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Spracherwerb bei Kindern : Zwei Sprachen, ein Gedächtnis

  • -Aktualisiert am

Spielend eine fremde Sprache lernen: Zweisprachiger Kindergarten in Berlin Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Kleinkinder lernen leicht, eine Fremdsprache akzentfrei zu sprechen, weil das Gehirn bis zum dritten Lebensjahr besonders aufnahmefähig ist. Der spielerische Zugang zu mehreren Sprachen läßt Kinder offenbar auch andere Aufgaben leichter lösen.

          Als Louis sein erstes Wort brabbelte, lautete das bezeichnenderweise „Traktor“. Bezeichnend nicht nur, weil kleine Jungs eben auf große Maschinen abfahren, sondern vor allem, weil Louis damit gleich zwei Sprachen auf einmal benutzte: Spanisch und Deutsch. Hier wie dort hat das Wort „Traktor“ dieselbe Bedeutung. Mit diesen beiden Sprachen ist der Zweijährige von Anfang an aufgewachsen, seit seiner Geburt sprechen Mama Rosa und Papa Stefan mit ihm jeweils in ihrer Muttersprache.

          Ein Kind derart früh mit mehreren Sprachen zu konfrontieren ist hirnphysiologisch ausgesprochen sinnvoll. Denn wer eine Sprache akzentfrei sprechen will, muß zunächst einmal die verschiedenen Klänge und Laute darin auseinanderhalten können. „Diese Fähigkeiten erwerben Kinder sehr früh, vor allem im ersten Lebensjahr ist das Gehirn sensibel für Sprachmelodie und Lautunterschiede. Das nimmt dann aber relativ schnell ab“, sagt Rosemarie Tracy von der Universität Mannheim. Wenn also beispielsweise Chinesen unser „r“ schlecht aussprechen können und wir im Gegenzug an ihrem „xi“ und den verschiedenen Tonhöhen scheitern, liegt das in der Regel daran, daß man die fremden Laute nicht früh genug gehört hat. Das Gehirn konnte keine Netzwerke ausbilden, die diese Laute erkennen und verarbeiten.

          Wie Kleinkinder akzentfrei Hochchinesisch lernen

          Dagegen entstehen solche Netzwerke wohl sogar dann, wenn das Kind die zweite Sprache nur selten hört, wie Patricia Kuhl von der University of Washington in einer Studie beschreibt. Sie untersuchte neun Monate alte amerikanische Babys, die regelmäßig von chinesischen Muttersprachlern auf Mandarin angeredet wurden. Im Untersuchungszeitraum von vier Wochen genügten schon zwölf Sitzungen von je 25 Minuten Länge, um den Kindern die fremden Laute der fernöstlichen Sprache zu vermitteln. Sie reagierten im kleinstkindkompatiblen Test genausogut wie zehn Monate alte Taiwaner, und das auch noch drei Monate nach Ende der chinesischen Spielstunden. Den Kleinen einfach eine DVD mit genau denselben Sprachinhalten vorzusetzen, hatte dagegen keinerlei Effekt auf die Lauterkennungsfähigkeit. Sprachen lernen Kleinkinder nur von Menschen spielend, schließt die Neurowissenschaftlerin Kuhl. Derzeit überprüft sie an den mittlerweile ins Vorschulalter gewachsenen Kindern, wie leicht sie tatsächlich akzentfrei Hochchinesisch sprechen lernen können.

          Wer eine Sprache schon als Kleinkind erwirbt, erspart sich später den frustrierenden Kampf mit der richtigen Aussprache und dem Aneignen komplexer Grammatikregeln. Taktische Überlegungen veranlassen daher immer mehr Eltern, ihrem Nachwuchs möglichst früh mehrere Sprachen beizubringen. Bei Louis lag der entscheidende Grund woanders - bei der Herkunft seiner Mutter Rosa. „Ich bin in Spanien aufgewachsen, deshalb ist Spanisch auch Teil meiner kulturellen Identität. Und ich fände es schade, wenn Louis davon nichts mitbekommen würde“, sagt sie.

          Es sind eben nicht nur Informationen, die Sprache innerhalb der Familie vermitteln soll. Vielmehr stehen wichtige Inhalte auch zwischen den Zeilen - Temperament beispielsweise, Emotion und Kultur. „Deshalb wäre es ganz unsinnig, wenn sich Mütter in einer ihnen fremden Sprache mit ihren Kindern verständigen würden“, sagt Barbara John vom Bildungssenat in Berlin. „Der emotionale Gehalt der Sprache kommt so ja gar nicht rüber.“ Vom möglicherweise doch nicht perfekten Vokabelschatz und nicht ganz fehlerfreier Grammatik ambitionierter Eltern zu schweigen.

          Mit Mama spanisch sprechen, mit Papa deutsch

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