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Seepferdchen : Die Traumtänzer der Meere

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Bargibant-Seepferdchen (Hippocampus bargibanti) werden üblicherweise kaum zwei Zentimeter groß. Dieses Exemplar ist schwanger. Bild: SPL

Seepferdchen sind die einzigen Tiere, bei denen sich auch die Männchen um die Brutpflege kümmern, indem sie schwanger werden. Antworten auf die 44 wichtigsten Fragen zu diesen kuriosen Meeresbewohnern.

          10 Min.

          1. Seepferdchen sehen oft aus, als wiegten sie sich im Meer. Tanzen sie?

          Ja, sogar sehr gerne. Gleich bei Sonnenaufgang kommen die bereits verbandelten „Hengste“ und „Stuten“ der Meere zusammen, schmiegen ihre Schnauzen aneinander, umkreisen sich leichtflossig. Jeden Morgen wiegen sich diese Paare wie im Takt einer Unterwassermusik hin und her, außerhalb und in der Paarungszeit. Ihr „Hochzeitstanz“, vor dem Geschlechtsakt, dauert bis zu neun Stunden – und wird alle paar Wochen wiederholt.

          2. Können Seepferdchen eigentlich hören?

          Nicht sonderlich gut. Umso er­staunlicher ist, dass die tropischen Langschnäuzigen Seepferdchen (Hippocampus reidi), deren Kommunikation besonders intensiv er­forscht wurde, drei verschiedene Laute nutzen: spezielle Klickgeräusche bei der Balz, ein lauteres Ge­klicke während der Jagd sowie Brummtöne, wenn sie gestresst sind.

          3. Sind diese Fische für uns medizinisch von Nutzen?

          Jahrhundertelang galt ein Pulver aus getrockneten Seepferdchen in Europa als Wundermittel gegen Haarausfall, Tollwut, Seitenstechen sowie mangelnde Libido. Die Traditionelle Chinesische Medizin vertraut bis heute auf angebliche Heilkräfte, etwa bei Nierenleiden oder Impotenz. Es gibt jedoch keinerlei Belege für eine medizinische Wirkung.

          4. Sind Seepferdchen die einzigen Tiere, bei denen die Männchen die Babys zur Welt bringen?

          Männliche Seenadeln, nah mit den Seepferdchen verwandt, tragen ihre Brut ebenfalls am Körper aus: Die befruchteten Eier kleben am Bauch oder liegen in einer Hautfalte. Aber nur Seepferdchen haben einen echten Brutbeutel. Sobald die Eier des Weibchens eingelagert und hier vom Sperma befruchtet sind, verschließt sich dieser, und die Väter versorgen die Embryonen mit Nährstoffen wie Omega-3-Fettsäuren und Kalzium.

          Manch langschnäuziges Meeresross trägt wie dieses hier Stacheln am Körper und wird mehr als 15 Zentimeter groß.
          Manch langschnäuziges Meeresross trägt wie dieses hier Stacheln am Körper und wird mehr als 15 Zentimeter groß. : Bild: ddp

          5. Können Seepferdchen ihre Farbe verändern, um etwa Erregung zu zeigen?

          Einige Arten können ihre Farbe zur Tarnung an die Umgebung anpassen wie ein Tintenfisch oder auch Chamäleon. Manche drücken so möglicherweise Emotionen aus, mutmaßen Forscher: Linienseepferdchen (Hippocampus erectus) erblassen, wenn man sie berührt.

          6. Sind alle Hippocampi gleich groß?

          Keinesfalls. Manche Arten werden kaum so groß wie ein menschlicher Daumennagel; die Dickbauchseepferdchen (Hippocampus abdominalis) vor den Küsten Australiens können jedoch mit einer Länge von bis zu 35 Zentimetern als riesenhaft gelten.

          7. Ihre Flossen sind winzig, bedeutet das höchstens Schneckentempo?

          Einige sind noch langsamer. Die Zwergseepferdchen (Hippocampus zosterae) aus der Karibik sind mit einer Spitzengeschwindigkeit von 1,5 Metern pro Stunde die langsamsten Fische der Welt. An Land kommen Weinbergschnecken etwa doppelt so schnell vorwärts.

          8. Und wie steht es um ihre Kondition?

          Für die Langstrecke wären sie als Schwimmer ungeeignet. Wann möglich klammern sich Hippocampi zum Ausruhen an Seegrashalmen oder Felsbrocken fest, dazu dient ihnen der biegsame Greifschwanz.

          9. Heute gibt es sie in fast allen Meeren: Wie gelang die Ausbreitung?

          Im Wasser treibende Algen, Müll oder Holzstücke können den Seepferdchen als Fähre dienen. Sie reisen damit Tausende Kilometer weit, wenn eine starke Strömung oder ein Sturm sie packt. Ein schwangeres Männchen genügt, um ein neues Gebiet zu erobern.

          10. Und wie halten sie es im Meer mit Monogamie?

          Viele Seepferdchen-Paare bleiben ihr Leben lang zusammen, in der Regel ohne Seitensprünge. Bei Hengst und Stute gleichen sich die jeweiligen Zyklen der Fortpflanzung an, die durch Geschlechtshormone gesteuert werden: Im Weibchen reifen die Eizellen so heran, dass sie genau dann zur Verfügung stehen, wenn das Männchen eine Schwangerschaft hinter sich gelassen hat und wieder bereit zur Paarung ist. Aber Gelegenheit verführt: In Aquarien ließ sich schon beobachten, dass ein Seepferdchen sich – bei entsprechendem Angebot – auch mit mehr als zehn Artgenossen an einem Tag einließ.

          11. Ist es von Vorteil, dass die Männchen schwanger werden?

          Diese Besonderheit ermöglicht es den Fischen vermutlich, mehr Nachkommen in die Welt zu setzen. Eizellen zu produzieren, das kostet die Weibchen schon genug Energie. Aber um eine Nährstoffblase oder die Brut müssen sie sich nicht mehr kümmern, da ihre Partner den Nachwuchs austragen.

          12. Wer auf der Welt kennt sich am besten mit den Seepferdchen aus?

          Als Pionierin gilt die kanadische Meeresbiologin Amanda Vincent. Als Erste analysierte sie das Sozial- und Sexualverhalten der Tiere unter Wasser und gründete 1996 mit Kolleginnen die Organisation Project Seahorse, auf Twitter: @AmandaVincent1.

          13. Wie groß ist so ein Stall voller Geschwister?

          Meist kommen mit einem Mal rund 100 bis 500 Jungfische zur Welt, bei manchen Arten bis zu 2000. Das ist nötig, denn es lauern im Meer viele Gefahren. Oft erreicht gerade mal eines von vielleicht 200 „Fohlen“ das Erwachsenenalter.

          Das gelbe Hippocampus kuda kann auch rosa gefärbt sein.
          Das gelbe Hippocampus kuda kann auch rosa gefärbt sein. : Bild: Mauritius

          14. Sind die Seepferdchen vom Aussterben bedroht?

          Nicht alle Arten. Fachleute schätzen aber, dass pro Jahr etwa 37 Millionen Seepferdchen dem Meer entrissen werden, vor allem durch die Schleppnetzfischerei. Eine andere Gefahr besteht durch die Verschmutzung und Zerstörung ufernaher Meeresgebiete. Um die Zukunft von 15 Arten sorgen sich Experten mehr und mehr.

          15. Und was hat Meeresgott Poseidon eigentlich mit den Seepferdchen zu tun?

          Poseidon reist in einer goldenen Kutsche durch das Meer, so besagt es die griechische Mythologie, um nach dem Rechten zu sehen. Dieses Gefährt wird von einem Gespann kräftiger Hippokampen gezogen: Fabelwesen oder Seeungeheuer (kampos), halb Fisch oder Schlange, halb Pferd (hippos), so kennt man sie beispielsweise von Darstellungen auf Münzen, und manchmal besitzen sie sogar Flügel.

          16. Wann zogen die ersten Seepferdchen durch die Ozeane?

          Wahrscheinlich schon vor rund 25 Millionen Jahren, als die eurasische Kontinentalplatte mit der von Australien und Neuguinea kollidierte, was zu erheblichen tektonischen Veränderungen führte – von deren Folgen vermutlich die Urahnen der heutigen Seepferdchen profitierten. Damals entstanden ausgedehnte Seegraswiesen, nach wie vor die bevorzugten Habitate vieler Seepferdchenarten.

          17. Ist womöglich ihr Biss zu fürchten?

          Nein, Seepferdchen sind zahnlos. Im 19. Jahrhundert warben Inserate in britischen Zeitungen für „seahorse teeth“, „Seepferdchen-Zähne“. Doch das lag wohl an schludrigen Textern, die Hippocampus (Seepferdchen) offensichtlich mit Hippopotamus (Flusspferd) verwechselt hatten. Deren hauerartige Eckzähne waren zu jener Zeit sehr begehrt, um daraus Zahnprothesen zu fertigen.

          18. Was macht sie zu erfolgreichen Raubtieren?

          Ihre Waffe ist die Pipettenschnauze. Damit agieren sie aus dem Hinterhalt und können Beute schneller einsaugen, als ein Mensch mit den Augen zwinkern kann. Jungtiere verschlingen bis zu 4000 Kleinstkrebse jeden Tag.

          19. Es existieren insgesamt 44 Arten, sicher?

          Diese Zahl ist nur mittelsicher. Mehr als 120 Arten haben Forscher über die Jahrhunderte wissenschaftlich beschrieben, viele Spezies wurden jedoch mehrfach „entdeckt“, wie Studien aufdeckten. Andere wurden vielleicht noch nie gesichtet, denn Seepferdchen sind sehr gut getarnt. Manche Forscher gehen von mindestens achtzig Arten aus. Die strenge Taxonomin Sara Lourie von der McGill University in Montreal dagegen, die sich intensiv mit der Kategorisierung von Seepferdchen befasst, erkennt nur 44 Spezies an.

          20. Können Seepferdchen als emanzipiert gelten?

          Schwierige Frage. Für ihre Brut machen die Männchen einen guten Job. Abgesehen davon taugen sie aber nur bedingt als Vorbild für eine neue, empfindsamere Form von Männlichkeit. Im Kampf um die Gunst der Weibchen schlagen sich manche Seehengste zum Beispiel die Köpfe ein. Und die Stuten sind zwar nicht bissig, aber auch nicht gerade progressiv: Sie konkurrieren passiv miteinander, wobei jede versucht, die andere zu übertrumpfen und als Erste ein Männchen anzulocken, indem sie ihre Balzaktivität sichtbar intensiviert.

          21. Gibt es in Europa Seepferdchen?

          Im Mittelmeer sowie in der Nord- und Ostsee werden bisher noch zwei Arten von Seepferdchen gesichtet: Das Kurzschnäuzige (Hippocampus hippocampus), das am Kopf kleine Hörner über den Augen trägt, und das europäische Langschnäuzige (H. guttulatus), dessen Hautlappen an Kopf und Rücken sich im Wasser wie eine Mähne aus Rosshaar bewegen.

          Hippocampus denisii misst nur ein wenig mehr als einen Zentimeter und lebt gerne zwischen Korallen, auf offensichtlichen Gründen.
          Hippocampus denisii misst nur ein wenig mehr als einen Zentimeter und lebt gerne zwischen Korallen, auf offensichtlichen Gründen. : Bild: SPL

          22. Kann der Dichter und Kabarettist Joachim Ringelnatz als der größte Seepferdchenfan aller Zeiten gelten?

          Zumindest war er ein ganz großer. Er widmete diesen Fischen eines seiner schönsten Gedichte und ließ sich von ihnen auch zu seinem Künstlernamen anregen, den der gebürtige Hans Gustav Bötticher von 1919 an führte: Als „Ringelnass“ oder „Ringelnatz“ bezeichneten Seeleute ebenjene Seepferdchen, die Glück bringen.

          23. Warum nehmen sie eine vertikale Haltung ein?

          Evolutionsbiologen gehen davon aus, dass die ersten Seepferdchen in Seegraswiesen lebten: Darin waren sie wohl schlechter als Beute zu erkennen, wenn der Körper nicht quer zu den Pflanzen stand.

          24. Ein wichtiges Areal im menschlichen Gehirn heißt Hippocampus. Der wissenschaftliche Name des Seepferdchens stand dafür Pate, wieso?

          Sowohl in der linken als auch rechten Hälfte des menschlichen Gehirns ist eine Struktur zu finden, deren Form einem Seepferdchen ähnelt, genannt Hippocampus. Und mit viel Phantasie lässt sich diese Analogie sogar weiterspinnen: Hier brüten Menschen Erinnerungen aus. Die Hippocampi sind wichtig für das Langzeitgedächtnis, ohne diese Strukturen könnten wir uns nichts Neues merken.

          25. Stimmt das Gerücht, dass Seepferdchen Mitte des 18. Jahrhunderts in Südeuropa zu Tabak verarbeitet wurden?

          Nein, aber vornehme Italienerinnen tranken ein Seepferdchen-Gebräu, wenn sie stillten, um die Qualität der Milch zu verbessern. Davon berichtete die britische Illustrierte Gentleman’s Magazine im Jahr 1753.

          26. Sind Seepferdchen auf Salzwasser angewiesen?

          Ja. Manche Arten halten sich zwar am liebsten in Mündungsgebieten von Flüssen auf, wo der Salzgehalt niedriger ist als im offenen Meer, aber in Seen oder Teichen gibt es keine Seepferdchen.

          27. Können Seepferdchen fliegen?

          Sie können es nicht und dürfen es nur in Ausnahmefällen, werden aber oft illegal massenhaft in ein Flugzeug verfrachtet. Bis zu 20 000 getrocknete Seepferdchen fand man bei einzelnen Kontrollen an Flughäfen, neun Euro pro Stück ist der Wert auf dem Schwarzmarkt. Sie machen fast ein Viertel der marinen Schmuggelwaren aus, die zwischen 2009 und 2017 im Luftverkehr beschlagnahmt wurden.

          28. Wann wurden die ersten Seepferdchen in einem Aquarium ausgestellt?

          Das war 1859 im „London Fish House“, dem ersten Großaquarium der Welt. Ein gewisser Herr Pinto aus Portugal hatte einige Exemplare aus dem Mündungsgebiet des Tejo von Lissabon aus wohlbehalten nach London transportiert – in einem Goldfischglas; sieben Tage dauerte die Zugreise. Sie erlangten schnell einen Kultstatus.

          29. Können die Fische gleichzeitig nach links und nach rechts gucken?

          Ja. Ihre Augen lassen sich, wie die von Chamäleons, unabhängig voneinander bewegen.

          30. Alle Sympathieträger müssen auch mal leiden, gibt es dafür ein Beispiel?

          Im Animationsfilm „Findet Nemo“ (und in „Findet Dorie“) muss das Seepferd Sheldon ständig niesen, es leidet unter einer H2O-Intoleranz.

          31. Und die harte Realität?

          Knysna-Seepferdchen ( Hippocampus capensis ) sind akut vom Aussterben bedroht. Sie können weiß, gelb, orange, grün oder schwarz gefärbt sein und etwa zwölf Zentimeter lang. Sie kommen nur zwischen Kapstadt und Port Elizabeth vor, auf kaum fünfzig Quadratkilometern vor der südafrikanischen Küste. In dieser Touristenregion zerstören mehr und mehr Motorboote das Seegras, wo sich die Knysna gerne verstecken. Vor zehn Jahren wurden sie als erste Seepferdchen-Spezies von der Weltnaturschutzunion als „bedrohte Art“ eingestuft.

          32. Lassen sich Seepferdchen im Aquarium halten?

          Seepferdchen sind wählerische Esser und anfälliger für Krankheiten als viele andere Fische. Einzeln sollte man sie nicht halten. Für ein Pärchen ist ein rund 200 Liter fassendes Becken nötig, und neben einem leistungsstarken Eiweißabschäumer sind Steine oder Korallen als Rastplätze zu besorgen sowie hochwertiges Futter, insbesondere Schwebegarnelen. Etwa drei Stunden pro Woche muss ein gewissenhafter Halter zum Füttern und Putzen aufbringen.

          33. Wer hat Seepferdchen erstmals wissenschaftlich beschrieben?

          Diese Ehre hatte der schwedische Naturforscher Carl von Linné, der im 18. Jahrhundert das Fundament für die Artenbestimmung und Nomenklatur legte: Neben unzähligen anderen erfasste er 1758 die Art Syngnathus hippocampus, Europas Kurzschnäuziges Seepferdchen, nun Hippocampus hippocampus genannt.

          Langschnäuzige Seepferdchen (Hippocampus guttulatus) leben auch im Mittelmeer, etwa vor der Küste Kataloniens.
          Langschnäuzige Seepferdchen (Hippocampus guttulatus) leben auch im Mittelmeer, etwa vor der Küste Kataloniens. : Bild: Blickwinkel

          34. Wirken sie entspannend?

          In japanischen Zügen wurden um das Jahr 2000 Dutzende Kissen getestet. Dabei kam eines in Seepferdchenform am besten bei den Pendlern an, darauf erholten sie sich gut. Man stelle sich also Erwachsene vor, wie sie in aller Öffentlichkeit damit kuscheln. In Japan ist das wohl peinlich, die Bahn sah damals von einer Bestellung ab.

          35. Stimmt es, dass die Aborigines in Australien das Seepferdchen als eine mythische Figur verehren?

          Im alten Schöpfungsmythos der Aborigines spielt ein Wesen, das sie in ihren Geschichten oft als die „Regenbogenschlange“ bezeichnen, eine zentrale Rolle. Manche Forscher hegen jedoch Zweifel, dass es sich dabei um eine Schlange im biologischen Sinne handelt: In Abbildungen sähe dieser Ahnengeist nicht wie ein Kriechtier aus. Mit dem gekrümmten, segmentierten Körper, der röhrenförmigen Schnauze samt abgewinkeltem Kopf erinnere das Wesen eher an ein Seepferdchen. Und in einigen Höhlenmalereien ist die „Regenbogenschlange“ zudem mit einer Wölbung am Bauch dargestellt, was vielleicht einem schwangeren Männchen entspricht.

          36. Könnten Seepferdchen die Meere vor dem Kollaps retten?

          Manche halten das für möglich, im übertragenen Sinne. Meeresschutzorganisationen wie Project Seahorse setzen darauf: Als Maskottchen und Glücksbringer sollen sie die Menschheit zur Besinnung bringen und dabei helfen, die Umweltzerstörung zu stoppen.

          37. Und warum haben Greenpeace-Aktivisten Seepferdchen in der Nordsee versenkt?

          Das war 2011 bei der Klaverbank, einer Sandbank etwa 160 Kilometer vor der niederländischen Küste. Dort wurden mannshohe hölzerne Seepferdchen-Skulpturen mit einer Verankerung aus Stein mit einem Spezialkran auf den Meeresgrund hinabgelassen: als Hindernisse für die Schleppnetzfischerei in dieser für die Artenvielfalt wichtigen Meeresregion.

          38. Wieso eröffneten in Australien sogar Hotels für Seepferdchen?

          Wenn die natürlichen Habitate, wie Seegraswiesen und Korallenriffe, seltener werden, könnte er doch selbst welche anlegen, dachte sich der australische Meeresbiologe David Harasti: eine Art Hotel für Seepferdchen. Auf seinen Tauchgängen hatte er an ausrangierten Hummerfallen oft Gruppen dieser Fische gesichtet. Nach dem Modell einer solchen Falle baute Harasti also eine drei mal drei Meter große Kiste aus Stahlrohr und Draht. Als er im Frühling 2018 seine ersten Hotels in der Hafengegend von Sydney herrichtete, war die Zielgruppe zunächst skeptisch. Doch bis zum Jahresende checkten 65 Seepferdchen ein und hielten sich an den Kisten fest. Besonders erfreulich: Bald wurden Männchen auch trächtig. Auch in den Küstengewässern vor Griechenland, Portugal, Indonesien, den Philippinen und den Vereinigten Staaten wird nun mit Hippocampi-Hotels experimentiert.

          39. Warum haben diese Fische eine Krone?

          Die ist wohl kein Schmuck, sondern ein Instrument zur Kommunikation: Bei bestimmten Kopfbewegungen scheuert ein Schädelknochen an der verknöcherten Krone und erzeugt so klickende Geräusche.

          40. In Südostasien soll es Seepferdchen-Umzüge geben?

          Man könnte es so nennen: wenn die Aktivisten der Organisation SOS Malaysia im Mündungsgebiet des Flusses Pulai, nördlich von Singapur, Seepferdchen mit Keschern aus dem Wasser fischen. Dort, wo der Containerhafen ausgebaut wird. Sie verfrachten die Tiere dann in eine ruhigere Bucht.

          41. Wie gelingt der Schutz dieser Meeresbewohner?

          Hilfreich wäre, das für die Rezepte der Traditionellen Chinesischen Medizin erforderliche Pulver aus Seepferdchen vielleicht durch Zimt oder Ingwer zu ersetzen. In erster Linie fordern Fachleute jedoch, die Schleppnetzfischerei radikal einzuschränken und die Küstengewässer, in denen die meisten dieser Fische leben, besser vor Verschmutzung und Zerstörung zu schützen.

          42. Könnten Ältere dank der Hippocampi bald auf den Rollator verzichten?

          Denkbar ist es. Erfinder aus Tokio haben nach dem Modell ihres Greifschwanzes eine Prothese aus Kunststoff entwickelt, die man sich um die Hüfte schnallen kann. So lässt sich das Gleichgewicht von Senioren beim Gehen verbessern – das wäre eine Alternative zum Rollator.

          43. Welches ist das bizarrste Seepferdchen?

          Die Paradoxen Seepferdchen (Hippocampus paradoxus) gehören bestimmt in die engere Wahl: Ihr Kopf ist knollenförmig, der Bauch flach. Zudem wachsen ihnen an Rumpf und Schwanz fleischige Hautlappen und spitze Fortsätze. Wie sich diese Seepferdchen fortbewegen, ist völlig unklar – ihnen fehlt die Rückenflosse, die bei anderen Seepferdchen für den Antrieb beim Schwimmen sorgt.

          44. Seepferdchen findet jeder faszinierend, oder?

          Zumindest fast jeder. Der berühmte Zoologe und Zoodirektor Alfred Brehm, Verfasser des Nachschlagewerks „Brehms Tierleben“, erlag nicht dem Zauber dieser Meereslebewesen und schrieb im 19. Jahrhundert nieder, er halte sie für langweilige und geistlose Geschöpfe.

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