https://www.faz.net/-gwz-98pyp

Tierische Kommunikation : Flughunde, die Mundart reden

  • -Aktualisiert am

Stimmbildung unter Gruppendruck, hier eine Kolonie von Palmenflughunden in Ghana Bild: Jakob Fahr, CC BY 4.0

Ob bei der Kommunikation mit Artgenossen oder bei der Jagd – Fledermäuse wissen die Tonhöhe ihrer Laute geschickt zu variieren. Jungtiere lernen bevorzugt von ihren Altersgenossen, welcher „Dialekt“ gerade angesagt ist.

          4 Min.

          Dialekte gibt es nicht nur in menschlicher Sprache. Auch bei tierischer Kommunikation lassen sich mitunter regionale Unterschiede ausmachen. Wer sich entsprechend auskennt, kann zum Beispiel mühelos heraushören, ob ein singender Buchfink aus der Gegend von Hamburg stammt oder vom Alpenrand. Den jeweiligen Dialekt lernen diese Singvögel von ihren Eltern. Mit unterschiedlichen Dialekten kommunizieren aber auch manche Fledermausarten. Ihre Jungen lernen ebenfalls von den Alten, im Gegensatz zu Singvögeln allerdings nicht speziell von den Eltern oder den allernächsten Nachbarn. Stattdessen wird die Stimme der heranwachsenden Fledermäuse von der vielstimmigen Schar am notorisch unruhigen Ruheplatz geprägt. Das haben Zoologen um Yosef Prat und Lindsay Azoulay von der Universität Tel Aviv herausgefunden.

          Als Forschungsobjekt diente ihnen der Nilflughund (Rousettus aegyptiacus). Wie die meisten Fledermäuse aus der Gruppe der Flughunde ist er etwa so groß wie eine Krähe und ernährt sich mit Vorliebe von Früchten. Wobei Nilflughunde manchmal auch Obstplantagen plündern. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Ägypten bis in den Süden der Türkei und nach Zypern. In Israel haben die Wissenschaftler hochträchtige Weibchen gefangen, sie in schallisolierten Käfigen einquartiert und dort ihren Nachwuchs aufziehen lassen. Zwar fehlten die Hunderte von Artgenossen, mit denen ein Nilflughund üblicherweise seinen Ruheplatz in einer Höhle teilt. Doch die Geräuschkulisse stimmte: Wie die israelischen Zoologen in der Online-Zeitschrift „Plos Biology“ berichten, beschallten sie ihre tierischen Probanden mit passend zusammengestellten Tonaufnahmen. Anders als der Gesang eines Buchfinken bestehen die Laute eines Flughunds nicht aus einzelnen Silben. In der Tonhöhe lassen sich jedoch regionale Unterschiede erkennen. Weshalb die Beschallung der jungen Nilflughunde entsprechend variiert wurde.

          Prägendes Stimmengewirr

          Während die Kleinen heranwachsen, wird ihre hohe Kinderstimme zunehmend tiefer und erreicht nach etwa einem halben Jahr die Stimmlage erwachsener Artgenossen. Der Grundton der Kommunikation liegt nun meistens zwischen 400 und 1000 Hertz. Wie häufig die im Dienst der Wissenschaft eingesperrten Nilflughunde dann auch deutlich höhere oder tiefere Töne von sich gaben, hing von dem Stimmengewirr ab, dem sie an ihrem Ruheplatz ausgesetzt waren: Tiere, die viel niederfrequente Stimmen hörten, äußerten auch selbst häufig Laute mit tiefer Grundfrequenz. Eine Beschallung mit überdurchschnittlich hohen Frequenzen führte dagegen zu einem vergleichsweise großen Anteil von Lauten mit hoher Grundfrequenz. Offenbar sind junge Nilflughunde ganz Ohr für den Chor ihrer lautstarken Artgenossen und lernen dadurch, welcher Ton in dieser Gemeinschaft angesagt ist.

          Fledermäuse als Gruppentiere: hier in einer alten Brauerei in Frankfurt (Oder)

          Lernfähig zeigen sich Fledermäuse auch, wenn es um fette Beute geht. Hungrige Langfuß-Fledermäuse zum Beispiel tummeln sich mit Vorliebe über Teichen oder Seen. Dort fangen diese im Mittelmeerraum heimischen Tiere nicht nur fliegende Insekten. Mit ihren langen, krallenbewehrten Füßen können sie sich ihre Beute auch von der Wasseroberfläche klauben. Manche schnappen sich dabei diverse Insekten, andere haben es stattdessen auf Fische abgesehen. Dass die fischenden Fledermäuse ihre Echoortung modifiziert haben, haben Wissenschaftler von der Universität Kopenhagen und von der Universität des Baskenlands in Leioa beobachtet. Ostaizka Aizpurua und ihre Kollegen studierten zum einen Langfuß-Fledermäuse, die sich ausschließlich von Insekten ernähren. Was sich beim sorgsamen Aussieben von fünf Kilogramm Fledermauskot bestätigte. Zum anderen wurde eine Population getestet, bei der Fisch auf dem Speiseplan steht.

          Weitere Themen

          So funktioniert die Organspende Video-Seite öffnen

          Videografik : So funktioniert die Organspende

          Schwerkranke Patienten, die auf ein Spenderorgan angewiesen sind, müssen darauf oft lange warten. Eine Organtransplantation ist eine heikle Operation. Die Videografik gibt einen Überblick über den Prozess.

          Zweifellos ein Schwarzes Loch

          Galaktisches Zentrum : Zweifellos ein Schwarzes Loch

          Neues aus dem Zentrum unserer Galaxie: Wer noch unsicher war, ob sich dort ein supermassereiches Schwarzes Loch befindet, sollte nun durch neue Beobachtungen der Radioquelle Sagittarius A* überzeugt werden.

          Topmeldungen

          Helikopter über den Schweizer Alpen auf dem Weg nach Davos: In einem sitzt der amerikanische Präsident Donald Trump.

          Davos : Jahr der Megatrends

          In Deutschland besteht eine verhängnisvolle Neigung zu glauben, wer die Welt verändern wolle, müsse in erster Linie moralisieren. Die Wirtschaft ist aber nicht der natürliche Feind der Klimapolitik. Das zeigte sich gerade in Davos.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.