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Reise in die Urzeit : Als die Veganer auf dem Vormarsch waren

  • -Aktualisiert am

Rund drei Meter lang war der Pflanzenfresser Edaphosaurus, der vor 300 Millionen Jahren die Wälder des heutigen Europas durchstreifte. Bild: Interfoto

Vor 300 Millionen Jahren eroberten die Pflanzenfresser das Festland. Dabei veränderten sie auch die Flora. Wie sehr, das verraten fossile Fraßspuren.

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          Mit ihren hungrigen Mäulern gestalten Pflanzenfresser die Flora ganzer Ökosysteme. Ein Paradebeispiel dafür sind Afrikas Savannen mit ihrem reichen Sortiment an Huftieren, darunter so spektakuläre wie Elefanten, Nashörner und Giraffen. Doch schon lange bevor ihresgleichen unterwegs war, hatte die Fauna einen prägenden Einfluss auf das Artenspektrum der Pflanzen. Wahrscheinlich haben sogar schon die allerersten Vierfüßer, die sich auf pflanzliche Kost spezialisierten, ihren Lebensraum dramatisch verändert. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler um Neil Brocklehurst von der University of Oxford und Christian F. Kammerer vom North Carolina Museum of Natural Sciences in Raleigh gekommen, als sie anhand paläontologischer Fachliteratur das Tier- und Pflanzeninventar in aufschlussreichen Gesteinsschichten global unter die Lupe nahmen. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf 360 bis 250 Millionen Jahre alte Fossilien der Erdzeitalter Karbon und Perm.

          Bereits vor etwa 440 Millionen Jahren hatten sich aufwärtsstrebende Landpflanzen mit steif in die Höhe ragenden Stengeln entwickelt. Vor rund 390 Millionen Jahren etablierten sich dann mancherorts regelrechte Wälder: Unter baumhohen Gewächsen mit stattlichen Stämmen gedieh eine üppige Strauch- und Krautschicht. Ein Paradies für Pflanzen, denn Pflanzenfresser gab es zu dieser Zeit noch nicht. Landbewohner aus dem Reich der Tiere verspeisten damals entweder abgestorbene, durch Bakterien und Pilze teils schon zersetzte Pflanzenteile, oder sie machten Jagd auf Spezialisten fürs Recycling, zu denen heutzutage beispielsweise Asseln und Tausendfüßler zählen.

          Unerreichte Formenvielfalt an Landpflanzen

          Die ersten Tiere, die sich dann auch über lebende Pflanzen hermachten, zapften zunächst nur deren Leitungsbahnen an, wie Blattwanzen und Zikaden. Oder sie entwendeten die nährstoffreichen Sporen aus den Sporenkapseln. An Pflanzenteile wie Blätter und Wurzeln, die viel Zellulose und andere schwerverdauliche Pflanzenstoffe enthalten, wagten sich Pflanzenfresser erst im späten Karbon. Dabei bot dieses Erdzeitalter auch vorher schon pflanzliche Kost im Überfluss. Schließlich lieferten seine legendären Sumpfwälder mit viel organisch gebundenem Kohlendioxid ein Rohmaterial, aus dem später die Steinkohle entstanden ist.

          Der Pflanzenfresser Diasparactus zenos war wenige Meter lang und  lebte am Ende des Karbon und während des frühen Perm auf dem Superkontinent Laurussia.
          Der Pflanzenfresser Diasparactus zenos war wenige Meter lang und lebte am Ende des Karbon und während des frühen Perm auf dem Superkontinent Laurussia. : Bild: Dmitry Bogdanov

          Gegen Ende des Karbons wurden Landpflanzen auch von Wirbeltieren als Nahrungsquelle erschlossen. Wann genau das erfolgte, ist noch immer umstritten. Schon vor etwa 320 Millionen Jahren war ein kleiner Vierfüßler mit einem Gebiss ausgestattet, das zum Zerkleinern von Blättern getaugt hätte. Vielleicht diente es aber bloß dazu, das harte Exoskelett von Insekten oder Tausendfüßlern zu knacken. Ein größeres, bereits reptilienähnliches Tier namens Desmatodon kommt gegen Ende des Karbons vor rund 300 Millionen Jahren schon eindeutiger als Spezialist für pflanzliche Kost in Frage: Seine kräftigen, mit Höckern bestückten Zähne scheinen wie geschaffen, um Grünzeug zu zerbeißen.

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