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Smartphone und Tablet : Wenn das Baby scrollt

  • -Aktualisiert am

Auch Kleinkinder bekommen schon Tablets in ihre Hände Bild: Imago

Manche Eltern geben schon sechs Monate alten Babys ein Smartphone oder Tablet in die Hand - um in Ruhe Geschirr spülen oder einkaufen zu können. Doch die Kleinen durchschauen diesen Trick. Das kann gefährlich werden.

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          Glaubt man den Werbetexten der App-Verkäufer, dann können die bunten Programme fürs Tablet und Smartphone einiges leisten, um schon Kleinkinder auf das Leben vorzubereiten: Apps für die Kleinsten versprechen eine „Förderung der Feinmotorik“ oder helfen beim „Formen zuordnen und Zählen trainieren“. Es gibt eine Sprachlern-App, mit der schon Einjährige erste Wendungen auf Englisch aufschnappen können. Wie stark verbreitet der Gebrauch von Smartphone und Tablet bei den Jüngsten wirklich ist, weiß man nicht genau.

          Für einen Moment Ruhe

          Wenn Kinder zwei Jahre alt sind, haben sie aber wohl in der Regel reichlich Erfahrung mit mobilen Touchscreen-Geräten – zu diesem Schluss kommt Hilda Kabali vom Einstein Medical Center in Philadelphia, nachdem sie 370 Mütter und Väter befragt hat. Gut ein Drittel der Kinder probiert sich sogar schon vor dem ersten Geburtstag im Scrollen aus. Und einige Babys sind nicht älter als sechs Monate, wenn sie minutenlang mit dem iPhone spielen. Die Ergebnisse hätten sie „überrascht“, sagte Kabali vor wenigen Tagen auf dem Jahreskongress der Pediatric Academic Societies in San Diego.

          Ob die Vorstellung, die Kinder so fördern zu können, bei der Gerätenutzung eine Rolle spielte, hat Kabali nicht erfragt. Die Eltern stammten aus armen Stadtvierteln, hatten eine geringe Schulbildung und gehörten großenteils ethnischen Minderheiten an. Sie gaben an, auf ihre Handys und Tablets zurückzugreifen, um einen Moment Ruhe zu haben: bei der Hausarbeit, beim Einkaufen, wenn das Kind schrie oder wenn es nicht einschlafen wollte. Manch einer mag sich da jene Eltern loben, die ihre Kinder noch auf den Spielplatz begleiten – statt sie ruhigzustellen.

          Doch auch dieses Modell wurde auf dem amerikanischen Pädiater-Kongress hinterfragt. Während 75 Prozent der gemeinsamen Zeit auf dem Spielplatz, bilanzierten New Yorker Neurowissenschaftler, seien die Eltern abgelenkt gewesen – durch Gespräche, aber in demselben Ausmaß auch durch Blicke aufs Smartphone. Genau in diesen Momenten gingen die Kinder besondere Risiken ein, liefen die Rutsche hinauf oder sprangen von der Schaukel. Ein Verhalten, das zeigt, dass sie ihren Konkurrenten um die elterliche Aufmerksamkeit genau kennen: Schließlich haben viele von ihnen die magnetische Anziehungskraft der Touchscreens wohl schon erfahren, bevor sie krabbeln oder reden konnten.

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