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Tränenforschung : Heul doch!

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Frauen weinen häufiger

Ein weiterer Unterschied zwischen den Geschlechtern betrifft die Ursachen für das Weinen. Frauen weinen häufiger während Auseinandersetzungen. Männer hingegen weinen häufiger aus positiven Gründen, etwa wenn die eigene Mannschaft gewonnen hat. Damit zeigt sich zugleich eine weitere Eigenart der Weinens von Erwachsenen: Es muß nicht Ausdruck einer negativen Empfindung sein. Vor allem aber weinen Erwachsene und auch ältere Kinder selbstlos oder aus Mitgefühl. Kleine Kinder hingegen weinen egozentrisch: Am Grab von Oma stehen sie recht teilnahmslos herum, während das Geschrei groß ist, wenn man ihnen ihr Spielzeug wegnimmt.

Neben solchen entwicklungspsychologischen Aspekten hängt unser Weinverhalten von einer Reihe äußerer Faktoren ab. Vingerhoets fand aufgrund von Umfragen unter Studenten heraus, daß wir häufiger abends weinen als tagsüber, eher zu Hause als in der Öffentlichkeit und daß, anders als vermutet, in nördlichen Ländern eher geweint wird als in südlichen. Letzteres könnte allerdings mit den ersten beiden Faktoren zusammenhängen. Denn wo es länger hell ist, verbringt man auch mehr Zeit auf öffentlichen Plätzen, wo man dann wiederum auch in der Dämmerung nicht so gerne weint, während im Norden alles zusammenkommt, damit dort an dunklen Abenden in den eigenen vier Wänden ordentlich geschluchzt werden kann.

All diese Untersuchungen legen nah, dass den Tränen vor allem eine soziale Signalfunktion zukommt. So konnte Vingerhoets zeigen, dass Versuchspersonen auf weinende Gesichter mit mehr Zuwendung reagieren als auf nicht weinende Gesichter. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang eine Untersuchung von Rudolph Cornelius. Der amerikanische Psychologe wies nach, daß die Bereitschaft zu spontaner Fürsorge und Hilfsbereitschaft deutlich abnimmt, wenn man die Tränen aus den Fotos von Menschen mit weinenden Gesichtern digital entfernt.

Auslöser zumeist trivialer Natur

Weinen ist letztlich das Resultat einer individuellen Bewertung von Ereignissen. Ob eine Person in Tränen ausbricht oder nicht, ist auf komplizierte Weise von ihren Erwartungen, Zielen und Wünschen, ihrem inneren Zustand, ihrer Erschöpfung oder ihrer Gesundheit, aber auch von der jeweiligen Situation abhängig, etwa der Anwesenheit anderer Weinender in einem Fußballstadion. Dazu passt, dass Vingerhoets feststellen konnte, daß die eigentlichen Auslöser für das Weinen zumeist trivialer Natur sind und eben nicht die großen Ereignisse wie Tod oder Lottogewinn.

Schließlich hängt auch die Reaktion der anderen auf das Weinen von sozialen Faktoren ab. Sind Frauen in der Nähe, hat man gute Chancen auf Trost und Hinwendung. Männer hingegen reagieren auf Tränen eher hilflos oder ungehalten - zumindest dann, wenn sie in ihrer Gegenwart von anderen Männern vergossen werden. Die Chancen für eine hübsche, attraktive Frau dagegen, stärkere Beachtung und Hilfe durch hemmungsloses Schluchzen auszulösen, stehen durchaus nicht schlecht.

Allerdings gibt es auch hier Grenzen, nämlich dann, wenn das dauernde Geweine als manipulativ oder gar erpresserisch empfunden wird. Denn manchmal lügen Tränen, anders als im Schlager, eben doch.

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