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Rudertechnik : Geschmeidig zum Sieg

  • -Aktualisiert am

Perfekt synchron geht der Deutschland-Achter ins Rennen. Theoretisch ginge es auch anders. Bild: Imago

Ein schneller Achter braucht weitaus mehr als nur ein gutes Boot. Auf das Zusammenspiel der Ruderer kommt es an.

          Mit einer Länge Vorsprung hat der Deutschland-Achter gerade bei der traditionellen Henley Royal Regatta gegen Gastgeber Großbritannien gesiegt. An diesem Wochenende kann sich das deutsche Team nun beim Weltcup in Luzern beweisen. Wenn die Leistungssportler elegant und in Perfektion übers Wasser gleiten, vergisst man als Zuschauer schnell, wie schwer es schon ist, allein ein wackeliges Ruderboot über einen See zu steuern. Obwohl bei den Profis bis zu neun Menschen in einem Boot sitzen, scheint doch nur ein Körper zu rudern, so synchron sind ihre Bewegungen.

          Diese Harmonie spielt neben Ausdauer, Material und Technik eine große Rolle für den Sieg. „Im Mannschaftsboot ist es wichtig, sich einem Mannschaftsrhythmus unterzuordnen“, sagt Stefan Mühl, der sich am Institut für Natursport und Ökologie an der Deutschen Sporthochschule in Köln vor allem dem Wanderrudern widmet. Mit speziellen Übungen lasse sich die Synchronizität trainieren, denn für ein Mannschaftsboot sei der gemeinsame Bewegungsablauf entscheidend. Im Einer wiederum lassen sich Technik und Gleichgewichtssinn schulen und die individuellen Leistungen besser vergleichen.

          Gemeinsam zum Flow

          Ein gemeinsames Ziel haben natürlich auch die rund 25.000 Ruderer, die sich regelmäßig in ihrer Freizeit zu mehrtägigen Touren aufmachen. Oft zu viert im Boot, brechen sie in größeren Gruppen auf. Bei ihnen spielen vor allem soziale und naturbezogene Motive eine Rolle, hat Mühl in seiner Doktorarbeit über die Wanderruderer herausgefunden. In Gesellschaft neue Gewässer erkunden, das ist für sie ein Gewinn. Auch Freizeitsportler können einen sogenannten Flow erleben, wenn alles wie von selbst läuft: „Das Boot gleitet durch das gemeinsame Setzen und Beschleunigen der Ruderblätter und das gemeinsame Nach-vorn-Rollen auf dem Rollsitz. Das erzeugt ein positives Gefühl, vorausgesetzt die Technik erlaubt das“, beschreibt es Mühl. „Der Rhythmus ist wichtig, und der muss im Leistungssport richtig gut gelingen.“

          Die Frage, wie Mannschaften zum Erfolg rudern, beschäftigt Sportler und Wissenschaftler, seit sich Ruderer im Wettkampf messen. Die ersten Regatten fanden Ende des 18. Jahrhunderts in England statt. Seit 1829 treten die englischen Elite-Universitäten Cambridge und Oxford gegeneinander an; in diesem Jahr konnten die Männer aus Oxford das „Boat Race“ auf der Themse für sich entscheiden, während bei den Frauen das Team aus Cambridge gewann, immerhin zum 42. Mal, nachdem sie 1927 zum ersten Mal untereinander konkurriert hatten. Zuvor war das Rudern über Jahrzehnte Männern vorbehalten geblieben.

          Auch in Deutschland. Englische Kaufleute hatten den Sport und ein Boot nach Hamburg gebracht, wo sie 1830 den „English Rowing Club“ gründeten. Mit der Aussicht auf gemeinsame Ausflüge und Wettfahrten auf der Alster gründeten zehn Hamburger dann sechs Jahre später den „Hamburger Ruder Club“, exklusiv für Männer der Oberschicht. In einigen später gegründeten Vereinen waren Frauen zwar zugelassen, allerdings nur zum Stilrudern, bei dem ästhetische Bewegungen erwünscht waren. Erst 1976 starteten Frauen bei den Olympischen Spielen, sie mussten auf Regatten lange warten.

          Schmierige Tricks

          Seit den Anfängen hat sich beim Material inzwischen viel getan. So war das aus England importierte Boot des Hamburger Ruderclubs noch ein breites Holzboot für acht Ruderer mit festen Dollen, in welche die Riemen gelegt wurden. Die Sitzbänke waren versetzt angeordnet, das Gewicht lag bei ungefähr 440 Kilogramm. Der jetzt beim Weltcup in Luzern startende „Deutschland-Achter“ wiegt dagegen nur noch 96 Kilogramm. Rennboote bestehen heute aus Kunst- und Kohlenstoffen.

          Den Weg zu leichteren, schmaleren und schnelleren Booten ebneten auch die Konstrukteure, die von 1830 an die Dollen auf einen Ausleger verlagerten und sie später beweglich gestalteten. Sie führten einen beweglichen Sitz ein, auf dem man erst glitt und später rollte. Dadurch konnten Ruderer auf eigenwillige Tricks verzichten: Sie mussten die Ruderbank nicht mehr mit Fett einschmieren und in Schaffellhosen schlüpfen, um rutschend den Oberkörperschwung zu verlängern.

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