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Raffinierte Fluchtstrategie : Ein Gecko fährt aus der Haut

Fischschuppengecko: Geckolepis megalepis Bild: Mark D. Scherz

Manche Echsen verlieren bei Gefahr ihren Schwanz. Eine seltene Geckoart hat eine noch ungewöhnlichere Überlebensstrategie entwickelt: Das Reptil lässt buchstäblich die Hüllen fallen.

          Eidechsen verlieren in der Schrecksekunde, wenn sie gepackt werden, ihren Schwanz, Seegurken schleudern Angreifern ihr Inneres entgegen, um nicht gefressen zu werden. Doch was eine Geckoart zu Wege bringt, sobald sie in Bedrängnis gerät, überraschte selbst hartgesottene Biologen. Geckolepis megalepis, so der Name des Fischschuppengeckos, der ausschließlich auf Madagaskar und den Komoren vorkommt, streift blitzschnell seine komplette Haut samt der Schuppen ab, um seinem Fressfeind zu entkommen. Der entblößte Gecko entwischt, während der Angreifer zurückbleibt mit einem Maul voller Schuppen. Das berichtet eine Gruppe deutscher und amerikanischer Herpetologen um Frank Glaw und Mark Scherz von der Zoologischen Staatssammlung München in der Zeitschrift  „PeerJ“, die Geckolepis megalepis in freier Wildbahn beobachtet und beschrieben haben.

          Der „nackte“ Fischschuppengecko. Bilderstrecke
          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die im Ankarana-Reservat im Nordwesten Madagaskars aufgespürten Fischschuppengeckos haben die größten Schuppen, die man bei Geckos bislang gefunden hat. Dass sich die Haut so leicht vom Körper lösen kann, liegt daran, dass die Hautschuppen nur an einigen Stellen am Körper anhaften. Frühere Studien haben gezeigt, dass sich in der unteren Hautschicht Strukturen befinden, die sich zusammenziehen können, was es den Geckos erlaubt, ihre Haut bei Berührung abzuwerfen. Diese Schreckhäutung ermöglicht es, Fressfeinden im letzten Moment zu entkommen. Sie funktioniert ganz anders als die normale Häutung bei Reptilien, die nur die abgestorbene, oberste Hautschicht betrifft.

          Geckos im Computertomografen

          Die besondere Eigenheit von Geckolepis hat des den Forschern schwer gemacht, überhaupt einige Tiere lebend zu erwischen. Man musste die Reptilien fangen, ohne sie zu berühren. Früher hatten Biologen mit Wattebäuschen versucht, solche Fischschuppengeckos zu fangen. Doch selbst beim Kontakt mit weicher Watte häuten sich die Tiere. Deshalb griffen Scherz und seine Kollegen zu einem Trick, um einige Geckos zu fangen. Sie lockten sie in Plastiktüten.

          Die genaue Bestimmung von Geckolepis megalepis war allerdings schwierig, weil sich viele Fischschuppengeckos recht ähnlich sehen. Man kennt etwa dreizehn Arten, aber nur vier sind bislang wissenschaftlich beschrieben worden. Scherz und seine Kollegen suchten nach unverwechselbaren Merkmalen wie Größe, Struktur und Anordnung der Schuppen. Da die Tiere sich aber ständig gehäutet hätten, sei es für die Forscher aber kaum möglich gewesen, die Geckos allein anhand ihres Schuppenmusters eindeutig zu charakterisieren. Man durchleuchtete die Tiere schließlich im Computertomographen, um sie anhand ihres Körperbaus und ihres Schädels zu identifizieren.

          Beeindruckend bei Fischschuppengeckos ist neben der Größe der Schuppen auch die Geschwindigkeit, mit der diese nachwachsen: Es dauert nur wenige Wochen, bis der Körper wieder komplett bedeckt ist – und es bleiben keine Narben zurück, obwohl zusammen mit den Schuppen auch ein Teil der Haut abreißt. Wie es den Tieren gelingt, sich so schnell zu regenerieren, ist noch nicht bekannt.

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