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Nicht nur Dschingis Khan : Männer mit vielen Nachkommen

  • -Aktualisiert am

Im Film „Der Mongole“ (2008) werden die frühen Jahre des Mongolenführers Dschingis Khan beleuchtet. Bild: dpa

Dass Dschingis Khan und der chinesische Kaiser Giocangga heute Millionen Nachkommen haben, ist bekannt. Aber offenbar hinterließen neun weitere Asiaten eine genetische Spur, die bis in die heutige Zeit reicht.

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          Der Mongolenherrscher Dschingis Khan und der chinesische Kaiser Giocangga sind nicht die einzigen Herrscher, die ein bleibendes genetisches Erbe hinterlassen haben. Mark Jobling von der Universität Leicester und seine Kollegen konnten neun weitere Männer identifizieren, deren Abstammungslinien bis in unsere Zeit hineinreichen. Wer diese Männer waren, weiß niemand. Sie lebten vermutlich zwischen 2100 vor Christus und 700 nach Christus in Asien. Ihre Abstammungslinien verteilen sich über den Mittleren Osten bis nach Südostasien. Einige lebten als Nomaden und müssen zu Pferd unterwegs gewesen sein. Andere waren sesshaft. Die Entstehung der Abstammungslinien fällt in die Bronzezeit. Damals bildeten sich in Asien hierarchisch geprägte und autoritär geführte Gesellschaften heraus wie zum Beispiel das Babylonische Reich. Für eine bleibende Abstammungslinie müssen Männer nicht nur viele Söhne haben, sondern diese Söhne müssen ihrerseits wiederum viele Söhne haben. Nur so lässt sich ein genetisches Erbe etablieren, das bis in unsere Zeit hineinreicht. „Man braucht einen Verstärkungseffekt“, sagte Jobling gegenüber den Online-Nachrichten der Zeitschrift „Nature“ (doi:10.1038/nature.2015.16767). „Es muss ein soziales System geben, das diesen mächtigen Männern erlaubt, mit einer Vielzahl an Frauen Kinder zu zeugen.“

          Aus früheren Untersuchungen weiß man, dass sechzehn Millionen der heute lebenden Männer Nachfahren von Dschingis Khan sind und dass sich 1,5 Millionen Zeitgenossen auf das genetische Erbe von Giocangga berufen können. Dschingis Khan soll Hunderte, vielleicht sogar Tausende von Kindern gezeugt haben, bevor er 1227 starb. Sein Reich war das größte Reich der Geschichte. Er galt als brutaler Herrscher, der sich nahm, was er wollte.

          Weil sein Grab nie gefunden wurde, gibt es keine DNA, die ihm sicher zugeordnet werden könnte. Deshalb wird seine Abstammungslinie nie zweifelfrei belegt werden können, aber alle Umstände sprechen dafür, dass er eine gewaltige genetische Spur hinterlassen hat. Giocangga starb 1582. Sein genetisches Erbe ist ebenfalls beträchtlich, kommt aber nicht an das von Dschingis Khan heran. Das gilt auch für die neun weiteren Stammväter, die Jobling und seine Kollegen jetzt anhand der Y-Chromosomen identifiziert haben („European Journal of Human Genetics“, doi:10.1038/ejhg.2014.285).

          Asien ist am besten untersucht

          Männliche Abstammungslinien werden am Y-Chromosom festgemacht, weil es das männliche Geschlechtschromosom ist. Söhne erhalten ihr Y-Chromosom immer vom Vater, da die Mutter nur eines ihrer beiden X-Chromosomen vererben kann. Alle Söhne haben deshalb das gleiche Y-Chromosom wie ihr Vater und dessen Vater. Demnach besitzen alle Männer einer väterlichen Linie das gleiche Y-Chromosom. Weil es fast über seine gesamte Länge keine genetische Information mit dem X-Chromosom austauschen kann, lässt es sich auf einen einzigen Vorfahren zurückführen. Aus der zufälligen Mutationsrate ergibt sich dann, wann dieser Vorfahre in etwa gelebt hat.

          Durch solche Berechnung ist man auf Dschingis Khan und Giocangga gestoßen und jetzt auf die neun weiteren Stammväter. Dass alle in Asien gelebt haben, hat damit zu tun, dass bisher vor allem diese Region untersucht worden ist. Jobling und seine Kollegen haben für ihre Analysen die Y-Chromosomen von 5321 asiatischen Männern aus 127 Populationen sequenziert. Zwischen den Männern bestanden keine verwandtschaftlichen Beziehungen. Die Wissenschaftler sprachen von einer Abstammungslinie, wenn mindestens zwanzig Männer das gleiche Y-Chromosom hatten. Die Mutationsrate zeigte dann, dass die Begründer dieser Abstammungslinien in der Bronzezeit und den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt gelebt haben.

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