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Senioren-Fitness : Training nützt auch "Spätstartern"

  • -Aktualisiert am

Gynastik ist zwar gut, aber Ausdauer-und Kraftraining auch im hohen Alter noch besser Bild: dpa

Eine Studie belegt, dass Ausdauer- und Krafttraining auch im hohen Alter gut für Knochen und Gefäße sind. Anspruchsvolle Sportprogramme könnten zu wirksamen Mittel gegen manche Altersleiden werden.

          Mit einem konsequenten Fitnessprogramm, bestehend aus Krafttraining, Ausdauersport und Koordinationsübungen, können sich Frauen auch noch in fortgeschrittenem Alter effektiv gegen Knochenschwund, Stürze und Herz-Kreislauf-Leiden wappnen. Hinweise auf einen solchen "späten" Nutzen liefern die Ergebnisse einer Studie, die Wissenschaftler um Wolfgang Kemmler und Simon von Stengel vom Institut für Medizinische Physik der Universität Erlangen-Nürnberg vorgenommen haben. Die knapp 250 Probandinnen der Senioren-Fitness- und -Präventions-Studie waren im Mittel siebzig Jahre alt und etwas pummelig, ansonsten aber gesund. Alle Frauen willigten ein, an einem zwölf Monate währenden Fitnessprogramm teilzunehmen. Bei der Hälfte von ihnen bestand dieses darin, zweimal wöchentlich unter professioneller Anleitung jeweils eine Stunde lang konsequent Ausdauer, Muskelkraft, Koordination und weitere wichtige Körperfunktionen zu trainieren. Die übrigen Teilnehmerinnen dienten als Vergleich: Sie erhielten lediglich Gymnastikunterricht, kombiniert mit verschiedenartigen Entspannungsübungen.

          Wie aus dem Bericht der Autoren in der Zeitschrift "Bewegungstherapie und Gesundheitssport" (Bd. 25, S. 162) hervorgeht, förderte das umfassende Sporttraining die Gesundheit offenbar sehr viel mehr als die Gymnastik. Als vorteilhaft erwies es sich vor allem im Hinblick auf die Stabilität des Knochengerüsts. So kam es nur in dieser, nicht jedoch in der anderen Gruppe zu einem Anstieg der Knochendichte im Bereich der Lendenwirbelsäule. In der Hüftregion blieben die einschlägigen Messwerte bei den strammer trainierenden Probandinnen zudem auf demselben Niveau, während sie bei den Seniorinnen des Vergleichskollektivs zurückgingen. Darüber hinaus war das anspruchsvollere Sportprogramm in der Lage, die Gefahr von Stürzen zu vermindern. In der sportlich aktiveren Gruppe ereigneten sich insgesamt achtzig Stürze und sechs Knochenbrüche, in der Vergleichsgruppe entsprechend 119 und 12, also sehr viel mehr.

          Vergleich mit Gymnastik

          Wie die Ergebnisse der Seniorenstudie außerdem nahelegen, scheint das umfassende körperliche Training unter anderem arteriosklerotisch bedingten Gefäßleiden, etwa Herzinfarkt und Hirnschlag, vorzubeugen. Jedenfalls gelang es hiermit, mehrere die Arteriosklerose begünstigende Risikofaktoren - darunter Blutfette und Blutdruck - günstig zu beeinflussen: Unter anderem nahm der Gehalt des schädlichen Cholesterinanteils LDL ab und jener des "guten HDL" zu. Keiner dieser Effekte wurde demgegenüber in der Gymnastikgruppe beobachtet. Ferner war das intensive Bewegungstraining in der Lage, den Gefäßwiderstand nachhaltig zu senken. So fiel der obere (systolische) Blutdruckwert von 144 auf 134 Millimeter Quecksilber und der untere (diastolische) von 89 auf 78 Millimeter. Hier konnte die Gymnastik allerdings mithalten: Bei den Frauen der Vergleichsgruppe fielen die Blutdruckwerte fast ebenso stark wie im anderen Kollektiv. Somit scheint auch das sanftere Bewegungstraining geeignet, zumindest der Entstehung von hohem Blutdruck entgegenzuwirken.

          Trainingsformen im Test

          Was das Durchhaltevermögen der Seniorinnen anbelangt, blieben fast alle Teilnehmerinnen bis zum Schluss bei der Stange. Die Anwesenheitsrate lag zudem in beiden Gruppen bei 75 Prozent, war also, verglichen mit anderen Studien, durchaus zufriedenstellend. Den Wissenschaftlern zufolge deutet die geringe Zahl von Abbrechern in beiden Studiengruppen darauf hin, dass auch das intensivere Fitnessprogramm zumutbar ist und die Frauen nicht übermäßig belastet. Schmerzen, etwa im Bereich des Rückens oder auch der Gelenke, sollen in keinem Fall aufgetreten sein.

          In künftigen Studien gilt es nun zu prüfen, welche Art von Training betagten Menschen langfristig am meisten zugute kommt. Diese Frage ist insofern von Belang, als aufgrund des wachsenden Anteils betagter Menschen die Bedeutung von Altersleiden weiter zunimmt. Maßnahmen, die solche Gebrechen verhindern oder hinauszögern, verbessern nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sondern tragen außerdem zu einer finanziellen Entlastung des Gesundheitssystems bei.

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