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Stress durch beleuchtete Städte : Die dunkle Seite des Lichts

  • -Aktualisiert am

Die Bankenskyline von Frankfurt Bild: dpa

Vielen Organismen schadet die Helligkeit der Großstädte in tiefster Nacht. Auch der Mensch wird durch künstliches Licht krank. Die Debatte darüber beginnt aber gerade erst.

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          Seitdem vor hundertdreißig Jahren die Glühbirne erfunden wurde, schwindet die Dunkelheit. Um rund sechs Prozent steigt jährlich die Beleuchtung weltweit, was fast einer Verdopplung alle elf Jahre entspricht. Auf den Satellitenaufnahmen der Erde sind die prosperierenden Regionen am hellen Schein in der Nacht zu erkennen, und die Vorteile der Beleuchtung sind unbestritten: Licht ermöglicht Bildung und Aktivität, fördert das Wirtschaftsleben und erhöht das Sicherheitsgefühl auf den Straßen und in den Städten. Doch tatsächlich werden jetzt auch die Nachteile der nächtlichen Beleuchtung immer deutlicher: Die Nacht ist nicht nur als Erlebnis verloren gegangen – der Anblick der Milchstraße ist nur noch in recht abgelegenen Regionen möglich – sondern inzwischen können Forscher auch belegen, dass künstliches Licht in der Nacht Veränderungen in Ökosystemen auslöst und Risiken für die menschliche Gesundheit birgt. Zudem ist es fraglich, ob immer mehr Licht in der Nacht wirklich die Sicherheit erhöht. Denn schlecht verwendetes, grelles Licht kann im Straßenverkehr blenden. Die Ursachen und Folgen der Lichtverschmutzung waren auch Thema der ersten internationalen Konferenz „Künstliches Licht bei Nacht“, Artficial Light at Night (Alan) 2013, in Berlin.

          Seit vor Milliarden Jahren die ersten Lebewesen auf der Erde entstanden, sind die Zellen auf den Tag-Nacht-Rhythmus eingestellt, den die Erdrotation vorgibt. Künstliches Licht beeinflusst diesen Rhythmus, bei tagaktiven wie nachtaktiven Arten. Etwa dreißig Prozent der Wirbeltiere und sechzig Prozent der Wirbellosen sind nachtaktiv und werden durch künstliches Licht massiv gestört. Und tagaktive Arten kommen in der Nacht weniger zur Ruhe. Doch wie genau die nächtliche Beleuchtung in Ökosysteme und Räuber-Beute-Netze eingreift, ist komplex: manche Arten profitieren, wenn sich Myriaden Insekten um Lampen sammeln, andere dagegen zählen zu den klaren Verlierern. Fest steht, dass Licht zur falschen Zeit den Zellstoffwechsel beeinflusst, Stress verursacht – bei Tieren wie auch bei Menschen.

          Erhöhtes Brustkrebsrisiko

          Die erste Studie zu Auswirkungen von nächtlichem Licht auf die menschliche Gesundheit stammt bereits aus dem Jahr 1980, berichtete Richard Stevens, Gesundheitsforscher vom Health Center der University of Connecticut, in Berlin. Schon diese Studie zeigte, dass Licht in der Nacht die Melatonin-Produktion reduziert, die in der Dunkelphase normalerweise hoch ist. Seitdem haben zahlreiche Tierversuche deutliche Hinweise darauf geliefert, dass die Unterdrückung des Botenstoffs Melatonin die Risiken für Brustkrebs beziehungsweise Prostatakrebs erhöht. Die mögliche Erklärung liegt darin, dass Melatonin eine Rolle bei der Reparatur von DNA-Schäden spielt. Auch epidemiologische Studien deuten in die gleiche Richtung. So müssen Schichtarbeiterinnen mit einem etwas höheren Brustkrebsrisiko rechnen, während blinde Frauen ein etwas geringeres Risiko aufweisen.

          Flackernde Leuchtreklamen, helle Laternen, aber auch der eigene Fernseh- oder Computerbildschirm mit seinem hohen Blauanteil im Lichtspektrum verhindern, dass sich der Körper abends auf die Nacht und gesunden Schlaf einstellen kann. Untersuchungen an der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigen, dass etwa achtzig Prozent der arbeitenden Bevölkerung morgens nicht ohne Wecker aus dem Bett kommen, weltweit sinkt zudem die Schlafdauer an Arbeitstagen, berichtete der Chronobiologe Thomas Kantermann von der Universität Groningen. Dabei ist künstliches Licht als Taktgeber heute viel dominanter als der natürliche Tag-Nacht-Rhythmus durch die Sonne. Licht stellt die innere Uhr des Organismus ein, und ein Versatz zwischen der eigenen inneren Uhr und den sozialen Erfordernissen führt zu einem sozialem Jetlag, der sich in Müdigkeit und verringerter Konzentration auswirkt und die Risiken für Fettleibigkeit, Rauchen und Herzkreislauferkrankungen erhöht. So steigen nach jeder Zeitumstellung im Frühling die Arbeitsunfälle und Herzinfarktraten, und die meisten Menschen müssen den Sommer über mit einem erhöhten sozialen Jetlag leben.

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