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Übergewicht : Hunger ist schwer zu überlisten

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„Gorging” ist in Mode: das rasche Verzehren riesiger Portionen Bild: AP

Fastfood-Ketten stehen in der Kritik, ihre Kunden mit übergroßen Portionen zu gierigem Essverhalten zu animieren. Forscher experimentierten nun mit Chicken Nuggets und Pommes. Das Ergebnis: Übergewichtigen hilft es nicht, ihr Essen in kleinere Portionen zu teilen.

          In der Ernährungsmedizin taucht neuerdings des Öfteren der englische Begriff „gorging“ auf. Er steht für das rasche Verzehren riesiger Portionen, ein hemmungsloses, gieriges Essverhalten, zu dem offenbar Fastfood geradezu animiert und das nicht selten mit Übergewicht einhergeht. Bisher gab man die Schuld nicht zuletzt den von vorneherein übergroßen Portionen. Sie erfüllen in den Fastfood-Ketten das Motto „Viel Essen für wenig Geld“ und gewährleisten zudem, dass der Service die Sättigung tatsächlich rasch bewerkstelligen kann.

          Übergroße Portionen können dazu verführen, mehr zu essen, als man wirklich will und soll, lautet eine These. Folgerichtig müsste sich bereits durch einfache Reglementierung der servierten Portionsgrößen auch die Epidemie an übergewichtigen Jugendlichen eindämmen lassen, so die Mutmaßung von Cara Ebbeling vom Children's Hospital in Boston (Massachusetts). Zum Abspecken eignet sich dieses genial einfach erscheinende Rezept indessen nicht, wie die Auswertung mehrerer Fastfood-Testessen mit übergewichtigen Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren nahelegt („Pediatrics“, Bd. 119, S. 869).

          Wissen bewahrt nicht vor überhöhtem Konsum

          Chicken nuggets und Pommes frites wurden auf drei unterschiedliche Weisen serviert: in einer einzigen Portion, verteilt auf vier gleichzeitig servierte Portionen oder verteilt auf vier in zeitlichen Abständen gereichte Portionen. Bei jeder dieser Mahlzeiten wurde gleich viel und zu viel gegessen, nämlich mehr als 5000 Kilojoule und damit mehr als 50 Prozent der am Tag aufgebrauchten Energie. Das Volumen der verspeisten Mahlzeit belief sich jeweils auf etwas mehr als einen Liter, das ist gleichsam die obere Grenze der Magenkapazität.

          Keine Hilfe statt dem riesen Big Mac, zwei kleine Burger zu essen

          Der Verzehr unterlag offensichtlich auch nicht einem inneren Diktat, den Teller leer essen zu müssen. Denn alle Teilnehmer ließen bei allen Varianten auch Reste übrig. Der einzige Unterschied lag darin, dass dann, wenn die Portionen nacheinander serviert wurden, die Einschätzung des Verzehrs besser gelang. Dies bestätigt nur, was schon andere Untersuchungen ergeben haben: Das rationale Erkennen, wie viel gegessen wird, bewahrt nicht vor überhöhtem Konsum.

          Wer Gemüse, Obst und Vollkornprodukte konsumiert, darf sich ruhig satt essen - er kann gar nicht so viel Kalorien verschlingen, wie sie zum Beispiel in dem durch Fett, Stärke und Zucker so energiedichten Fastfood enthalten sind. Wie verzweifelt müssen amerikanische Ernährungswissenschaftler angesichts der rasant zunehmenden Fettsucht unter den Kindern dort sein, dass in einem renommierten Fachjournal wie „Pediatrics“ überhaupt der Versuch veröffentlicht wird, über die Mogelpackung Portionsgröße auch nur ansatzweise Einfluss nehmen zu wollen.

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