https://www.faz.net/-gwz-9s80z

Partnerschaft im Tierreich : Warum auch monogame Vögel balzen

  • -Aktualisiert am

Die Turteltaube ist Vogel des Jahres 2020. Bild: dpa

Die lebenslangen innigen Partnerschaften mancher Vögel mögen romantisch erscheinen. Tatsächlich steckt hinter ihrem Verhalten doch nur evolutionäres Kalkül. Eine Glosse.

          1 Min.

          Als der Biologe Trevor Price einen weiblichen Distelfinken einfing, um ihn zu beringen, machte er eine nicht unübliche Beobachtung: Auf dem gesamten Weg zur Forschungsstation verfolgte ihn aufgeregt der Partner des Vogels und wartete anschließend ungeduldig in einer Baumkrone. Als der Biologe die Finkin endlich freiließ, flog das Paar Seite an Seite davon – welch romantisches Bild! Price und seine Kollegen der Universitäten in Chicago und North Carolina vermuten allerdings, dass diese scheinbar romantische Bindung auf allzu nüchterne evolutionäre Prozesse zurückzuführen ist.

          In monogamen Partnerschaften zeigen viele Männchen zur Paarungszeit ihre bunten Federn. Schon seit längerem ist bekannt, dass dies die Weibchen dazu anregt, mehr Nachwuchs zu produzieren. Schmücken sich die Herren also als gefiederte Machos nur deshalb so prachtvoll, damit ihre Partnerin ihnen die anstrengende Aufzucht der Jungen abnimmt? Die Biologen gingen den evolutionären Mechanismen hinter dem Verhalten auf den Grund.

          Während es für das Männchen von Vorteil ist, dass das Weibchen mehr Eier legt und die Jungen besser pflegt, gilt für das Weibchen das Gegenteil: mehr Energie in Eier und Aufzucht zu stecken, schadet ihm und somit auch zukünftigen Nachkommen. Mit Hilfe eines mathematischen Modells zeigten die Forscher, dass sich hinter dem Paarungsverhalten der monogamen Vögel ein sensibles Balance-Spiel verstecken könnte. Regt nämlich das bunte Gefieder des Männchens das Weibchen dazu an, vier statt nur drei Eier zu legen, werden besonders bunte Männchen einen evolutionären Vorteil haben.

          Auf der anderen Seite setzen sich diejenigen Weibchen durch, die sich nicht allzu sehr vom Federschmuck beeindrucken lassen und stattdessen auf ihre Gesundheit achten. Am Ende wären also alle Männchen schön bunt, und alle Weibchen legten trotzdem nur drei Eier. Würden die Männchen jetzt aber – aus Frust gewissermaßen – auf ihren Putz verzichten, würden die Weibchen wegen des fehlenden Reizes nur noch zwei Eier legen und damit den Bestand der Art gefährden. Das bunte Gefieder ist also doch kein Machogehabe, sondern hilft dem Paar, jedes Jahr die richtige Anzahl an Nachkommen großzuziehen – eine Kooperation, die beiden nutzt. „Kooperation ist ein Ergebnis, das trotz individueller Kosten in angemessenem Sinne gut für die Teilnehmer und nur durch kollektives Handeln zu erreichen ist“, schreiben die Forscher – ein Satz, der in seiner nüchternen Schönheit nicht nur die Beziehungen von Vögeln beschreibt.

          Weitere Themen

          Trojaner gegen die Segregation

          Organisationssoziologie : Trojaner gegen die Segregation

          Sortieren sich Menschen nach gemeinsamen Merkmalen, bilden sich abgegrenzte. in sich homogene Gruppen, Überraschender Weise ist die soziale Homogenität in Organisationen und Firmen erstaunlich variabel, wie eine Studie zeigt.

          Die Asteroiden-Mission von „Osiris-Rex“ Video-Seite öffnen

          Videografik : Die Asteroiden-Mission von „Osiris-Rex“

          Nach dem erfolgreichen Sammeln von Gesteins- und Staubproben auf dem Asteroiden Bennu ist die US-Raumsonde „Osiris-Rex“ auf dem Heimweg zur Erde. Wissenschaftler erhoffen sich von der Mission Erkenntnisse über die Bildung unseres Sonnensystems.

          Halten Erdbeeren die Kälte aus?

          Ab in die Botanik : Halten Erdbeeren die Kälte aus?

          Im April war es so kalt wie seit 40 Jahren nicht mehr. Hat das den Erdbeeren geschadet? Gerade jetzt sind wir doch mental auf die Erdbeersaison angewiesen, ist Essen die einzige Freizeitbeschäftigung. Womöglich kann die Sorte „Korona“ helfen.

          Topmeldungen

          Annalena Baerbock am Montag im ZDF

          Annalena Baerbock : Masterstudium ohne Bachelorabschluss

          Sie wird als Völkerrechtlerin bezeichnet, ist aber keine Volljuristin. Einen Bachelorabschluss hat Annalena Baerbock nicht, aber Vordiplom und Master. Dennoch: Alles ging mit rechten Dingen zu.
          Polizisten 2005 während Unruhen in der Banlieue Clichy-sous-Bois nördlich von Paris. Vorausgegangen war der Tod zweier Jugendlicher, die auf der Flucht vor der Polizei durch einen Stromschlag in einer Trafostation ums Leben kamen.

          Verrohung in Frankreich : „Die Republik zerlegt sich“

          Ehemalige französische Generäle warnen vor islamischen „Horden in der Banlieue“ und einem Bürgerkrieg. Der Politikwissenschaftler Jérôme Fourquet erklärt im Interview, was in seinem Land im Argen liegt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.