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Lernfähige Tintenfische : Weichtiere mit Köpfchen

  • -Aktualisiert am

In der Nordsee heimisch: der Gewöhnliche Tintenfisch Sepia officinalis Bild: Norbert Müller

Tintenfische sind wählerisch und lernfähig: Sie hungern schon mal, wenn sie wissen, dass es bald ihre Lieblingshappen gibt.

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          Kopffüßer zählen zwar zur Verwandtschaft von Schnecken und Muscheln, das Gehirn dieser eigenartigen Meeresbewohner arbeitet aber auf dem Niveau von Säugetieren. So sind Tintenfische offenkundig ausgesprochen lernfähig und können in ihre aktuellen Entscheidungen auch zukünftig Erwartbares mit einbeziehen. Das hat eine britisch-französische Forschergruppe entdeckt. Wie Pauline Billard von der Normandie Université in Caen und ihre Kollegen in den „Biology Letters“ berichten, lernen Tintenfische, denen regelmäßig besondere Leckerbissen geboten werden, minder attraktive Gaben zu ignorieren.

          Als Forschungsobjekte dienten den Biologen jugendliche Exemplare des auch in der Nordsee heimischen Gewöhnlichen Tintenfischs (Sepia officinalis). In Aquarien lebten die erst wenige Zentimeter großen Tiere von einer abwechslungsreichen Kost aus verschiedenartigen Garnelen, Strandflohkrebsen und kleinen Strandkrabben. Was auf ihrem Speiseplan stand, war den Tintenfischen keineswegs gleichgültig: Vor die Wahl gestellt, griffen alle zuerst nach den Garnelen und ließen die Strandkrabben links liegen.

          Diese eindeutige Vorliebe machten sich die Forscher zunutze: Sie servierten ihren tierischen Probanden stets Strandkrabben zum Frühstück. Garnelen gab es, wenn überhaupt, erst abends. Wurden diese begehrten Krebstiere täglich geliefert, verschmähten die Tintenfische mit der Zeit immer häufiger die morgens angebotene Verpflegung. Statt sich auf die Krabben zu stürzen, warteten sie geduldig auf ihre bevorzugte Beute. In einem weiteren Experiment wurde nur an jedem zweiten Abend eine Portion Garnelen offeriert. Auch darauf wussten sich die cleveren Tintenfische einzustellen: Mit der Zeit lernten sie, in welchem Rhythmus sie ihre Lieblingsspeise erwarten konnten. Obwohl mutmaßlich hungriger, weil das Abendessen am Vortag ausgefallen war, ignorierten sie an diesen Tagen meist die morgens angebotenen Strandkrabben.

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          Doch sobald sich der Rhythmus änderte und die Garnelenmahlzeiten in unregelmäßigen Abständen gereicht wurden, griffen die Tintenfische allmählich wieder häufiger nach der morgendlichen Krabbenration. Offenkundig verstehen sich die Nordseebewohner auf ein effizientes Risikomanagement: Gelehrig und flexibel, akzeptieren sie weniger attraktive Beutetiere vor allem dann, wenn künftig kein besserer Happen in Aussicht steht. Winkt ihnen zu einem späteren Zeitpunkt begehrtere Beute, halten sie sich vorher vornehm zurück, scheinen ihre Mahlzeiten also vorausschauend zu planen. Folglich verfügen Tintenfische über komplexe kognitive Fähigkeiten, die sonst nur von Wirbeltieren bekannt sind.

          Ein Beispiel dafür, dass die Evolution auf ganz unterschiedlichen Wegen zu ähnlichen Ergebnissen gekommen ist. Schließlich haben sich die Entwicklungslinien der Wirbeltiere und der Weichtiere, zu denen die Tintenfische gehören, schon vor rund 550 Millionen Jahren getrennt.

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