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Schnellste Ameise der Welt : Mit sechs Beinen lässt sich’s fliegen

Die „Sahara-Silberameise“ rast mit einem Speed von 85 Zentimetern pro Sekunde über den Wüstensand – Weltrekord! Bild: dpa

Highspeed bei unerträglicher Hitze: Die Sahara-Silberameise hat mit ihrem speziellen Galopp einen absoluten Geschwindigkeitsrekord aufgestellt und zeigt Talent zum Tiefflug.

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          Diese Ameise ist ein Highspeed-Freak: Bei 60 Grad, wenn andere längst abtauchen und keine Sekunde den Schatten verlassen, läuft sie erst so richtig heiß. Dann hebt sie buchstäblich ab auf der Düne, lässt ihre sechs Beine fliegen und bewegt sich mit einem  irrsinnigen Tempo über den Wüstensand. Fast ein Meter, genauer: 85 Zentimeter pro Sekunde, legt sie zurück, oder noch beeindruckender: 108  Körperlängen überwindet sie in jeder einzelnen Sekunde.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die „Sahara-Silberameise“ von Tunesien, Cataglayphis bombycina, ist damit offiziell Weltrekordinhaberin. Keine andere Ameise schafft es, ihren hitzeempfindlichen Körper so schnell fortzubewegen.

          Gemessen wurde das von dem deutschen Forschungsteam um Harald Wolf, der sich seit langem mit den beeindruckenden Wüstenameisen beschäftigt. Immer wieder schaffen es die wüstentauglichen Vertreter der Ameisen in die Rekordbücher der Biologen, sei es wegen ihrer unglaublichen Navigationsleistungen, wegen ihres extrem empfindlichen Geruchssinns oder eben wegen ihrer völlig unvorstellbaren motorischen Leistungen unter den ebenso absurden Lebensbedingungen der Wüste.

          Harald Wolf, Sarah Pfeffer, Verena Wahl und Matthias Wittlinger, allesamt Biologen an der Universität Ulm, haben sich das nun genauer und den Bewegungsablauf mit ihren extrem empfindlichen Hochgeschwindigkeitskameras in speziellen Sahara-„Rennbahnen“ angesehen. Dabei gab es einige Überraschungen. 

          Die erste: Die extreme Schrittfrequenz von vierzig Herz, sprich: vierzig Schritte pro Sekunde bei einer Geschwindigkeit von maximal gemessenen 85,5 Zentimeter pro Sekunde. Wie das zu koordinieren ist mit sechs Beinen, ist schon für sich ein Wunder. Genau das aber schafft das Tier: die jeweils drei Beine auf jeder Seite kommen sich nicht eine Millisekunde in die Quere.

          In einer Sekunde, bei Höchstgeschwindigkeit, schwingen die Beine mit einer Geschwindigkeit von 1,3 Meter pro Sekunde. Eigentlich sollte das mit der üblichen Schrittabfolge und Bodenkontakt gar nicht möglich sein. Und tatsächlich: Die Sahara-Silberameise hat eine ganz besondere Konstitution: Ihre Beine etwa sind rund zwanzig Prozent kürzer als die Beine der nahe verwandten Cataglyphis fortis, die es auch tatsächlich auf maximal 62 Zentimeter pro Sekunde bringt.

          Die Sahara-Silberameise hat aber noch einen weiteren Trick: Sie schaltet buchstäblich einen Gang hoch, in den Ameisengalopp – im Sprint hebt sie jeweils kurzzeitig ab. Bei Geschwindigkeiten von mehr als 30 Zentimetern pro Sekunde tritt diese Gangart in Kraft, dann bewegen sich ihre Beine so schnell, dass sie immer wieder kurzzeitig abheben und alle sechs Beine keinen Bodenkontakt mehr haben. Das ist nicht nur motorisch höchst effizient, es schont auch die Füße, sie sinkt nicht tief in den ultraheissen Sand. Ihr Bodenkontakt dauert dann nur sieben Tausendstelsekunden pro Bein. 

          Das Rekordtempo ist für die Sahara-Silberameise aber auch keine Selbstverständlichkeit. Schaffen kann sie das nämlich offenbar nur, wenn es draußen auch wirklich brütet. Es gilt die Regel: Je heißer, desto schneller. Im Labor, bei künstlichen zehn Grad, beschleunigt sie höchstens auf einen halben Meter pro Sekunde.

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