https://www.faz.net/-gwz-8w1at

Insektizide : Du sollst sterben, Moskito

  • -Aktualisiert am

Chemische Keule gegen Insekten: Bei harmlosen Schnaken funktioniert das noch. Bild: plainpicture/Baertels

Stechmücken übertragen Krankheiten. Deshalb werden sie mit Insektiziden bekämpft. Die wirken immer seltener gegen die gefährlichen Blutsauger. Eigentlich müssten neue Mittel her. Doch dafür scheint kein Geld da zu sein.

          Es ist recht still geworden um Zika, diese Krankheit, die ernste Schädelmissbildungen bei Babys verursachen kann, wenn die Mutter sich während der Schwangerschaft infiziert. Die Weltgesundheitsorganisation hob den Notstand, den sie für Brasilien ausgerufen hatte, schon im vergangenen Herbst wieder auf. Das Zika-Virus grassiert zwar immer noch, aber die Zahl der gemeldeten Fälle von Mikrozephalie ist drastisch zurückgegangen. Warum, lässt sich nicht genau sagen.

          Die Aedes-Mücke, die den Zika-Erreger verbreitet, hat ihren Schrecken damit nicht verloren. Sie kann außerdem Dengue, Gelbfieber und Chikungunya übertragen. Wenn von solchen Tropenkrankheiten die Rede ist, geht es meist um die Suche nach Impfstoffen oder Medikamenten. Doch das ist nur ein Teil des Problems. Selbst die neuen Vakzinen gegen Malaria und Dengue, deren Entwicklung über zehn Jahre gedauert hat, zeigen bei weitem nicht die erhoffte Wirksamkeit. Und der Malaria-Erreger Plasmodium ist in vielen Regionen der Welt gegen mindestens eine Klasse von Medikamenten unempfindlich geworden.

          Mücken sind sehr anpassungsfähig

          Bleiben die Insektizide. Sie können verhindern, dass Menschen überhaupt von infektiösen Mücken gestochen werden, die die Erreger übertragen. Doch da tut sich allmählich eine böse Lücke auf. Insektenvernichtungsmittel verlieren ihre Wirkung, wenn Resistenzen dagegen auftauchen. Wie schnell sich Mücken anpassen können, zeigt beispielsweise ein Bericht aus Boa Vista im Norden Brasiliens.

          In der 300.000-Einwohner-Stadt wurden bei einem Dengue-Patienten vor sechs Jahren Dengue-Viren des Typs 4 gefunden. Diese Variante war in Brasilien seit fast dreißig Jahren nicht mehr aufgetreten. Weil aufeinanderfolgende Infektionen mit verschiedenen Virentypen bei Dengue das Risiko von schweren Komplikationen erhöhen, versetzte der Fund die Behörden in Alarmbereitschaft. Es wurden intensive Mückenbekämpfungsmaßnahmen angeordnet. Brutstätten wurden mit Larviziden bekämpft, die das Schlüpfen der Insekten verhindern sollen. Gegen die ausgewachsenen Mücken wurde mehrfach Deltamethrin versprüht, ein Kontaktgift aus der Klasse der Pyrethroide. Nach gängigen Richtlinien war dies eine mustergültige Reaktion. Doch Untersuchungen in den Wochen und Monaten danach förderten ein ernüchterndes Ergebnis zutage: Trotz der Intervention wurden fast genauso viele Mückeneier gefunden wie vorher. Die Zahl der Mücken, denen Deltamethrin nichts ausmachte, schnellte in die Höhe. Nach drei Monaten hatte sich die Resistenzrate der Moskitovölker verdoppelt, nach einem halben Jahr verdreifacht. Sieben Monate nach dem konzentrierten Insektizideinsatz in Boa Vista wurde Dengue vom Typ 4 in neun von 27 brasilianischen Bundesstaaten nachgewiesen, zwei Jahre später in 23 Bundesstaaten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Maisfeld im Oderbruch in Brandenburg wird künstlich bewässert.

          Besonders im Osten : Warnung vor Wasserknappheit in Deutschland

          Trockenheit und Dürre schlagen auch auf den Grundwasserstand durch. Eine Umweltexpertin warnt: In Zukunft könne es in einigen Regionen Deutschlands Verteilungskämpfe ums Wasser geben, etwa zwischen Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung.

          Syrien-Gipfel : Erdogan trifft Putin und Ruhani

          Die Türkei, Russland und Iran: Drei Länder mit unterschiedlichen Interessen im syrischen Bürgerkrieg. Beim Treffen in Ankara wollen die Präsidenten über die Lage in der Rebellenhochburg Idlib und die Rückkehr von Flüchtlingen sprechen.
          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.