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Übergewicht : Der Fluch der Südsee

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Auch ihm bekam das schlecht: Der Mexikaner Manuel Uribe war mit 597 Kilo der dickste Mann der Welt. Er starb im Alter von 48 Jahren. Bild: AFP

Zu viel Fett und Zucker führt nicht selten zu schwerem Übergewicht. Bei einigen Völkern eher als bei anderen. Woran könnte das liegen?

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          Seine letzte Reise trat Manuel Uribe nicht in einem Sarg an, sondern in seinem Bett. Mehr als ein halbes Dutzend Männer hievten die in Plastik gewickelte Stahlkonstruktion mit der Leiche vergangene Woche aus dem Krankenhaus, in dem der schwerste Mann der Welt gestorben war. Zwar hatte der Mexikaner binnen sieben Jahren von 560 auf 396 Kilogramm abgespeckt. Doch das war vermutlich zu viel für das Herz des 48-Jährigen. Er lässt Familie und Freunde zurück. Und einmal mehr die Frage, warum manche Menschen so schnell und unumkehrbar dick werden, während andere schlank und munter durchs Leben schweben. Sind es die Gene? Oder zählen am Ende doch Charakter und Disziplin, gerade im Angesicht einer vor Zucker und Fett nur so strotzenden westlichen Ernährung?

          Klar ist, dass Übergewicht und Fettleibigkeit fast überall auf der Welt zunehmen: in Deutschland, in den Vereinigten Staaten sowieso und andernorts noch viel dramatischer. Epidemiologen ermitteln diese Trends mit Hilfe einer biometrischen Kennzahl: Der Body-Mass-Index, kurz BMI, ist definiert als das Verhältnis von Körpermasse zu Körperfläche, als Gewicht geteilt durch Körpergröße zum Quadrat. Liegt der Wert zwischen 18,5 und 25 Kilo je Quadratmeter, ist alles o.k. Ab 25 beginnt das Übergewicht, ab 30 die Fettleibigkeit, die aufwärts dann noch einmal in drei Schweregrade unterteilt ist.

          Jenseits des westlichen Magerwahnsinns

          Im Kern bedeutet das, dass selbst der durchschnittliche Einwohner der Bundesrepublik zu dick ist: Im Mittel lag der BMI deutscher Männer 2008 bei 27,2 und für Frauen bei 25,7. Damit kommen zumindest die deutschen Männer den mexikanischen und amerikanischen Geschlechtsgenossen erstaunlich nahe: Dort liegt der mittlere BMI bei 27,4 beziehungsweise 28,5.

          Überraschend ist das nicht, gelten die Vereinigten Staaten und Mexiko doch als Hochburgen des Übergewichts. Meist unerwähnt bleibt aber, dass es sich weder bei den Amerikanern noch bei den Mexikanern um das dickste Volk der Erde handelt. Man findet es vielmehr nordöstlich von Australien, in der kleinsten Republik der Welt. Die Männer des mikronesischen Inselstaats Nauru haben 2008 durchschnittlich einen BMI von fast 34 erreicht und werden lediglich von ihren Frauen mit einem BMI von 35 übertroffen.

          Nicht allein die Bewohner Naurus sind in ihrer Leibesfülle bemerkenswert, auch in den indigenen Völkern der benachbarten Cook-Inseln und des polynesischen Tonga-Archipels ist Adipositas ein normales Phänomen. Und das, obwohl man sich doch gerade naturverbundene Inselvölker als fit und gesund vorstellt. Wie ist das möglich?

          Körperfett für harte Zeiten

          Es könnte einfach an der Kultur liegen: Jenseits des westlichen Magerwahnsinns pflegen viele Völker durchaus üppige Schönheitsideale. Nach ihrem Körpergefühl befragt, empfinden sich die meisten Bewohner Ozeaniens auch keineswegs als viel zu dick. Anders als in Europa und Nordamerika schätzen die meisten ihr Gewicht sogar deutlich niedriger ein, als es ist. In Europa und Nordamerika verhält es sich genau anders herum. Kritiker einschlägiger Studien allerdings haben darauf hingewiesen, dass ozeanische Völker zwar weibliche Formen und muskulöse Männlichkeit bevorzugen. Mit Adipositas habe das aber noch nichts zu tun.

          Die Geschichte liefert vielleicht bessere Hinweise. Die Inseln Ozeaniens waren in den drei- bis viertausend Jahren ihrer Besiedlung weitgehend vom Rest der Welt abgeschottet. Nauru wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts von den Briten kolonialisiert. Wenn in solchen isolierten Gemeinschaften, die ihr Erbgut über lange Zeit nur untereinander austauschen, besondere Merkmale hervortreten, liegt eine erbliche Ursache ziemlich nahe.

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