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Stammzellen : Menschliche Zellen geklont

Geklonte menschliche Embryonen Bild: OHSU

Forscher in Oregon stellen erstmals genetisch identische Embryonen für die Stammzellerzeugung her. Sie überleben mehrere Tage. Das Klonen war zuvor immer wieder vergeblich an menschlichen Zellen versucht worden.

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          Erstmals ist Forschern das Klonen menschlicher Zellen gelungen. Ein Stammzelllabor an der Oregon Health and Science University in Portland hat die Kerne menschlicher Hautzellen in Spender-Eizellen verpflanzt und daraus mehrere Tage alte, genetisch gleiche Embryonen in der Petrischale erzeugt. Aus dem Innern der Blastozysten wurden mehrere neue Stammzelllinien erzeugt. Die Ergebnisse sind in kürzester Zeit nach Einreichung des Manuskripts in „Cell“, einer der angesehensten Fachzeitschriften für Lebenswissenschaft, publiziert worden.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Damit ist den amerikanischen Forschern um Shoukhrat Mitalipov gelungen, was nach den ersten Klonexperimenten, die 1997 zum Schlaf „Dolly“ führten“, immer wieder vergeblich versucht worden war. Von zahlreichen anderen Organismen, insbesondere von Mäusen, Kühen, Ziegen, Katzen, Pferden und Hunden, hatte man bald darauf genetische Kopien durch Zellkerntransfer herstellen können. Menschliche Zellen schienen sich aber als unklonierbar zu erweisen.

          Schonendes Prozedere für die Eizellen

          Das langfristige Ziel vieler akademischer Klonierer war es seinerzeit, mit dem „therapeutischen Klonen“ die Zellen von schwerkranken Patienten, beispielsweise Parkinsonkranken oder Querschnittgelähmten, in der Petrischale zu klonieren, um daraus genetisch exakt passendes Gewebe und Ersatzorgane herzustellen. Mitalipovs Team hat durch Abwandlung von Experimenten an Rhesusaffen ein neues, schonendes Verfahren entwickelt, das die verwendeten Eizellen nicht schädigt und das Klonieren technisch möglich macht. Durch die Zugabe von Koffein in die Zellkultur wurde die Gewinnung von Klonembryonen noch dazu beträchtlich gesteigert.

          Klonpionier Shoukhrat Mitalipov Bilderstrecke
          Klonpionier Shoukhrat Mitalipov :

          Und es funktioniert auch beim Menschen

          Mit dem publizierten Rezept ist es theoretisch auch anderen Reproduktionsmedizinern möglich, Versuche zum Klonieren ganzer Menschen zu beginnen. Ob das therapeutische Klonen jemals in der Medizin angewendet wird, hält der Bonner Stammzellforscher Oliver Brüstle für fraglich, wie er dieser Zeitung sagte: „Die vorliegenden genetischen Analysen zeigen nicht, ob die Stammzellen aus den Klonembryonen so gut sind wie die schon verfügbaren Stammzellen.“ Für Brüstle ist die Arbeit der Klonforscher reine Grundlagenforschung: „Die Gruppe wollte einfach sehen, ob es nicht doch auch beim Menschen funktioniert.“ Das in Deutschland ohnehin verbotene Klonen werde zu gewaltigen ethischen Kontroversen führen und bei den Eizellspenderinnen zu Gesundheitsproblemen. Brüstle sagte: „Das ist in keiner Gesellschaft der Welt zu vermitteln.“

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