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Monogamie im Tierreich : Treue ist die eine Option

  • -Aktualisiert am

Vögel bilden eine absolute Ausnahme im Tierreich – 90 Prozent der Arten gehen monogame Beziehungen ein. Bild: Roberto Pera/dpa

Monogamie im Tierreich ist selten – denn in Sachen Fortpflanzung ist sie nicht zielführend. Doch warum findet sie sich überhaupt bei so vielen Arten? Offenbar spielen zwei Dutzend Gene eine wichtige Rolle.

          Die Paarungsstrategien im Tierreich sind vielfältig: Die einen bevorzugen wechselnde Partner, die anderen binden sich fürs Leben oder zumindest für eine Brutsaison. Die Monogamie ist im Laufe der Evolution viele Male entstanden, so lassen sich auf jedem Ast des Wirbeltier-Stammbaums, der 450 Millionen Jahre umspannt, entsprechende Arten finden. Die Einehe ist insgesamt betrachtet aber selten und evolutionsbiologisch auch nicht einfach zu erklären.

          Biologen der Universität Texas in Austin sind nun den genetischen Grundlagen des komplexen Bindungsverhaltens etwas genauer auf die Spur gekommen. Das Forscherteam untersuchte insgesamt zehn Wirbeltierarten. Sie wählten fünf monogam lebende Arten und je eine nahverwandte, aber polygame Art aus. Die fünf Artenpaare setzten sich zusammen aus einer treuen Buntbarschart aus dem Tanganjikasee in Afrika, bei der beide Eltern Maulbrutpflege betreiben, sowie Baumsteigerfrosch, Bergpiper, kalifornische Maus und Präriewühlmaus plus folgende untreue Gegenspieler: Buntbarsch, Erdbeerfröschchen, Heckenbraunelle, Hirschmaus und Wiesenwühlmaus.

          Der Blick auf die Gene

          Für ihre Studie, die kürzlich in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften erschienen ist, definierten die Autoren eine Art als sozial monogam, wenn sie für mindestens eine Fortpflanzungssaison zusammenblieben, ihre Jungen gemeinsam großzogen und verteidigten. Monogamie bedeutet in der Biologie im Übrigen nicht absolute Treue.

          „In fast allen untersuchten monogamen Arten, den Menschen eingeschlossen, kommen Seitensprünge vor“, erklärt der Studienleiter Hans Hofmann. Die Biologen entnahmen jeweils drei Männchen einer Art das Gehirn und untersuchten die Genaktivität des Gewebes. Das Ergebnis überraschte auch die Forscher: Von Fisch bis Maus fanden sie 24 Gene, die nach einem sehr speziellen Muster entweder herauf- oder herunterreguliert waren. „Bei monogamen Arten gibt es ein gemeinsames Muster der Genaktivität“, sagt Studienautorin Rebecca Young, „und es wurde in 450 Millionen Jahren wieder und wieder genutzt.“

          „Diese Untersuchung bringt uns einen Schritt nach vorn“, bestätigt die Evolutionsbiologin Anna Lindholm von der Universität Zürich, die nicht an der Studie beteiligt war, „denn wir wissen wenig über die Entstehung von Monogamie.“ Tatsächlich ist monogames Verhalten auf den ersten Blick nicht zielführend. Schon wegen der unterschiedlichen Zahl der Keimzellen kommt es zu einem Interessenkonflikt: Männchen produzieren zahlreiche Spermien, Weibchen nur wenige Eier.

          Die besonders treuen Arten

          Folglich kann ein Männchen viel mehr Jungen haben, wenn es die Eier vieler Weibchen besamt. Und Nachkommen sind – aus evolutionsbiologischer Perspektive – schließlich das Ziel. So konkurrieren Männchen tatsächlich oft um den Zugang zu möglichst vielen Weibchen, während diese ihrerseits wählerisch sind. Nur drei Prozent der Säugetiere gehen eine Paarbindung ein und bei Fischen, Amphibien und Reptilien sind es noch weniger. Eine Ausnahme sind Vögel, bei denen sich 90 Prozent zumindest eine Brutsaison lang die Treue halten.

          Unter bestimmten Bedingungen zahlt sich eine feste Partnerschaft also aus: Wenn Partner rar sind oder die Nachkommen nur mit der Fürsorge beider Eltern erfolgreich groß werden. Es ist sogar noch komplizierter. Es gibt Arten, etwa Mäuse oder Eidechsen, die ein flexibles Paarungsverhalten zeigen – wo Treue und Untreue nebeneinander gelebt werden, so Lindholm. Denn beide Varianten haben Vor- und Nachteile. So zeugen untreue Männchen mehr Nachwuchs. Dafür können sich die Treuen, die ihre Familie umsorgen, sicherer sein, dass die Jungen wirklich von ihnen stammen.

          Als Fisch, Frosch und Maus monogames Verhalten entwickelten, griffen sie offenbar auf den gleichen Satz an Genen zurück, der sich im Erbgut aller Wirbeltiere findet. Die Gene sind keine Unbekannten, sie sind an Lern- und Gedächtnisvorgängen beteiligt.

          „Wir haben nicht gezeigt, dass diese Gene Monogamie verursachen“, betont Hofmann. Aber ihr Zusammenspiel könnte grundlegende Aspekte des Sozialverhaltens steuern, etwa das Tolerieren von Artgenossen oder das Wiedererkennen des Partners, und so den Weg zur Monogamie ebnen. Die Forscher wollen weitere Arten testen, auch an Schimpanse und Mensch sei gedacht. „Ich würde erwarten, dass sich bei uns ein ähnliches Genaktivitätsmuster finden lässt“, sagt Hofmann, „denn auch wir sind ein Produkt der Evolution.“

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