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Stress im Kindesalter : Traumata beeinflussen die Gesundheit lebenslang

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Eine schwierige Kindheit beeinflusst das ganze Leben. Bild: dpa

Vernachlässigung, psychisch kranke oder alkoholsüchtige Eltern: Wer als Kind besonders belastende Situationen erlebt, spürt die gesundheitlichen Folgen oft noch im Erwachsenenalter.

          Belastende Erlebnisse in der Kindheit haben erhebliche Folgen für die Gesundheit noch im Erwachsenenalter. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie des französischen Nationalen Instituts für Gesundheit „Inserm“, die in den „Proceedings“ der amerikanischen nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht worden ist (doi:10.1073/pnas.1417325112).

          Die Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen Kindheitserfahrungen und der sogenannten allostatischen Last, womit die Folgen aller Stressfaktoren gemeint sind, die ein Mensch im Leben erfährt. Die Wissenschaftler nutzten die Daten einer britischen Langzeitstudie mit 7500 Menschen. Sie konzentrierten sich auf Teilnehmer, die im Alter zwischen sieben und sechzehn Jahren mehr als zwei belastende Ereignisse erlebten, etwa Vernachlässigung, Alkoholismus oder psychische Krankheit der Eltern. Die allostatische Last war im Alter von 44 Jahren besonders hoch. Bei Männern hingen 59 Prozent der Last mit ungesundem Verhalten, geringer Bildung und Armut zusammen. Bei Frauen waren 76 Prozent mit Rauchen, Übergewicht, geringer Bildung und geringem Einkommen assoziiert.

          Kosten für ein ganzes Leben

          Die Forscher schließen daraus, dass schwerwiegende negative psychosoziale Kindheitserfahrungen die Gesundheit wahrscheinlich
          langfristig auf verschiedenen Wegen beeinträchtigen. Dazu heißt es in
          der Studie: „Gruppen, die negative Kindheitserfahrungen erlebten,
          können die Kosten dafür ihr ganzes Leben tragen, was sich in ihrer
          physiologischen Abnutzung im Erwachsenenalter zeigt.“

          Für Harald Gündel, den ärztlichen Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm, ist die Studie wissenschaftlich und methodisch ein großer Schritt nach vorn. In der Kindheit „werden viele biologische Regelkreise und Prozesse geprägt, die Folgen für die lebenslange Gesundheit haben“, so Gündel, der auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche
          Psychotherapie ist. Frühere Studien hätten in die selbe Richtung gedeutet, allerdings nicht mit dieser Qualität. „Die Untersuchungen
          auf verschiedenen Ebenen zeigten, dass frühe traumatische Erlebnisse
          im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Haut gehen“ und biologische
          Folgen haben, wenn auch mit zeitlicher Verzögerung“, erklärte Gündel.

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