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Sexismus und Rassismus : Vorurteile lassen sich im Schlaf abbauen

  • Aktualisiert am

Im Schlaf ist der Mensch beeinflussbar Bild: dpa

Wer rassistische und sexistische Vorurteile hegt, kann im Schlaf davon „geheilt“ werden. Das zeigen amerikanische Forscher, die ihren Probanden vor dem Nickerchen zum Beispiel beibrachten, Frauengesichter mit dem Begriff „Mathematik“ zu verbinden.

          Rassistische und sexistische Vorurteile können im Schlaf abgebaut werden, berichten Forscher um Xiaoqing Hu von der Northwestern University in Evanston, Illinois, in „Science“ (doi:10.1126/science.aaa3841).

          Vierzig Probanden mussten zunächst ein Porträt eines Menschen einem Begriff zuordnen, der ihrem Vorurteil entgegengesetzt war. Ein Frauengesicht musste etwa mit dem Begriff „Mathematik“ verknüpft werden, ein Gesicht eines Dunkelhäutigen mit positiv belegten Wörtern wie „Sonnenschein“. Bei jeder erfolgreichen Paarung von Bild und Begriff erklang ein bestimmter Ton, abhängig davon, ob es um Sexismus oder Rassismus ging.

          Umprogrammiert im Schlaf?

          Anschließend machten die Probanden einen neunzigminütigen Mittagschlaf. In der Tiefschlafphase spielte man ihnen mehrfach entweder den Rassismus- oder den Sexismus-Ton vor. Als die Wissenschaftler nach dem Schläfchen erneut die Stereotypen
          der Testpersonen abfragten, stellten sie eine deutliche Minderung bei der Kategorie von Vorurteilen fest, deren dazugehöriger Ton während des Schlafens erklungen war.

          Das Ergebnis war auch eine Woche nach dem Training noch messbar. „Hu und seine Kollegen zeigen, welches bemerkenswerte Potenzial die gezielte Gedächtnis-Reaktivierung während des Schlafs hat, wenn es um die Veränderung tief verwurzelter Angewohnheiten geht“, schreibt Jan Born von der Universität Tübingen in einem Kommentar zur Studie.

          Offene Fragen

          Der Schlafforscher weist jedoch auch darauf hin, dass es noch viele offene Fragen bezüglich der neurophysiologischen und psychologischen Mechanismen der Reaktivierung gebe. Zum Beispiel sei unklar, welche Rolle die Lernumgebung dabei spiele.

          Solange die Mechanismen nicht vollständig geklärt seien, bestehe die Gefahr, dass zuvor verlernte Vorurteile wieder erlangt werden. Es sei sogar vorstellbar, dass der genau gegenteilige Effekt erzielt werde - also Vorurteile verstärkt und nicht gemindert werden. „Der Schlaf ist ein Zustand, in dem ein Individuum ohne willentliches Bewusstsein und somit ungeschützt gegenüber Suggestionen ist“, schreibt Born weiter. Deshalb sei es wichtig, bei weiterer Forschung auf diesem Gebiet auch ethische Überlegungen mit einzubeziehen.

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