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Möwen gegen Müllsünder : Gefiederte Detektive

  • -Aktualisiert am

Forscher statten in Spanien Silbermöwen mit GPS-Loggern aus, um illegale Müllkippen zu suchen. Bild: ZB

Müll richtig zu recyceln oder zu entsorgen ist häufig eine kostspielige Angelegenheit. Um illegalem Abladen entgegenzuwirken, müssen Müllhalden schnell aufgespürt werden. Wie können Möwen dabei helfen?

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          Müll ordentlich zu recyceln, zu kompostieren oder bei einer Müllverbrennungsanlage abzuliefern, das ist häufig eine kostspielige Angelegenheit. Entsprechend groß ist der Gewinn, den das illegale Abladen von Müll verspricht. Kein Wunder also, dass etwa die Mafia dieses Geschäftsmodell für sich entdeckt hat, und das nicht nur in Süditalien. Will man solchen Kriminellen das Handwerk legen und Umweltschäden möglichst vermeiden, gilt es illegale Müllhalden rasch aufzuspüren. Dass möglicherweise Möwen für diese Arbeit besonders geeignet sind, glauben Wissenschaftler aus Spanien, Frankreich und den Niederlanden.

          Im Südwesten von Spanien haben Joan Navarro von der Estación Biológica de Doñana in Sevillaund und seine Kollegen einige Vögel aus einer Brutkolonie von Mittelmeermöwen gefangen und mit einem GPS-Logger ausgestattet. Die gesammelten Daten über Ausflüge in die Umgebung wurden jeweils automatisch ausgelesen, nachdem diese nahen Verwandten der Silbermöwe an ihren Brutplatz zurückkehrt waren.

          Der reich gedeckte Müll-Tisch

          Wie erwartet, streiften die Möwen auf Nahrungssuche vor allem an der Küste umher, stöberten aber auch an Fischteichen und auf Feldern nach Essbarem. Ein paar Tiere tauchten außerdem immer wieder am Rand einer längst stillgelegten Mülldeponie auf. Eigentlich hätte es dort nichts mehr zu holen geben dürfen. Nachforschungen vor Ort zeigten jedoch, dass an der fraglichen Stelle eine illegale Deponie für Hausmüll existierte. Offene Müllhalden, einst allgemein üblich und für die Anwohner ein Ärgernis, bieten Möwen, Raben, Störchen und diversen Greifvögeln einen reich gedeckten Tisch. Diese gefiederten Gäste finden im Abfall nahrhafte Happen, aber auch Ratten und andere Beutetiere, die dort von den Abfällen leben.

          Nach Ansicht der Forscher um Navarro ist es ein großer Vorteil, dass ein Vogel bei seinen Ausflügen grenzenlose Bewegungsfreiheit genießt. Außerdem sprechen erfreulich geringe Kosten für die Idee, Vögel mit GPS-Loggern einzusetzen, um nach illegalen Müllkippen zu suchen. Mit Solarzellen betriebene Geräte können jahrelang funktionieren; und wenn der Datentransfer über Satelliten geschieht, lassen sie sich auch rund ums Jahr ablesen.

          Hauptsache es gibt was zu futtern

          Wo sich keine passenden Vogelarten tummeln, könnten vielleicht gezähmte Vögel die Überwachungsaufgabe übernehmen, schreiben die Forscher in der Online-Zeitschrift „Plos One“. Dabei gilt es, die Bestimmungen von Tier- und Artenschutz natürlich ebenso zu beachten wie bei den wild lebenden Artgenossen.

          Inwieweit es tatsächlich praktikabel ist, routinemäßig gefiederte Umweltpolizei auf Streife zu schicken, wird sich zeigen. Auf jeden Fall suchen derartige Fahnder ausschließlich nach Abfällen, die zu einer Mahlzeit einladen. Bauschutt, Elektroschrott und andere gefährliche Abfälle werden ignoriert und bleiben damit unentdeckt.

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