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Peter Doherty zum Achtzigsten : Entschlüsselte Immunabwehr

Peter Doherty, April 2015 Bild: dpa

Die Forschungen Peter Dohertys brachten Licht in den komplexen Mechanismus der körpereigenen Immunantwort auf Virus-Infektionen. Heute wird der australische Immunologe und Medizin-Nobelpreisträger 80 Jahre alt.

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          Seit gut neun Monaten hat die Corona-Pandemie die Welt im Griff. Und ein Ende ist nicht abzusehen, wie der rasante Anstieg der Infektionszahlen auch hierzulande zeigt. Alle Hoffnungen richten sich auf einen Impfstoff gegen das Virus Sars-CoV-2, der die Ausbreitung des Erregers endlich stoppt. Doch die Entwicklung braucht Zeit. Denn damit ein Impfstoff wirkt, müssen die injizierten molekularen Bestandteile des Virus – die Antigene – im menschlichen Körper eine starke Immunantwort hervorrufen.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Dass Virologen und Immunologen die komplizierten Mechanismen kennen, die eine Reaktion der körpereigenen Abwehrzellen auf eine Virusinfektion auslösen, ist nicht zuletzt dem Australier Peter Doherty für seine bahnbrechenden Forschungen in den siebziger Jahren zu verdanken.

          Der Immunologe hat gemeinsam mit seinem Kollegen Rolf Zinkernagel an der Universität Canberra bei Versuchen mit infizierten Mäusen herausgefunden, dass eine auf die Abwehr von Viren spezialisierte Sorte von T-Zellen allein nichts ausrichten kann. Sie brauchen Hilfe in Gestalt bestimmter molekularer Strukturen, die auf der Oberfläche jeder Körperzelle sitzen.

          Der Lebensgrundlage beraubt

          Diese MHC-Strukturen – man spricht auch vom HLA-System – präsentieren den im Blut zirkulierenden T-Zellen jene winzigen Bruchstücke des Virus, die aus dem Inneren der befallenen Körperzelle nach außen transportiert wurden. Die T-Zellen erkennen die Virus-Antigene und reagieren, indem sie die befallene Körperzelle zerstören und so dem Erreger die Lebensgrundlage rauben, so dass sich dieser nicht mehr vermehren kann.

          Für diese Erkenntnisse, von denen die Bekämpfung vieler Infektionskrankheiten, aber auch Therapien gegen Krebs und Autoimmunkrankheiten sowie die Transplantationsmedizin profitiert haben, sind Doherty und Zinkernagel 1996 mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt worden. Doherty, geboren in Brisbane, studierte Veterinärmedizin und Immunologie an den Universitäten Queensland und Edinburgh, wo er 1970 promoviert wurde. Immer noch pendelt er zwischen seinen Immunologie-Laboren in Melbourne und Memphis. Heute feiert Doherty seinen achtzigsten Geburtstag.

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