallen

Vor 100 Jahren wurden die Gipskristalle der mexikanischen Naica-Höhle entdeckt. Bild: Mike Spilde/University of New Mexico

Ein Fund in einer mexikanischen Höhle erregt Aufsehen: In riesigen Gipskristallen haben amerikanische Forscher Organismen gefunden, die darin mehrere zehntausend Jahre eingeschlossen waren. Einige davon seien sogar wiederbelebt worden.

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          Deutlich jünger als die Bakterien-Fossilien, die britische Forscher unweit von Quebec in uraltem Gestein gefunden haben (3,7 bis 4,2 Milliarden Jahre), sind Mikroben die amerikanischer Wissenschaftler in Mexiko geborgen haben und im Labor zum Teil kultivieren konnten. Die Forschergruppe unter Leitung von Penelope Boston von der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa hat die Organismen (genauer Sporen) in den riesigen Gips-Kristallen der Naica-Höhlen im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua entdeckt.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Von dem Fund berichtete Boston kürzlich auf der Jahrestagung der amerikanischen Wissenschaftsgesellschaft (AAAS) in Washington. Die Höhlenforscherin und Astrobiologin, die seit vielen Jahren die Naica-Höhlen erkundet, schätzt, dass die Kleinstlebewesen seit mindestens 10.000, vielleicht sogar seit bis zu 50.000 Jahren dort in einer Art Schlafzustand waren.

          Mikroben gedeihen unter Extrembedingungen

          Etwa 90 Prozent der gefundenen Bakterien und Archaeen seien laut Boston bisher völlig unbekannt. Zusammen mit ihren Kollegen hätte sie die Mikroben vor allem in mit Flüssigkeit gefüllten Einschlüssen der Gipskristalle gefunden.

          Die Höhlen, die Teil eines Blei- Silberbergwerks sind, waren vor 100 Jahren durch Zufall von Minenarbeitern entdeckt wurden. Die Gips-Kristalle, von denen einige mehr als zehn Millionen Jahre alt sind, wuchsen in etwa 58 Grad heißem Wasser heran, das mit Kalziumsulfat gesättigt war. Die imposanten, durchscheinend weißen Kristalle sind bis zu fünf Meter hoch. Ihr Durchmesser erreicht bis zu einen Meter.

          Penepole Boston mit ihrer Kollegin Danielle Wingetin der Naica-Höhle Bilderstrecke
          Penepole Boston mit ihrer Kollegin Danielle Wingetin der Naica-Höhle :

          Andere Forscher hatten schon früher Mikroben an den Wänden der Naica-Höhlen entdeckt. Die jüngsten Funde im Innern der Kristalle seien aber völlig überraschend gewesen. Die darin eingeschlossen Lebewesen gedeihten unter Extrembedingungen. Sie benötigten unter anderem kein Licht. Sie würden Mineralien verstoffwechseln, um Energie zu gewinnen, erläuterte Boston in Washington.

          Schlummert auch Leben auf dem Mars?

          Um die isolierten Sporen  im Labor wieder zum Leben erwecken zu können, simulierten die Forscher um Bostons deren Lebensumfeld. „In einer entsprechend zusammengesetzten Nährlösung haben wir versucht, die Mikroorganismen wieder zu beleben.“ Es sei nicht bei allen gelungen.

          In der Vergangenheit hatten immer wieder Forschergruppen davon berichtet, dass sie in Salz- oder Eisschichten in Südmexiko und Österreich uralte Mikroben (Sporen) entdeckten und vermehren konnten. Das Alter dieser Organismen soll teilweise 250 Millionen Jahre betragen. Diese Funde gelten jedoch als umstritten. Die ältesten Funde von nicht-fossilen Mikroorganismen – eingeschlossen in Bernstein –, die wiederbelebt werden konnten, werden auf 25 bis 40 Millionen Jahre geschätzt. Die ältesten gesicherten Fossilien von Bakterien sind 3,5 Milliarden Jahre alt.

          Penelope Boston sieht, wie die „BBC“ berichtet, in den Funden wichtige Hinweise für die Suche nach extraterrestrischem Leben. „Natürlich ist da die Frage wichtig, wie lange ein Lebewesen in geologischem Material überleben kann.“ So sei diese Frage mit Blick auf den Mars interessant: Möglicherweise schlummere dort Leben aus vergangenen Zeiten im Gestein. Bisher wurde auf dem Roten Planeten keinerlei Spuren von Leben gefunden.

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