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Schlangen auf hoher See : Wolkenbrüche als Durstlöscher

  • -Aktualisiert am

Die Plättchen-Seeschlange (Pelamis platurus) ist eine der giftigsten ihrer Art. Bild: Tobias Hauser/LAIF

Auch im offenen Meer gibt es Seeschlangen. Ihr Leben dort wirft nach wie vor einige Fragen auf. Zumindest eine Sache scheint nun aber geklärt.

          Wenn Landbewohner zu Meeresbewohnern werden, müssen sie ihren Wasserhaushalt neu justieren. Was an Flüssigkeit über die Atemluft und die Nieren verlorengeht, lässt sich nicht mehr so einfach durch Trinken ersetzen. Meeresschildkröten haben die Gefahr zu verdursten dadurch gebannt, dass sie überschüssiges Salz über ihre Tränendrüsen ausscheiden. Besonders gut entwickelte Drüsen benötigt die Lederschildkröte. Denn sie verspeist bevorzugt Quallen und ähnliches Getier, das ebenso salzig ist wie das Wasser, in dem die Meeresbewohner schwimmen. Da solche Kost nur wenig Nährstoffe liefert, muss die Lederschildkröte entsprechend viel davon fressen, um satt zu werden. Seeschlangen erbeuten dagegen Nahrhafteres, hauptsächlich Fische. Doch obwohl unter ihrer Zunge eine Drüse sitzt, die Salz ausscheidet, sind diese Reptilien auf Süßwasser angewiesen. Wenn sie im Meer fern von Flussmündungen leben, finden sie Trinkwasser nur in Form von Regenwasser. Und zwar dort, wo so heftige Schauer niedergehen, dass sich an der Meeresoberfläche zeitweilig Süßwasser sammelt.

          Dass auch die einzige Schlange, die sich weit draußen auf hoher See tummelt, solch temporäre Wasserstellen nutzt, haben kürzlich Wissenschaftler um Harvey B. Lillywhite und Coleman M. Sheehy von der University of Florida in Gainesville herausgefunden. Während eines Forschungsaufenthalts in Costa Rica suchten die Wissenschaftler ein paar Kilometer vor der Pazifikküste nach der knapp einen Meter langen Plättchen-Seeschlange (Hydrophis platurus) und holten sie mit einem Käscher an Bord. Ins Labor verfrachtet, nutzten fast alle Schlangen, die vor dem Ende der Trockenzeit gefangen wurden, die Chance, nach Belieben zu trinken. Wie Lillywhite und seine Kollegen in der Online-Zeitschrift „Plos One“ berichten, sank mit Beginn der Regenzeit der Anteil der Tiere, die sich an Süßwasser gütlich taten. Nach ein paar Tagen hatten die meisten Plättchen-Seeschlangen ihren Durst anscheinend schon während eines Regenschauers stillen können.

          Monatelange Durststrecken

          Diese Seeschlangen trinken ohnehin nur, wenn sie deutlich dehydriert sind. Manche erst dann, wenn sie schon ein Viertel ihres Körpergewichts verloren haben. Damit ist es für sie nicht schwierig, auch in den Tropen eine Trockenzeit von fünf bis sechs Monaten zu überstehen. Dass Plättchen-Seeschlangen so lange ohne Süßwasser auskommen können, erlaubt ihnen, Meeresregionen vom südlichen Afrika über den Indischen und Pazifischen Ozean bis nach Mittelamerika zu bevölkern. In diesem Verbreitungsgebiet, das mehr als zwei Drittel des Globus umspannt, ist mindestens eine lokale Variante der Seeschlange entstanden. Brooke L. Bessesen vom Phoenix Zoo in Arizona und Gary J. Galbreath von der Northwestern University in Evanston (Illinois) haben im Golfo Dulce an der Pazifikküste von Costa Rica eine Population von leuchtend gelben Plättchen-Seeschlangen ausgemacht.

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