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Musikplagiate : Wenn zwei denselben Blues haben

  • -Aktualisiert am

Auf dieses Motiv könnte jeder kommen. Als Zitat ist das kein Problem. Bild: Illustration F.A.S., Foto Getty

Immer wieder wird um viel Geld gestritten, weil ein Musiker abgekupfert haben soll. Wie findet man heraus, ob es sich tatsächlich um ein Plagiat handelt? Oder doch nur um ähnliche Töne?

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          Pharrell Williams kann es sich wohl leisten, schließlich ist er einer der erfolgreichsten Hitproduzenten der letzten Jahre. Knapp siebeneinhalb Millionen Dollar sollen Williams und der Sänger Robin Thicke an die Erben des legendären Soulsängers Marvin Gaye zahlen. So entschied Anfang März ein amerikanisches Gericht und beendete damit zumindest vorläufig einen Rechtsstreit, der mit dem Siegeszug von Thickes Megahit „Blurred Lines“ im Sommer 2013 begonnen hatte. Damals hatten sich Gayes Kinder gemeldet und die große Nähe des Songs zu „Got to give it up“, eines Disco- und Funkklassikers ihres Vaters aus dem Jahr 1977, beanstandet. Die Macher von „Blurred Lines“ reagierten mit einer Feststellungsklage, die sie vom Verdacht des Plagiats reinwaschen sollte - was nun nach hinten losgegangen ist.

          Die meisten Experten reagierten auf das Urteil allerdings verwundert. „Die Ähnlichkeiten sind rein genrespezifisch und liegen im entspannten Tempo, der prominenten Verwendung einer Kuhglocke und dem für Soulmusik typischen Falsett-Gesang. Die Gesangsmelodie selbst zeigt kaum Gemeinsamkeiten, ebenso wenig wie die Basslinie“, meint Joe Bennett, Professor für Populärmusik im englischen Bath, der als forensischer Musikologe an vielen Gerichtsverfahren zu Urheberrechtsfragen beteiligt war. Williams und Thicke hatten auch nie abgestritten, dass ihr Lied von Gaye inspiriert ist - nur gilt ein bestimmter Musikstil oder gar der Klang einer Kuhglocke traditionell nicht als urheberrechtlich schützenswert.

          Im Musikgeschäft, in dem das Gros der Produktion durch das Aufwärmen vorhandener Kost unter Hinzufügen einer Prise künstlerischer Originalität zusammengebraut wird, sind Songs, die einander ähneln, kaum zu vermeiden. Das zeigen auch die Beiträge des am vergangenen Wochenende ausgetragenen Eurovision Song Contests 2015. Aber reichen die langsamen Klavierakkord-Viertel des österreichischen Lieds „I am Yours“ schon, um den im Vorfeld laut gewordenen Vorwurf des Abkupferns von Coldplays „The Scientist“ zu rechtfertigen? Und wie steht es um das heftig synkopierte Schlagzeug am Anfang des Schweizer Beitrags, das fraglos dem Rhythmus eines Beyoncé-Titels ähnelt?

          Die Entscheidung über ein Plagiat treffen Juristen

          In diesem Fall gab ein Gutachten im Auftrag des Schweizer Fernsehens Entwarnung: Ähnlichkeiten beruhten lediglich in der Verwendung des ohnehin tausendfach kopierten Eurodance-Stils. Zwischen eigenständiger Schöpfung und Plagiat verläuft eben eine höchst verschwommene Linie. Sie im Streitfall zu bestimmen ist vor allem eine juristische Frage. Aufgabe der forensischen Musikwissenschaft ist es, Ähnlichkeiten zu beschreiben und die Wahrscheinlichkeit zu ermessen, dass eine beanstandete Melodie die Kopie einer anderen ist.

          Vergleichsweise einfach ist der Nachweis für Samples zu führen, Audioschnipsel einer fremden Aufnahme also, wie sie vor allem im Hiphop zum guten Ton gehören. So kurz sie auch sein mögen, tangieren Samples nicht nur das Urheberrecht des Komponisten, sondern auch die Leistungsschutzrechte der beteiligten Musiker. In der Frequenzanalyse am Computer lassen sie sich anhand ihrer charakteristischen Wellenform meist zweifelsfrei entlarven.

          Keine derart offensichtlichen akustischen Fingerabdrücke hinterlässt aber der Diebstahl musikalischer Ideen. Er ist auch juristisch nur ungenau definiert. „Das Urheberrecht ist da ganz bewusst schwammig formuliert. Denn bei jedem Werk ist individuell zu prüfen, worin sich die persönliche geistige Schöpfung konkret äußert. Quantität, etwa ,sieben gemeinsame Töne‘, ist da nicht unbedingt entscheidend. Kunst ist nicht eindeutig messbar. Juristen sprechen davon, dass die schutzwürdige geistige Schöpfung beziehungsweise deren urheberrechtliche Verletzung erkennbar sein muss“, sagt der Hamburger Musikgutachter Heiko Maus. Entscheidend für die Schutzwürdigkeit sei die Individualität eines Werkes - der geistige Inhalt dürfe nicht allgemeiner Natur sein, sondern müsse originell und eigentümlich sein. Gängige Ton- und Harmoniefolgen, Rhythmen oder Musikstile seien deshalb grundsätzlich nicht schutzwürdig, sagt Maus.

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