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Schwitzen : Von der Stirne heiß

  • -Aktualisiert am

Hier wird freiwilig geschwitzt: Finnische Sauna Bild: dpa

Schweiß kühlt, wenn er verdunstet, macht die oberste Hautschicht geschmeidiger und erzeugt dort außerdem verschiedene chemische Milieus. Aber nicht nur Hitze bringt ihn zum Fließen, und besonders störend ist, wenn er sich nicht mehr abstellen lässt.

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          Der Deutsche Sauna-Bund hatte es kommen sehen: Als der Hochsommer vergangene Woche über Deutschland hereinbrach, waren unpassende Vergleiche mit den Zuständen in finnischen Heißluftkabinen wieder an der Tagesordnung. Doch mit dem gesunden Klima eines Saunaraumes sei die schwüle Witterung "gar nicht zu vergleichen", verteidigte der Interessenverband der Schwitzfreunde seine Botschaft. Wer das dringende Bedürfnis nach Frische verspüre, sei im Gegenteil bestens beraten, seine Schweißproduktion noch zusätzlich anzukurbeln. "Das körpereigene Kühlungssystem funktioniert umso effektiver, je besser es in Übung ist", ließ der Geschäftsführer Rolf-Andreas Pieper in einer Pressemitteilung wissen und empfahl gerade jetzt einen Saunabesuch, auch wenn das Außenthermometer bereits Temperaturen weit oberhalb von dreißig Grad Celsius anzeigte.

          Gut ein Drittel aller Deutschen, so will der Sauna-Bund herausgefunden haben, genießt mehr oder weniger regelmäßig die Freuden des freiwilligen Schwitzens. Es gibt allerdings Menschen, die davon nur träumen können. Ihnen ist entweder die Fähigkeit zur Transpiration abhandengekommen, oder sie schwitzen im Übermaß. In beiden Fällen läuft das Kühlsystem des Körpers aus dem Ruder. Was dabei im Einzelnen schiefgeht, ist nur zum Teil bekannt - der Vorgang des Schwitzens ist noch längst nicht so gut erforscht wie andere physiologische Mechanismen.

          Hitzemelder

          Selbst die geringste körperliche Anstrengung während der heißen Jahreszeit ist nahezu undenkbar für Menschen, die nicht richtig schwitzen können. "Sport im Sommer war schon in der Schule die Hölle für mich. Ich hatte das Gefühl zu platzen", berichtet beispielsweise der 39 jährige Walter in einem Internetforum, das sich mit dem Morbus Fabry beschäftigt. Bei dieser seltenen Erbkrankheit ist der Fettstoffwechsel gestört. Aufgrund eines Enzymdefektes sammeln sich Lipide in den Blutgefäßen und in anderen Geweben an. Betroffen sind auch die Schweißdrüsen, die ihren Dienst einstellen. Die Symptome treten zwar schon in der Kindheit auf, werden in vielen Fällen aber erst spät korrekt gedeutet.

          Häufiger als bei dieser angeborenen Störung ist vermindertes Schwitzen allerdings die Folge einer nachträglich erworbenen Fehlinterpretation von Hitzereizen durch das Nervensystem. Auslöser können Medikamente sein, die gegen Parkinson, Schmerzen, Schwindelattacken oder Depressionen verabreicht werden. Aber auch im Alter lässt die Schwitzfreudigkeit allgemein nach.

          "Normalerweise reagiert das Gehirn, wenn es im Körperinneren zu heiß wird, von ganz allein mit dem Befehl: Achtung, schwitzen!", sagt Stefan Biel, Molekularbiologe und Schweißforscher bei der Beiersdorf AG in Hamburg. Dieses Kommando erreicht über ein feines Nervengeflecht im Nu die zwei bis fünf Millionen Schweißdrüsen, die auf der gesamten Körperhaut mit wenigen Ausnahmen wie Lippen oder Gehörgang zu finden sind. Alle diese Drüsen sind bereits zum Zeitpunkt der Geburt angelegt. Die Anzahl schwankt von Mensch zu Mensch, wobei sich die meisten im Bereich von Handflächen und Fußsohlen finden, die wenigsten im Rückenbereich.

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