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Psychologie : Vom Nutzen der Gesten

  • -Aktualisiert am

Frank-Walter Steinmeier während einer Sondersitzung des Bundestages Bild: ddp

Der gute Redner vermeidet fahrige Gesten, aber nicht jedes Gestikulieren ist sinnlos. Im Gegenteil, sagt die Forschung heute, Gesten helfen der Gedächtnisbildung und fördern das Lernen.

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          Auf Personen zeigt man nicht, und wer viel gestikuliert, kann sich nicht richtig ausdrücken, ist fahrig und nervös. Solche Äußerungen zeigen, dass das Gestikulieren in unserer Kultur kein gutes Image hat. Neue Studien beweisen aber, dass es für uns durchaus von Vorteil sein kann, beim Sprechen die Hände buchstäblich mitlaufen zu lassen. „Wir haben gezeigt, dass das gleichzeitige Reden und Gestikulieren einfacher ist, als nur zu reden, ohne zu gestikulieren“, sagt die Psychologin Susan Wagner Cook von der University of Iowa. Es ist ein seltener Fall, wo es tatsächlich einfacher ist, zwei Dinge zu tun statt nur eins.

          Im „Journal of Memory and Language“ berichtet Wagner über Studenten, die Mathematikaufgaben lösen und diese dann beschreiben sollten, während sie sich gleichzeitig eine Buchstabenfolge merken sollten. Wenn die Teilnehmer bei der Erklärung der Aufgabe gestikulierten, konnten sie sich deutlich mehr richtige Buchstaben merken, als wenn sie ihre Hände still hielten. Durch das Gestikulieren schienen sie mehr „Speicherplatz“ zur Verfügung zu haben, den sie verwenden konnten, um sich die Buchstaben zu merken.

          Embleme und Beats

          Wie sehen denn aber diese Gesten aus? Für Forscher ist Geste nicht gleich Geste. Als Erstes denkt man an die Gesten, die sich von Kultur zu Kultur unterscheiden. Zum Beispiel machen wir eine Faust mit nach oben zeigendem Daumen, um per Anhalter zu fahren – was in vielen Ländern übrigens als Beleidigung gilt. Solche als „Embleme“ bezeichneten Gesten können jeweils anstelle von Wörtern benutzt werden. Sie haben eine festgelegte Form, so der Linguist David McNeill, emeritierter Professor an der University of Chicago: „Das amerikanische Okay-Zeichen formt man so, dass sich die Fingerspitzen des Zeigefingers und des Daumens berühren. Die anderen Finger sind mehr oder weniger ausgestreckt. Sobald man es mit Daumen und Mittelfinger macht, ist es nicht mehr das Okay-Zeichen.

          Gregor Gysi waehrend der selben Sondersitzung des Bundestages.
          Gregor Gysi waehrend der selben Sondersitzung des Bundestages. : Bild: ddp

          Ganz anders sind allerdings Gesten, die spontan während des Redens gemacht werden und keine festgelegte Form haben. Eine dieser Gestenarten sind sogenannte „Beats“, deren Form eher simpel ist. McNeill beschreibt die Beats als „eine einfache Bewegung: hoch, runter – raus, zurück oder links, rechts. Sie haben eine Funktion so ähnlich wie die Benutzung eines Textmarkers, mit dem man ein geschriebenes Wort oder eine Passage markiert. Wie der Textmarker hebt ein Beat etwas Spezielles aus dem Kontext hervor. Mehr Variation findet sich in den abbildenden Gesten, die auch keine festgelegte Form haben, sondern von jeder Sprecherin und jedem Sprecher selbst erschaffen werden. Sie enthalten Informationen über den Ort, die Form oder Größe von Gegenständen oder die Art und Weise einer Bewegung. Der Angler freut sich über „sooo’n Fisch“ und breitet seine Arme aus – noch Jahre nach seinem legendären Fang.

          Entlastung fürs Gedächtnis

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