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Monarchfalter : Bedrohte Fernreisende

  • -Aktualisiert am

Die mehrere tausend Kilometer langen Wanderungen der Monarchfalter sind ein Naturereignis. Bild: AFP

Wo das grüne Herz Amerikas schlägt: Monarchfalter pendeln zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten. Dabei legen sie Tausende von Kilometern zurück. Gerade geht es für sie ums Überleben.

          Reiselustig sind nicht nur Störche, Schwalben und andere Zugvögel. Auch manche Insekten machen sich im Frühjahr auf den Weg nach Norden und ziehen im Herbst wieder südwärts. Der schwarzbraun, orange und weiß gemusterte Distelfalter (Vanessa cardui) zum Beispiel fliegt von Nordafrika in Regionen nördlich der Alpen. Schon etwas ausgeblichen, aber immer noch flott unterwegs, war er hierzulande im Juni dieses Jahres auffallend zahlreich zu sehen. Der prominenteste Fernreisende unter den Schmetterlingen ist allerdings der amerikanische Monarchfalter (Danaus plexippus). Anders als der Distelfalter produziert er im Winter keinen Nachwuchs: Dieselbe Generation, die im Herbst nach Süden gezogen ist, wandert im Frühjahr wieder nordwärts.

          Bäume, auf denen Monarchfalter in dichten Trauben überwintern, sind noch immer ein faszinierender Anblick. Doch schon seit Jahren sind diese geselligen Schmetterlinge auf dem absteigenden Ast. Warum ihre Zahl so stark abgenommen hat, ist eine Frage, die viele Wissenschaftler umtreibt. Wie Blanca Xiomara Mora Alvarez und Keith A. Hobson von der University of Western Ontario in London, Ontario, entdeckten, könnte zunehmender Straßenverkehr eine Rolle spielen. Gemeinsam mit Rogelio Carrera-Treviño von der Universidad Autónoma de Nuevo León in Escobedo zählten sie an den mexikanischen Highways Mex-057 und Mex-40D vorbeifliegende und tot am Straßenrand liegende Falter. Und zwar im Herbst, als Schmetterlinge der östlichen Population ihr Überwinterungsquartier in den Wäldern der mexikanischen Sierra Nevada ansteuerten.

          Die Forscher konzentrierten sich auf zwei Stellen, wo das Gelände die Monarchfalter zwingt, in dichten Schwärmen über die Autobahn zu fliegen. Nach Hochrechnungen sind im Herbst 2018 an diesen Engpässen mindestens 196.560 Falter dem Verkehr zum Opfer gefallen. Gemessen an der gesamten Population östlich der Rocky Mountains, sind das zwar nur wenige Promille. Doch die wandernden Monarchfalter müssen etliche Straßen passieren.

          Was der Falterpopulation zusetzt

          Auf jeden Fall dürfte die Todesrate drastisch steigen, wenn das Wetter die Schmetterlingsmassen hindert, nach oben auszuweichen. Falter, die nur wenige Meter über der Autobahn fliegen, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit von Fahrzeugen mitgerissen. Zumal, wenn sich diese, wie in Mexiko beobachtet, nicht sonderlich um Geschwindigkeitsbegrenzungen scheren. Als wichtigste Faktoren, die der Monarch-Population zusetzen, gelten allerdings unmittelbare Eingriffe in ihren Lebensraum: zum einen illegale Abholzungen im mexikanischen Überwinterungsquartier, zum anderen wird in den Brutgebieten großzügig mit Pestiziden hantiert.

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