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Schutz vor Übergewicht : Den Speck mit braunem Fett verheizen

  • -Aktualisiert am

Schwere Last: in Deutschland sind rund 24 Prozent der Frauen adipös. Bild: dpa

Es klingt paradox: Wer dick ist, hat weniger braunes Fett. Das Gewebe scheint gegen Übergewicht zu helfen. Jetzt werden erste Mittel getestet, mit denen man die hilfreichen Zellen aktivieren will.

          6 Min.

          Fett ist nicht gleich Fett: Während das eine überschüssige Nahrungskalorien in den Speckrollen speichert, besitzt das andere die gegenteilige Wirkung - es verbrennt Fett und erzeugt dabei Wärme. Die Unterschiede im Stoffwechsel spiegeln sich auch im äußeren Erscheinungsbild. So verleiht der hohe Fettgehalt dem energiespeichernden Gewebetypus eine weiße Farbe und der Reichtum an Zellkraftwerken, den Mitochondrien, dem energieverpuffenden Typus eine braune Tönung.

          Eine wichtige Rolle spielt braunes Fett am Lebensanfang. Neugeborenen dient es als Heizorgan, da die Muskeln kleiner Kinder noch nicht in der Lage sind, mit Kältezittern einer Auskühlung entgegenzuwirken. Sobald sie diese Fähigkeit erlangen, verliert das wärmeerzeugende Gewebe an Bedeutung. Anders als lange Zeit angenommen, geht es daraufhin allerdings nicht weitgehend zugrunde. Vielmehr verfügen auch Erwachsene noch über teilweise erhebliche Mengen an braunem Fett.

          Das Fett, das vor Übergewicht schützt

          Entdeckt wurden die Heizkissen, die sich insbesondere im Bereich des Oberkörpers befinden, eher zufällig: So stießen Radiologen im Brustraum von Tumorpatienten auf tomografische Signale, die von stoffwechselaktivem Gewebe ausgingen. Was sie anfangs für entartetes Gewebe hielten, entpuppte sich schließlich als braunes Fett. Da dieses die Tumordiagnostik beeinträchtigte, wurden die Patienten in der Folge in warmen Umgebungstemperaturen untersucht. Daraufhin verschwanden die störenden Signale von der Bildfläche und gaben ihre Identität somit preis.

          Nicht alle Menschen sind allerdings gleichermaßen mit braunem Fett bestückt. Wie aus mehreren Untersuchungen hervorgeht, besitzen korpulente Personen meist kleinere Depots des Heizgewebes als Schlanke. Auch laufen die darin enthaltenen Fettzellen, die Adipozyten, bei Übergewichtigen offenbar auf niedrigeren Touren. Diese und andere Beobachtungen legen den Gedanken nahe, dass braunes Fett vor Übergewicht schützt und, gezielt stimuliert, einer Adipositas entgegenwirken könnte. Ob diese Hoffnung jemals in Erfüllung geht, ist zum jetzigen Zeitpunkt zwar noch ungewiss. Dennoch läuft die Suche nach Verfahren, die das Potential besitzen, die kalorienverbrauchenden Zellen zu vermehren und deren Leistungsfähigkeit zu verbessern, derzeit auf Hochtouren.

          Das regulatorische Speck-Gen

          Auf eine heiße Spur sind dabei kürzlich europäische, kanadische und amerikanische Wissenschaftler um Melina Claussnitzer von der Harvard University in Boston gestoßen. Ausgehend von Forschungsaktivitäten am Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der Technischen Universität in München war Claussnitzer der Frage nachgegangen, weshalb eine in Europa verbreitete Genvariante mit einem deutlich erhöhten Risiko für Übergewicht einhergeht. Bei dem betreffenden Gen handelt es sich um eine FTO abgekürzte Erbanlage, die in vielen Spielarten auftritt und regulatorische Aufgaben innehat. Wie die Forscher herausfanden, nötigt die übergewichtassoziierte Genvariante junge Adipozyten dazu, sich zu fettspeichernden weißen Zellen zu entwickeln.

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