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Übergewicht bei Kindern : Böser Babyspeck

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Fettleibigkeit und Mangelernährung gibt es zugleich - und meist in ein und demselben Land. In Kenia beispielsweise sind kleine Kinder in Armenvierteln und auf dem Land besonders von Mangelernährung bedroht, während es bei wohlhabenderen Familien schick geworden ist, in Nairobi zu McDonald’s zu pilgern. „Wir dürfen aus solchen Meldungen zu Übergewicht und Fettleibigkeit nicht den Schluss ziehen, dass es etwa in Afrika weniger Hunger gibt“, sagt Tarneden.

Durch Essensumstellung in Kindergärten hat man schon viel erreicht

Zugleich bleiben die ungesunden Pfunde auch in der ersten Welt ein Problem. Hierzulande spricht die Deutsche Adipositas Gesellschaft gar von einer Epidemie: Mehr als die Hälfte der Bundesbürger ist übergewichtig, jeder Vierte bis Fünfte fettleibig. Hinsichtlich der Kinder und Jugendlichen beruht diese Einschätzung allerdings auf Zahlen, die nicht mehr ganz frisch sind: Die derzeit aktuelle repräsentative Studie hat das Robert-Koch-Institut 2007 vorgelegt, die Daten für die „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) wurden von 2003 bis 2006 gesammelt. Demnach waren damals rund 15 Prozent der Mädchen und Jungen zwischen 3 und 17 Jahren übergewichtig, etwa sechs Prozent fettleibig. Im Moment läuft die zweite Erhebung, die Ergebnisse werden voraussichtlich Ende 2017 vorgestellt.

„Da es zurzeit an repräsentativen Daten fehlt, orientieren wir uns an der Schuleingangsuntersuchung“, sagt Susanna Wiegand von der Pädiatrischen Endokrinologie und Diabetologie an der Charité Berlin. Dort sei bei den Fünf- und Sechsjährigen eine Stagnation auf hohem Niveau festzustellen. Während die Zahl der übergewichtigen Kinder demnach gleich bleibt, nimmt der Schweregrad zu. „Wir haben vor allem bei den Jugendlichen viele extrem und extremst adipöse Mädchen und Jungen“, sagt Wiegand. Bei Kindern in jüngerem Alter haben man allerdings schon viel erreicht. Gesundes Essen und viel Bewegung in den Kindertagesstätten zum Beispiel hätten dazu beigetragen, dass die unter Fünfjährigen weniger stark vom Übergewicht betroffen sind als die höheren Altersgruppen.

Wer noch in der Kindheit abnimmt, muss keine Folgeschäden befürchten

Entwarnung will Ute Spiekerkötter dennoch nicht geben. Die Ärztliche Direktorin für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Freiburg spricht von einem hohen Anteil übergewichtiger kleiner Kinder, den sie und ihre Kollegen im Klinikalltag zu sehen bekommen. Während zum einen der bekannte Mix aus wenig Bewegung und viel zucker- und fettreicher Nahrung dafür verantwortlich ist, hat zum anderen auch der Lebensstil der Eltern einen entscheidenden Einfluss auf das Gewicht des Kindes.

Und das schon vor der Geburt. „Studien haben gezeigt, dass Kinder eher adipös werden, wenn die Mutter in der Schwangerschaft mehr als 17 Kilogramm zunimmt“, sagt Spiekerkötter und warnt vor den Folgeerkrankungen, mit denen dicke Kinder auf lange Sicht zu kämpfen haben. „Das sind vor allem Diabetes, orthopädische Schäden und Magen-Darm-Erkrankungen.“ Hinzu komme, dass bei dem übergewichtigen Nachwuchs bereits die Verkalkung von Arterien beginnt, die bei Normalgewichtigen, wenn überhaupt, erst im Erwachsenenalter einsetzt. Sie haben dadurch ein erhöhtes Risiko für Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck und Herzinfarkte oder Schlaganfälle - und das bereits als junge Erwachsene. Die gute Nachricht aber lautet: Wenn sie ihre Kilos noch in der Kindheit loswerden, nimmt der Körper selbst Fettleibigen den gewichtigen Ausrutscher nicht übel. Sie können dann ein ganz normales Leben führen, ohne Angst vor Spätschäden haben zu müssen.

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