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Gefährdete Nashörner : Strahlendes Horn

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Die letzten beiden Nördlichen Breitmaulnashörner werden im Wildreservat Ol Pejeta in Kenia rund um die Uhr von Rangern bewacht. Bild: dpa

Der Kampf gegen Nashornwilderer ist teuer, aufwändig und gefährlich. Forscher versuchen nun in einem Pilotprojekt, die Tiere mit einem neuen Verfahren zu schützen.

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          Über eine Million Nashörner streiften einst durch die afrikanische Savanne. Heute, 150 Jahre später, gibt es nur noch etwa 25.000 Tiere in freier Wildbahn. Zuerst die Jagd durch die Europäer, dann die hemmungslose Wilderei der vergangenen Jahrzehnte haben den Beständen heftig zugesetzt. Durch große Schutzanstrengungen hatte sich die Population zwar zunächst stabilisiert. Die Zahlen stiegen sogar wieder. Doch seit einiger Zeit hat sich die Wilderei wieder deutlich intensiviert. Umweltschützer sehen die Spezies abermals in Gefahr.

          Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es zwei Nashornspezies, das Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum) und das Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis). Ersteres ist von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) mit etwa 20.000 Tieren als potentiell gefährdet, letzteres mit nur 5000 Exemplaren als stark gefährdet eingestuft. Die meisten der Tiere leben heute in Südafrika, Namibia, Simbabwe und Kenia, der Großteil in Wildreservaten und geschützten Gebieten. Nashörner spielen eine wichtige Rolle für afrikanische Ökosysteme: Als Grasfresser verschlingen sie enorme Mengen an Vegetation und halten so die Steppe in Balance. Besonders in den Siebziger- und Achtzigerjahren hatte die Nashornwilderei enorm zugenommen. Das Horn wird auf dem asiatischen Markt als wertvolles Heilmittel mit großem Anwendungsspektrum angesehen – von Kater über Fieber bis hin zu Krebs. Gerade Vietnam hat heute großen Einfluss auf den Handel mit Hörnern: Dort gilt der Besitz von Rhino-Horn schlicht als Zeichen von Reichtum und guter Stellung.

          Zwei Spitzmaulnashörner (ein weibliches Tier  mit ihrem Jungen) in der Serengeti in Tansania
          Zwei Spitzmaulnashörner (ein weibliches Tier mit ihrem Jungen) in der Serengeti in Tansania : Bild: Reuters

          Zwar hat die Corona-Pandemie der Wilderei 2020 einen starken Dämpfer versetzt, der Rückgang wird aber sehr wahrscheinlich nicht von Dauer sein. Allein im Krüger-Nationalpark sollen die Populationszahlen im vergangenen Jahrzehnt um 70 Prozent gefallen sein. Die Wilderer sind bestens ausgerüstet und verwenden modernste Techniken wie Helikopter, Nachtsichtgeräte und tierärztliche Medikamente. Dies stellt die an ihre jeweiligen Finanzhaushalte gebundenen Regierungen wie auch Nichtregierungsorganisationen vor die Schwierigkeit, dass mindestens ebenso viel Aufwand und Technologie geleistet werden muss, um die Wilderer im Zaum zu halten.

          Hörner werden mit radioaktiven Isotopen markiert

          Eine Forschergruppe in Südafrika hat nun ein Pilotprojekt gestartet, das auf eine ganz neue Weise die Wildereiaktivitäten im südlichen Afrika verringern und die Nashörner schützen will. In Zusammenarbeit mit der Australischen Organisation für Nukleare Wissenschaft und Technologie, der University of Colorado, der russischen Staatsagentur für Nuklearwissenschaft, genannt Rosatom, und der südafrikanischen Gesellschaft für nukleare Wissenschaften hat die University of the Witwatersrand in Johannesburg das „Rhisotope Project“ initiiert. In die Hörner der Tiere sollen radioaktive Isotope injiziert werden, die das Horn auf den Transportwegen leicht aufspürbar machen, während die Isotope keine Auswirkungen auf die Gesundheit oder das Verhalten der Nashörner haben sollen. Bei Isotopen handelt es sich um Atomarten mit gleicher Protonenanzahl, die aber unterschiedlich viele Neutronen besitzen und somit verschiedene Ordnungszahlen haben. Einige von ihnen sind radioaktiv. Die Idee: Bei einer großflächigen Anwendung der Methode ist die Wahrscheinlichkeit, dass unter einer illegalen Lieferung von Hörnern mindestens ein behandeltes Horn ist, sehr groß.

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