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Psychologie : Gefangen in der Grübelschleife

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„Warum?“ „Was wäre gewesen, wenn...?“ Wer über seine Probleme ins Grübeln gerät, hängt solchen Fragen nach. Lösen lassen sich die Probleme dadurch nicht, doch dafür steigt das Risiko, an einer Depression zu erkranken.

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          Im englischsprachigen Raum verwenden Wissenschaftler das Wort "Rumination", wenn sie "Grübeln" meinen. Sie wählen den Begriff für das Wiederkäuen der Kühe, um zu veranschaulichen, was den Grübelprozess beim Menschen ausmacht: Bestimmte negative Gedanken kommen immer wieder hoch, werden durchgekaut und wieder hinuntergeschluckt. Während Rinder dabei aus nährstoffarmem Gras Zucker und Eiweißbausteine gewinnen, hilft das Grübeln psychisch kranken Patienten nicht weiter: Es zieht sie immer tiefer in die Störung hinein. "In der psychologischen Forschung erhält Grübeln mittlerweile am meisten Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit Depressionen", sagt der Psychologe Thomas Ehring von der Universität Amsterdam. "Es spielt eine entscheidende Rolle beim Einstieg in die Depression, bei ihrer Aufrechterhaltung und beim Rückfall." Insbesondere hinsichtlich der hohen Rückfallquote gelte das Grübeln als neuer Ansatzpunkt.

          Grübeln zeichnet sich vor allem durch zwei Eigenschaften aus: Abstraktheit und Selbstfokussierung. "Grundsätzlich ist es nicht nachteilig, sich gedanklich wiederholt mit Dingen zu beschäftigen", sagt Ehring. "Es gibt aber einen dysfunktionalen Grübelprozess, der aufgrund seiner Abstraktheit das Problem weder löst noch eine emotionale Verarbeitung erreicht." Grübler denken typischerweise in Kategorien wie: "Warum ist mir das passiert? Was wäre passiert, wenn ich eine Minute früher da gewesen wäre?" Ihre Fragen und Gedanken sind nicht konkret. "Konkrete Gedanken, etwa nach einem schweren Autounfall, wären beispielsweise: Mein Arm ist verletzt; ich mache mir Sorgen, ob ich meinen Beruf weiter ausüben kann", sagt Ehring.

          Fließende Übergänge

          Auch gesunde Menschen grübeln. Ehring hält das für denselben Vorgang wie in der Depression. "Bei psychisch Kranken gerät dieser Prozess zwar außer Kontrolle. Es gibt aber keinen qualitativen Unterschied zwischen dem Grübeln von Kranken und Gesunden, sondern einen fließenden Übergang." Menschen, die viel grübeln, haben generell ein erhöhtes Risiko, eines Tages depressiv zu werden, fand die Psychologie-Professorin Susan Nolen-Hoeksema von der Yale University in verschiedenen Studien von 2004 bis 2007 heraus. Das Ausmaß besitzt dabei Vorhersagekraft für die Schwere der späteren Depression.

          Nolen-Hoeksema hatte Anfang der neunziger Jahre die Diskussion über das Grübeln angestoßen. Sie beschäftigte sich damals mit der Frage, warum Frauen so viel häufiger depressiv werden als Männer. Ihre Hypothese war, dass Frauen nach niederschmetternden Ereignissen dazu neigen, das Geschehene zu analysieren, während Männer sich eher ablenken. "In der Tat grübeln Frauen mehr als Männer; bei ihnen geht auch die Anfangsphase häufiger in eine wirkliche Depression über", sagt Ehring. Schädlich ist neben der Abstraktheit der Gedanken die starke Selbstfokussierung, die dysfunktionales Grübeln auszeichnet.

          Prekäre Selbstfokussierung

          "Es gibt ja auch ein Grübeln, das in die philosophische Richtung geht", sagt die Psychologin Annette van Randenborgh aus Münster, die sich in ihrer Dissertation mit dem Thema beschäftigt hat. "Wenn man sich über die marktwirtschaftliche Situation, ethische Prinzipien oder Umweltschutz Gedanken macht, hat das nicht dieselben negativen Konsequenzen wie selbstfokussiertes Grübeln, das sich mit der eigenen Situation und Gefühlslage beschäftigt." Dieses selbstbezogene Wälzen von Problemen sehen Psychologen mittlerweile als Form von Vermeidung. "Die Grübler wollen keine Antwort finden, weil die Antwort zu schmerzhaft sein könnte", erklärt Ehring. "Es ist deshalb leichter für sie, auf einer abstrakt kreisenden Ebene zu bleiben."

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