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Findige Papageientaucher : Wenn der Schnabel zu klobig ist

  • -Aktualisiert am

Ein Papageientaucher, aufgenommen auf Skellig Michael in Irland Bild: Joachim Müller-Jung

Papageientaucher setzen ihren prägnanten Schnabel vielseitig ein. Für manche Arbeiten werden jedoch gewisse Hilfsmittel benötigt – etwa für die Körperpflege. Ein seltenes Schauspiel.

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          Zweige und Stöckchen sind für viele Vögel ein beliebtes Baumaterial. Das zeigen zum Beispiel diverse Nester in winterlich kahlen Bäumen. Mit Vorliebe hoch über dem Meer, am Rand von steilen Klippen nistet dagegen der Papageientaucher (Fratercula arctica). Sein Nest braucht keinen tragfähigen Unterbau. Ein paar Federn und trockenes Gras genügen als Polster für das einzige Ei, das Papageientaucher in ihre meist selbstgegrabene Höhle legen. Gelegentlich picken diese Seevögel aber auch ein kleines Stöckchen vom Boden auf, nämlich um sich damit zu kratzen. Das haben Annette L. Fayeta und Dora Biroa von der University of Oxford zusammen mit Erpur Snær Hansen vom South Iceland Nature Research Centre in Ægisgata an zwei verschiedenen Orten beobachten können.

          Auf Skomer Island an der Küste von Wales haben die Forscher nistende Papageientaucher ausgiebig mit einem Spektiv ins Visier genommen, auf der Insel Grímsey im Norden von Island mit unweit von Nisthöhlen aufgestellten Kameras. Einmal konnten die Biologen zufällig verfolgen, wie sich ein Papageientaucher mit einem Stöckchen, das er im Schnabel hielt, am Rücken kratzte. Ein andermal kratzte sich ein Seevogel an der Brust, berichten Annette Fayeta und ihre Kollegen in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften.

          Mit dem Stöckchen gegen Zecken

          Die Forscher haben damit nicht nur erstmals Seevögel beim Werkzeuggebrauch ertappt. Papageientaucher sind seither auch die einzigen freilebenden Vögel, die nachweislich ein Werkzeug für ihre Körperpflege benutzen, wenngleich nur selten. Papageien, die in menschlicher Obhut leben, wurden allerdings schon bei ähnlichen Aktionen beobachtet. Das lässt vermuten, dass die Verhaltensweise der Papageientaucher in der Vogelwelt nicht gar so einzigartig ist. Die meisten Vögel betreiben ihre Körperpflege jedoch einfach mit dem Schnabel. Schließlich lassen sich mit ihm fast alle anderen Körperteile mühelos erreichen.

          Papageientaucher kratzt sich mit einem Stöckchen. Nach neun Stunden ist der Stock noch immer auf dem Boden zu sehen (Foto rechts unten).

          Papageientaucher setzen ihren prägnanten Schnabel vielseitig ein: als plakatives Signal für Artgenossen, als Hacke beim Graben der Nisthöhle und als Fanggerät beim Fischen. Obwohl ihr Schnabel eher klobig wirkt, kann er reihenweise kleine Fische einsammeln, ohne die zuerst gefangenen beim nächsten Zuschnappen zu verlieren. Für den Kampf gegen Zecken und andere Plagegeister, die sich im Federkleid verkriechen, scheint so ein Schnabel jedoch weniger tauglich als Schnäbel, die wie eine Pinzette geformt sind. Dem Papageientaucher gelingt es mit einem Stöckchen womöglich besser, blutgierige Plagegeister loszuwerden oder zumindest den Juckreiz zu lindern, vermuten die Wissenschaftler um Fayeta.

          Bislang war nur von Elefanten und Affen bekannt gewesen, dass sie Stöcke und Zweige verwenden, um sich an schwer zugänglichen Körperteilen zu kratzen. Kaktusfinken auf den Galapagosinseln und Neukaledonische Krähen hantieren zwar ebenfalls mit Stöckchen oder ähnlich geformtem Werkzeug. Dabei geht es ihnen jedoch vor allem um nahrhafte Happen, die es aus Löchern und Spalten zu stochern gilt. Der im äußersten Nordosten Australiens und Teilen von Neuguinea heimische Arakakadu setzt Stöcke sogar regelmäßig dazu ein, um lautstark gegen Holz zu trommeln. Werkzeuggebrauch, der eher unauffällig daherkommt und sich so rar macht wie beim Papageientaucher, lässt sich nur durch geduldiges Beobachten entdecken.

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